Die Deutsche Kriegsgefangenhilfe, eine überparteiliche Institution, die vor einem Jahr in Hamburg gegründet wurde, hat schon vieles tun können, um den deutschen Kriegsgefangenen ihr Los zu erleichtern. Die Organisation hat sowohl in allen vier Zonen als auch besonders im Ausland Unterstützung und Hilfe gefunden. Durch die Patenschaftsaktion wurde 1200 alleinstehenden Kriegsgefangenen ein neues Zuhause gegeben; In 12 003 Fällen wurde für Kriegsgefangene ohne Heimat und Angehörige ein Briefwechsel vermittelt. In Tausenden von Exemplaren konnten Bücher, Zeitschriften, besonders Fachliteratur und auch Notenmaterial, in die Kriegsgefangenenlager versandt werden.

Der deutsche Zweig der „Maison de la Paix“ von Paris wurde in Hamburg gegründet. Die Vereinigung hat Madame Noel Grange 1946 in Frankreich ins Leben gerufen; sie will auf pazifistischer Grundlage alle Friedensbestrebungen zusammenfassen, um „mit Geist und Herz vereint, der Konflikte Herr zu werden“, wie es in dem Gründungsmanifest heißt. Die Gründerin des deutschen Zweiges, Madame Therese Lempereur, sagte in ihrer Ansprache, daß intransigenz und Intoleranz die Kernursachen aller kriegerischen .Entwicklungen seien. Sie wolle „die Dynamik der Deutschen für die Armee des Friedens mobilisieren. Das Leben für den Frieden“, so sagte sie, „verlangt mehr Mut als das Schlachtfeld. Vertrauen wir den Deutschen!“ Professor Dr. Laun, der Rektor der Hamburger Universität, der als Präsident des deutschen Hauses vorgesehen ist, betonte, daß die Tätigkeit in der neuen Vereinigung von einem unter der Besatzung lebenden Deutschen nichts verlange, was sich nicht mit seiner Liebe für das Vaterland vereinigen lasse.

Das Für und Wider zur Aufführung von Sartres „Fliegen“ im Hebbel-Theater in Berlin nimmt in den Berliner Zeitungen einen besonders breiten Raum ein. Während die offiziellen Stimmen der drei westlichen Sektoren im allgemeinen positiv sind, äußerte sich der russische Oberstleutnant Dymschitz von der SMAD, daß es ein großer Fehler sei, „gerade in Deutschland, wo in der jüngsten Vergangenheit so viel gemordet worden ist, ein Stück aufzuführen, dessen Held sagt, er sei dadurch ‚frei‘ geworden, daß er gemordet habe. Damit gibt man einem Volk, das den Weg zur moralischen Wiedergesundung. sucht, ein schlechtes Beispiel.“ Auch die in den westlichen Sektoren tätigen deutschen Theaterfachleute sind für die Aufführung, obwohl sie die geistige Richtung und den „blutrünstigen Charakter“ des Stückes ablehnen, während sich Intendant Langhoff vom russisch lizenzierten Deutschen Theater sehr scharf gegen die ungesunde Dekadenz und Ratlosigkeit einer intellektuellen Schicht wendet, „die den Führungsanspruch grundsätzlich verloren hat“. Direktor Lindemann von der Defa sieht in der Aufführung einen französischen Freisprucht von der deutschen Schuld, denn „wie Orest die Stadt von ihrer Schuld befreit, indem er sie verläßt und die Fliegen mitnimmt, so könnten die Deutschen glauben, auch Hitler habe bei seinem Selbstmord Deutschlands Schuld mit ins Grab genommen“.

Der deutsch-italienische Opernkomponist Ermanno Wolf-Ferrari ist in seiner Geburtsstadt Venedig gestorben. Mit ihm ist der Vertreter einer liebenswürdigen, problemlosen Kunst dahingegangen, deren persönlicher Scharm und solides Handwerk alle Stilwandlungen überdauerte und immer wieder ein freundliches Echo fand. Unter den Meistern seiner Generation – er ist 1876 geboren – war er einer der ersten, die den Ausweg aus der Sackgasse des monumentalen Musikdramas in der Gattung der intimen Kammeroper suchten. „Die neugierigen Frauen“, „Die vier Grobiane“ und „Susannes Geheimnis“ waren auf diesem Gebiete, starke Erfolge. Eine Zeitlang gingen auch die größeren veristischen Opern „Der Schmuck der Madonna“ und „Sly“ über viele Bühnen der ganzen Welt. Auch als Schöpfer feingüteriger Kammer- und Chormusik hat Wolf-Ferrari hervorragendes geleistet.

Der Historiker Professor Dr. Johannes Holler, der von 1913 bis zu seiner Emeritierung im Jahre 1932 an der Universität Tübingen mittlere und neuere Geschichte lehrte, ist vor kurzem im Alter von 82 Jahren gestorben. Zu seinen bedeutendsten Werken gehören die „Epochen der deutschen Geschichte“ und das vierbändige Alterswerk „Das Papsttum“ (von den Anfängen bis zur Zeit Dantes), „Die Art Bülow“ und die von Haller herausgegebenen Erinnerungen des Fürsten Eulenburg.

„Künstlerbekenntniss unserer Zeit“, eine Ausstellung von Gemälden, Graphiken, Aquarell und Plastiken, zeigt die Kunstrunde Hamburg in Gemeinschaft mit dem Kulturbund zur demokratischen Erneuerung in den Galerieräumen im Alsterhaus.

Ernst Nebhuts „Der Stundenhändler“ wurde im Frankfurter Kleinen Theater im Zoo unter der Regie von Fritz Romond uraufgeführt. Die Handlung des Spiels liegt zwischen Parodie, Moritat und Komödie. Ihr Hintergrund ist das Raritätenkabinett menschlicher Unzulänglichkeiten, in dem ein Raritätenhändler frevlerisch mit der Zeit und den obwaltenden göttlichen Gesetzen spielt.