Die Anspornaktionen im westdeutschen Kohlenbergbau werden verstärkt fortgesetzt. Während das Punktsystem noch in Kraft ist, wird eine dritte Carepaketverteilung eingeleitet. Erreicht die tägliche Förderung in der britischen Zone 3000 000 Tonnen, sollen 40 Millionen Zigaretten als Sondergabe an die Bergleute ausgegeben werden. Ferner hat mit dem 1. Januar die „dritte Phase“ begonnen, d. h. die Beteiligung des Bergmanns am Kohlenexporterlös.

Durch diese mehrfachen Vergünstigungen hofft man die Gesamt- und Einzelleistung der Bergarbeiter erhöhen und so die tägliche Steinkohlenförderung in nächster Zeit auf 325 000 t bringen zu können. (Während der zweiten Carepaketaktion wurde die bisher höchste Förderung von 284 000 t am 29. November erzielt; dann ging die Leistung stärker zurück und hat am 6. Januar die 250 000-Grenze wieder überschritten.) In der dritten Carepaketaktion soll die Förderung noch einmal um 16 v. H., von 284 000 auf 325 000 t, gehoben werden. Der Nachweis, daß diese erhöhte Förderung 4 Wochen lang gehalten worden ist, kann in der Zeit vom 5. Januar bis 31. März erbracht werden.

Unabhängig von der dritten Carepaketausgabe hat die dritte Phase des Anspornplanes am 1. Januar begonnen. Danach ist vorgesehen, einen bestimmten Anteil der Devisen aus der Kohlenausfuhr für den Import von Nahrungsmitteln und Gebrauchsgütern den Bergleuten der Steinkohlenreviere zur Verfügung zu stellen. Bei einer Tagesförderung von 225 000 t macht der Betrag 18 cts je Tonne aus und steigt bis zu einer Tagesförderung von 325 000 t auf 31 cts. Diese Summen werden in eine Zonenkasse eingezahlt, aus der monatlich 200 000 bis 250 000 Dollar vorweg zum Import von Speck für die Belieferung durch das Punktsystem entnommen werden. Bisher wurde dieser Speck im allgemeinen aus dem Inland beschafft, woran von Anfang an im Hinblick auf die Verbraucher mit Recht Kritik geübt worden ist. Über die Zechen die ihr Leistungssoll erfüllt oder überschritten haben, erhalten die Bergarbeiter und Angestellten Importkaufscheine auf Centsbasis, mit denen sie für ihre Familienangehörigen die aufgerufenen und nicht gelieferten Lebensmittel aus den Importwaren unter Einschaltung der Ernährungsbehörde in dafür namhaft gemachten Verkaufsstellen erwerben können. Mit den Importkaufscheinen, die nicht zum Erwerb von Ausgleichslebensmitteln und Speck gebraucht werden, sind eingeführte Genußmittel und Gebrauchsgüter in Verbindung mit Bergmannspunkten käuflich. Die Praxis muß zeigen, wie sich dieses komplizierte System im Einkauf und bei der Verteilung bewähren wird.

Diese Anspornaktionen beleuchten zugleich dieverworrene Wirtschäfts-, Ernährungs- und Währungslage in Deutschland. Der Industrieverband Bergbau, die Vertretung der Bergarbeiter, hat zur Ausgabe des dritten Carepakets erneut darauf hingewiesen, daß nur eine grundlegende Verbesserung der Versorgung der gesamten Bevölkerung, die vollkommen unzureichend ernährt wird, durchgreifende und dauerhafte Erfolge bringen kann.J. Sch.