Wieder einmal hat eine Preisbildungsstelle dieinnere Unlogik des Stoppsystems – aus einer politischen Zielsetzung geschaffen, aber wirtschaftlich angewandt – verbrieft und gesiegelt. Die Preisbildungsstelle Nordrhein-Westfalen hat durch Ausnahmegenehmigung das Korkengeld für den Verzehr selbst mitgebrachter alkoholischer Getränke in Gaststätten wie folgt festgesezt: für die Flasche-Wein je nach Preisgruppe des Lokals 2,50, 3,50, 5,– RM, für die Flasche Schaumwein, Likör oder hochprozentige Spirituosen 5,–, 7,–, 10,– RM. Wir können also wieder einen Preisstopp mehr in dem dicken Stoppreishauptbuch eintragen. Jedoch das ist weniger gewichtig, die soziale Seite ist entscheidender.

Der Preistopp gilt für alle den Konsumenten „weiß“ erreichenden Güter; der „schwarze“ Markt hat seine eigenen Gesetze. Hier entscheiden Angebotund Nachfrage, wobei das Angebot durch erhöhte Risiken überteuert wird. Aber die Nachfrageist groß, auch in Alkoholika; weil die Nerven abreagieren wollen. Einen besseren Beweis als die letzte Silvesternacht – quer durch alle Klassen – gibt es wohl kaum. Nun ist aber in den Westzonen die Alkoholproduktion für deutschen Konsum (mit Ausnahme bestimmter Arbeitsgruppen) verboten. Daher kann man alkoholische Getränke auch nicht bewirtschaften. Das Bewirtschaftungssystem versagt jedoch; die Kontrollorgane haben den Überblickverloren oder wollen ihn verloren haben. Es gibt also Schnaps – steuerfrei.

Da entdecken die Preisbehörden, schamvechüllt ihren Konkurs verleugnend, einmal mehr ihr sozial anmutendes Gepräge und schützen den „armen“ Mann, der seinen Schnaps im Lokal trinken möchte. Wer aber kann sich denn bei diesen Steuern und bei diesem Lohnstopp Schnaps leisten?W–n.