Frankreich, dessen Stärke das Improvisieren ist, und dessen Wirtschaftstheoretiker zwar schon über économie dirigée lebhaft debattierten, als der Liberalismus noch hoch im Kurse stand, aber 1936/37 mit ihrem Blum’schen Experiment der Kaufkrafterhöhung und Arbeitszeitkürzung kläglich scheiterten, hat nach dem Kriege bereits drei Wirtschaftspläne über sich ergehen lassen müssen: Monnet, Mollet und Mayer. Monnet, einer der erfolgreichsten und international bekanntesten Bankiers, ging in seinem kurz nach den Kriegsende dargelegten Plan von der langfristig richtigen Deutung aus, daß die Produktivkräfte Frankreichs zu wenig entwickelt seien und somit ihr Ausbau im Vordergrund stehen müsse. Sein Plan sieht Investitionen von mehr als 6 Mrd. Dollar vor. und dabei eine Erhöhung der Kohlenförderung gegenüber der Vorkriegszeit um 40 v. H., der Produktion von Nichteisenmetallen und Maschinen um 60 v. H., von Konstruktionsmaterial, elektrischer Kraft und Stahl, sogar um100 v. H. Frankreichs Stahlindustrie soll nicht nur die deutsche, sondern auch die britische überflügeln.

Nachhinken des Montet-Plans

Frankreich hält an diesem Plan weiterhin fest. Alle Regierungen haben sich zu ihm bekannt, aber es gilt als selbstverständlich, daß Frankreich das gesetzte Ziel aus eigener Kraft nicht schafft und außer auf Kredite vor allem auf Millionen von Fremdarbeitern angewiesen ist. Der Plan besagt, daß der Produktionsstand von 1938, einem Jahr schlechter Konjunktur, Ende 1948 erreicht, der von 1929, einem Jahr der Hochkonjunktur, Mitte 1948 überschritten werden soll und daß 1950 die Produktionsleistungen um 25 v. H. über denen von 1929 liegen sollen.Das erste Ziel wurde mit einer Verspätung von etwa vier Monaten erreicht, seitdem verstärken sich aber immer mehr die Rückstände und keiner rechnet mehr damit, daß auch nur Ende dieses Jahres von einem Produktionsstand des Jahres 1929 die Rede sein kann. Bestenfalls wird dies Mitte 1949 der Fall sein; Zwar hatten einige Zweige, wie Kohle, Stahl und vor allem Elektrizität, vor Ausbruch der Streiks mit der Tagesleistung das Produktionssoll des Jahres erreicht, aber auch diese vorliegenden Gruppen weisen im Jahresdurchschnitt1947 gegenüber dem Soll ein Minus von etwa 20 v. H. auf. Insgesamt werden sich die Rückstände –genaue Zahlen liegen noch nicht vor – um etwa 25 v. H. bewegen. Die ansehnlichen Leistungen in einigen. Zweigen, wie besonders im Kohlenbergbau, verdankt Frankreich deutschen. Kriegsgefangenen. Die Hoffnungen für die kommende Zeit sind die Lieferungen aus Amerika und den Westzonen Deutschlands.

Mollet für ein leichtes Leben

Das entscheidende Hemmnis des Monnet-Planes ist ein psychologisches undnicht etwa, wie es in amtlichen Kommentaren heißt, der Mangel an Rohstoffen. Der Monnet-Plan bedeutet, daß die Franzosen als Verbraucher den Riemen enger schnallen müssen; denn man kann nicht gleichzeitig mehr Produktionsgüter und mehr Verbrauchsgüter herstellen. Diese Konsequenz ist bitter für die Franzosen die nach dem Abzug der deutschen Truppen als Sieger wieder ein Leben wie Gott in Frankreich erwarteten, Die Regierung trug diesen Wünschen bereitwillig Rechnung. Sie erhöhte im Herbst 1944 die Löhne um 40 v. H. und stellte zu Beginn des Jahres 1946 im Rahmen eines Programms der erhöhten Produktion von Massengebrauchsartikeln, Sonderkontingente an Rohstoffen zur Verfügung. Die Nachfrage und die Produktion von Konsumgütern mußten ansteigen, und dies müßte zu Lasten des Produktionsbereichs und somit des Monnet-Planes gehen.

Diese Maßnahmen, wurden aber von breiten Schichten als unzulänglich empfunden. Mollet, der Generalsekretär der französischen Sozialisten, unterbreitete deswegen im Herbst 1946 einen Fünfjahresplan zur Hebung der Kaufkraft und zur Besserung der Lebensverhältnisse. Um diesen Plan ist es zwar stille geworden, aber die Wirtschaftspolitik aller Regierungen ist offenkundig von dem Mollet-Plan der Erhöhung der Konsumgüterindustrie stärker beeinflußt als von dem Monnet-Plan des Ausbaus der Produktivkräfte.

Geldüberhang