Eine? der fünf Bevollmächtigten der Sonderkonto mission, die demnächst nach Palästina reisen, sell II, um die Teilung vorzubereiten, hat mit Recht darauf hingewiesen, daß man sich von der Tätigkeit, dieser „fünf einsamen. Pilger“ keine Wunder erwarten, dürfe. In der Tat ist, die Frage, wie man eigentlich die Teilung ohne internationale Streitkraft gegen den Willen der Ataber vollziehen will, noch von niemandem beantwortet worden. England hat in mehrfachen unmißverständigen Erklärungen darauf, hingewiesen, daß man Verantwortung und Vollzugsgewalt nicht trennen könne und daß es daher nach Niederlegung des Mandats am 15. Mai nicht mehr bereit wäre, seine Truppen zur Verfügung zu stellen.

– Im Licht der von Bevin entworfenen Außenpolitik. die ihr außereuropäisches Schwergewicht Im afrikanischen Raum haben wird, ist das englisch-arabische Verhältnis natürlich von besonderer Bedeutung und soll darum keinen zusätzlichen Belastungen ausgesetzt werden. Für Amerika ist es wesentlich schwieriger, eine eindeutige Position zu beziehen – es ist oft genug auf die Bedeutung des arabischen Öls einerseits und der jüdischen Wählerschaft in Neuyork anderseits hingewiesen worden, Bisher hat sich die USA sehr diplomatisch aus der Affäre gezogen, indem sie in Lake Success im interesse der Juden für die Teilung gestimmt hat und in Palästina selbst sich jeder Intervention enthält; was wiederum den Arabern zugutekommt aber es ist die Frage, ob diese Politik noch lange, fortgesetzt werden kann. Das gerade ist das Besorgniserregende, daß der Brandherd. Palästina keinesfalls. lokalisiert werden, kann. Nicht nur werden dies die wirtschaftlichen und strategischen Interessen Amerikas’ und Europas nicht zulassen, auch die wachsende Teilnahme, mit der die islamischen Völker Asiens den Prestigekampf der Araber verfolgen, deutet auf eine Ausbreitung des Konflikts hin. Und schließlich hat Rußland, das zwar auf keinerlei .Resonanz im Vorderen Orient rechnen kann, in einer gelegentlichen Einmischung mindestens das negative Interesse, den Haß gegen den „westlichen Kapitalismus“ dort so zu schüren, daß eines. Tages die amerikanischen Ölgesellschaften. und die englischen Militärmissionen aus dem Land getrieben oder an Ort und Stelle umgebracht werden, wenn der „heilige, Krieg“ die mohammedanischen Völkerschaften dazu inspirieren sollte.

Wenn man einmal versucht, aus den sich häufig widersprechenden Betrachtungen und Berichten der Voederorient-Spezialisten ein Bild über die derzeitige militärische Stärke der beiden Kontrahenten zu gewinnen, so ergibt, sich etwa folgender Eindruck: die Juden Raben in Gestalt der Haganah eine gut bewaffnete und durchaus disziplinierte Armee von etwa 65 000 Mann, während man bei den Arabern, mit Ausnahme der modern bewaffneten, von englischen Offizieren angeführten 10 000 Mann starken Arabischen Legion, die in Transjordanien stationiert ist und England jährlich zwei Millionen Pfund kostet, kaum von militärischen Kräften im modernen Sinne sprechen kann: Saudi Arabien verfügt ebenfalls über etwa 10 000 Mann reguläre Truppen, die von englischen und amerikanischen Offizieren ausgebildet sind, und hat im übrigen bereits ein Kontingent Kamelreiter und auch Flugzeuge zur Unterstützung der Palästina-Araber nach Sinai geschickt. Dort Steht ferner eine Armee von 10 000 ägyptischen Soldaten Unter dem Oberbefehl des ägyptischen Generalstabchefs General Attala Pascha angriffsbereit Die irakische und die syrische Armee dürften bei den häufigen Unruhen in diesen beiden Ländern füreinen Krieg in Palästina im vollen Umfang kaum einsatzfähig sein, dafür kommt aber dem syrischen Spezialausbildungslager für Guerillakämpfer eine gewisse Bedeutung zu. Es ist aber zu bedenken, daß die Hauptmarke der Araber in der potentiellen Kampfkraft der zu jedem Aufstand bereiten Stämme und der fanatisierten politisch-religiösen Organisationen wie der Moslem Brothernhood liegt. Wenn es wirklich zum offenen Krieg zwischen Arabern und Juden kommen sollte werden die Juden wie in einer belagerten Festung leben, von ihrer militärischen Überlegenheit keinen entscheidenden Nutzen haben und auf die Dauer auf eine Versorgung über See angewiesen, sein. Dazu aber gehört ein Dritter, der bereit sein muß, die Konsequenzen einer solchen Einmischung auf sich zu nehmen. Dönhoff