Es läßt sich nun einmal nicht leugnen, daß Österreichs und Deutschlands Wirtschaft eng miteinander verknüpft.sind unberührt von den politischen Fehlern des vergangenen Jahrzehnts. Gemeinsame Sprache und gemeinsame Grenzen führten zu einer gegenseitigen Abhängigkeit, die nach wie vor besteht und noch weiterbestehen wird. So wurden mit deutschen Maschinen die österreichischen Kraftwerke eingerichtet und mit unseren Chemikalien die Glaswerke sowie die pharmazeutische Industrie um Wien und Graz versorgt.

Österreich braucht (zusammengestellt aus einer offiziellen Dringlichkeitsliste, die nur den nötigsten Bedarf berücksichtigt) von den Siemens-Schückert-Werken für die Österreichische Kraftwerke A. G. Störung und Mühlrading zwei Generatoren für 300 000 $; von der Dortmunder Union Brückenbau A.-G. für das Kraftwerk Ternberg Generatoren für 800 000 von Koppers-für die Wiener Gaswerke Ersatzteile für Gaserzeugungsanlagen für 200 000 von der AEG für die Wiener. Elektrizitätswerke Ersatzschaufela für Turbine 13 des Kraftwerkes Simmering für 11 000 $; Von Koppers für die Gas- und Wasserwerke Salzburg einen Vertikalkammerofen für 120 000 $; von Konradty (Nürnberg) für die Voest 300 t Graphitelektroden für 110 000 $; von Siemens-Plania für die Salzburger Aluminiumgesellschaft für Umschmelzereiöfen Graphitelektroden; von den Deutschen. Kieselgurwerken für die Aga-Werke 30 t Kieselgur sowie Mannesmannröhren für 300 000 $. Von den deutschen Büromaschinenfabriken Ersatzteile für Schreib- und Rechenmaschinen für 125 000 $; für die medizinische Industrie Röntgenröhren für 10 000 $. Die Österreichischen Bundesbahnen brauchen Tauernkabel für 80 000 $ sowie Fahrkartendruckmaschinen für 20 000 $; die Staatsdruckerei von der Göbel A. G. Ersatzteile für die Briefmarkendruckmaschine für 300 $ (1); Steyr braucht aus dem Ruhrgebiet, elektrische Rohrschweißmaschinen für 54 000 $; die Saurer-Werke von Bosch 100 Einspritzpumpen, 100 Anlasser, 100Lichtmaschinen; Präzisionsschalttafeln und Kreisbogen-Spezialkeften. Der Bedarf an Pharmazeutie aus Deutschlandswird mit knapp 10 Mill. $ berechnet, darunter 250 t Anilinfarben für 1 Mill Z. Unberücksichtigt sind die Sonderanfragen: 12 t Photokresol B, 2 t Kalium-Äthylxanthat, 5 t Zynatrium-Sodium, 5 t Tragöl 4, 50 t Methylhexalin, 30 t Tetralin, 40 t Dekalin, 20 t Zelabret, 50 t künstlicher Bimsstein. Die Elektroindustrie, fragt nach Radiobestandteilen für 7,5 Mill. $, Schaltgeräten für 1,2 Mill. S, Bestandteilen für der Telefonbau für 0,5 Mill. ferner nach Werkzeugen, Werkzeugmaschinen. Thermometern und Manometern für 790 000 S. Die Listekönnte zwanglos fortgesetzt werden. Insgesamt halben die Österreicher die Summe von 50 Mill. $ für Waren Ausgerechnet, die spezifisch deutschet Herstellung entsprechen. Dafür bietet sich – Österreichan folgende Waren nach Deutschland zu exportieren (wiederum zusammengestellt aus einer Liste, die dasösterreichische Forschungsinstitut für Wirtschaf und Politik in der Zeitschrift „Berichte und Informationen“ veröffentlicht, die 125 lieferbare Wittengnippenenthält, aus der wir einige, herausgreifen) Holzerzeugnisse alle; Art, Magnesit, Talkum, verschiedene Mineralien. Edelstähle, landwirtschaftlich! Maschinen, Müllereimaschinen, Papier und Pappe Wir könnten liefern oder doch wenigstens die Lieferungen vorbereiten, wenn – wie gesagt – wie dürften. Warum aber kommt der Warenaustausch nicht zustande? Wir zitieren wieder österreichische Quellen: sie stellen fest, daß die Entscheidung naturgemäß bei den Besatzungsbehörden liege. „So waren unlängst Vertreter des Wiener Handelsministeriums zu-Verhandlungen in Berlin, bei denen die deutschen Behörden nicht einmal beratend zugezogen wurden.“

So scheint es vorläufig erst einmal so zu bleiben wie es ist. Das heißt, das Deutschland weiterhir fast nur Kohle (in den ersten 8 Monaten 1947 für 132 Mill. Schilling) liefern wird – ein Rohstoffder für uns selbst sowohl der wichtigste wie auch der knappste ist. Damit bestreiten, wir 20 v. H. des österreichischen Importe während dieses Land in: gleichen Zeitraum nach Deutschland für 4 Mill. Schilling (l v. H. seiner Ausfuhr) exportierte. Der Saldo muß in Dollar abgedeckt werden. In Österreich, sind aber Dollar nicht weniger, knapp als bei uns. Wien erstrebt daher eine möglichst ausgeglichene Handelsbilanz, um harte Währung zu sparen. JEIA dagegen hat der Verwaltung für Wirtschaft die durch Export verdienten Dollars noch nicht freigegeben. Sie roulieren also nicht.

JEIA hat neue Satzungen erhalten. Sie sehen u. a, vor, „Maßnahmen zu ergreifen, soweit sie zur Wiederherstellung und Förderung friedlicher Hancelsbeziehungen erforderlich sind“, sowie die Verantwortung an deutsche Stellen „so schnell wie möglich“ zu übertragen. Es bleibt Uns also die Hoffnung, daß sich dann die die Gestälrung von Ein- und Ausfuhr nach deutschem Gutdünken entwickeln wird Freiherr v. Maltzan, der Exportfachmann des VfW, formulierteim Dezember den deutschen Standpunkt: „Die Einfuhr der Doppelzone erfolgt bisher im wesentlichen aus den Gebieten der Besatzungsmächte. Den europäischen Ländern, in die gegenwärtig etwa 90 v. H. der Ausfuhren der Vereinigten Westzonen gehen, stehen aber keine genügenden Dollarbeträge zur Verfügung. Es muß. daher erreicht werden, daß diese Länder Warenlieferungen der Doppelzone mit ihren eigenen Waren bezahlen und nicht wie bisher mit Dollars.“Bernd Weinstein