Wenn eine böse Tat unter einem falschen, guten Namen geschieht, so Wird sie dadurch nicht geringer sondern noch verwerflicher. Am 17. und 18. Januar tagte der, von der kommunistischen Partei einberufene „Deutsche Volkskongreß“ zum toten Mal in den Westzonen: für die Einheit Deutschlands und für einen gerechten Frieden. Kant und Turnvater Jahn, Hölderlin, wie der Freiherr vom Stein und die Bibel wurden zur Hilfe gekommen, und wenn man nicht umhin konnte, Marx zu zitieren, so geschah das ohne Namensnennung. Kein Wort der Empfehlung der sowjetischen Außenpolitik, kein Wort des östlichen Parteiprogramms. Wir haben uns entschlossen, die Verantwortung für die Selbsthilfe aller Deutschen zu übernehmen“ „Wir sind das gute alte deutsche Gewissen“ – „Wir sind die große deutsche Wache“, Das war der (Tenor. „Waren die Urheber dieses „Volkskongresses“ nicht wirklich gute Deutschedie nur die Einheit, ihres Volkes vor Augen hatten? Nein! Sie waren es leider nicht: Es sind die Politiker, Sie blind und skrupellos die Befehle ans Karlshorst ausführen; die Deutschen, die als einzige wahre Angaben darüber machen konnten, wie viele ihrer Landsleute schon wieder in Konzentrationslager gesperrt sind, diejenfgen, die verantwortlich dafür seichnen. daß in der Ostzone ein Terror errichtetwurde, der „dem DeutschlandHitlers kaum seinesgleichen fand.“

Daß in dem Gefolge des SED-Vorsitzenden Grotewohl der CDU-Funktionär der Ostzone, Otto Nuschke und das Mitglied des Hauptvorstandes der LDP, Schulrat Wolff, nach Bremen kamen, vollendet nur das Bild der östlichen Demokratie und ihrer noch bestehenden Scheinopposition. Aber wenn bisher auch einige weniger- oder unbekannte Mitglieder anderer Parteien aus dem Westen an dem Kongreß teilnahmen, so sollten sie daran denken, daß, wer im jetzigen Stadium des Geschehens der SED den kleinen Finger reicht, nur nochdurch eine Amputation gerettetwerden kann. Die bürgerlichen Parteiführer im Osten, die der SED-Parole folgten, allerdings würden diesen Eingriff schön heute nicht mehr wohlbehalten überstehen. Und wieweit sie sich eingelassen haben, mag die Äußerung Grotewohls beweisen, der in ihrer Gegenwart die Parteien von aller Verantwortung für die Oder-Neiße-, Grenze freisprach und behauptete, die deutschen Ansprüche auf diese Gebiete kämen deutschen „Reparationsforderungen“ gleich, als ob deutschen land den Krieg gewonnen gleich, Es fielen weitere, bemerkenswerte Worte in Bremen. Eine Entschließung zur Ernährungslage führt die mangelhafte Versorgung auf die bizonale Ernährungspolitik und die „bisher sabotierte“ Bodenreform zurück und nicht auf die Verstümmelung Deutschlands im Osten. Die „Herren.“ die in Frankfurt die Teilung Deutschlands’ vollzogen“, wurden als Quislinge bezeichnet.

Und damit wird der Sinn des überstürzt einberufenen Kongresses im Westen und die Bildung eines „Ständigen Ausschusses des Volkskongresses für ganz Deutschland“ klar. Es gilt – befehlsgemäß – den Ausbau eines Kerndeutschlands und eines gesunden Wirtschaftssystems-im Westen zu unterbinden. Eile scheint den Herren geboten. Wenn bis zum Anlaufen des Marshall-Planes nicht der völlige Zusammenbruch erreicht ist, hat die SED das Spiel verloren. Sie fühlt sich siegessicher, weil sie weiß, daß hinter ihrem Regenschirm jemand, steht; der tatsächlich schießen kann, und sie bedient sich einer Aushängeschildes – wie jede politische Tarnung stellt es das schlechte Gewissen unter Beweis – das geeignet ist, viele zu verfahren: die EinheitDeutschlands. Um so notwendiger ist es, zu betonen, daß der SED an Deutschland nichts, an der Sowjetunion alles gelegen ist. C. J.