Samstag,1. Juli, Genua. Garibaldi sammelt seineLegion und läßt sie nach Mailand marschieren, während er sich ins Hauptquartier von König Karl Albert begibt.

Montag, 10. Juli,Rumänien. Die Russen rücken in Jassy ein, wo die Cholera schreckliche Verheerungen anrichtet.

Donnerstag, 24. August, Paris. Giuseppe Verdi an Clarina Maffei: "...Übrigens steht auch Frankreich vor einer Katastrophe, und ich weiß nicht, wie man darüber hinwegkommen will. Die Untersuchung über die Vorfälle im Mai und Juni ist das Niederträchtigste, Widerlichste, was es gibt. Welch eine jämmerliche Zeit, welch ein Geschlecht von – Zwergen! Nichts Großes geschieht – nicht einmal große Verbrechen! Ich glaube, daß eine neue Revolution hereinbricht; man wittert sie schon fast. Und die neue Revolution wird diese armselige Republik vollends umwerfen."

Aus einem undatierten Brief von Michael Bakunin an Georg Herweghs "...ich glaube nicht an Konstitutionen und an Gesetze; die beste Konstitution würde mich nicht befriedigen können. – Wir brauchen etwas anderes: Sturm und Leben und eine neue; gesetzlose und darum freie Welt."

Donnerstag, 12. Oktober, Berlin. Theodor Fontane an Bernhard von Lepel:"... Nicht großgezogen in der Freiheit, noch ohne Sinn und Zunge für ihren Feuerwein – wohl aber, nach Tagen voll Mut und Kraft, von dem verzeihlichen Wunsche beseelt, nun auch in aller Muße, des Sieges und seines Teils daran sich zu freuen, Ja dieser Stimmung schlich sich jene politische Faulheit ein, die von der königlichen Herrschsucht so schnöde mißbraucht und der Grund zu allen Kämpfen wurde, deren kleinsten Teil wir erst bestanden haben – Ich weiß, daß milde Seelen bemüht gewesen sind, dies geizige Zurückhalten mit der Phrase zu entschuldigen: das Volk war noch nicht reif, ich aber erwiderte darauf: ein gutes und gesittetes Volk ist immer reif für die Freiheit‘. ...Und wären wir’s nicht, was liegt daran so müßten wir’s werden, und, aufs Wort, wir würden es. Scheußliche Verhöhnung, in der Knechtschaft reif für die Freiheit zu werden! Schwimmen lernen auf dem Trocknen; nur in der Freiheit wird man frei."

Freitag, 24. November, Rom. Der Papst flieht verkleidet in Begleitung des französischen Gesandten aus dem Quirinal nach Gaeta.

Donnerstag, 28. Dezember, Frankfürt. Die Nationalversammlung verkündigt die "Grundrechte des deutschen Volkes".

Freitag, 29. Dezember, Chelsea. Thomas Carlyle an Varnhagen von Ense: ... Welch, ein Jahr haben wir seit letztem Februar gehabt! Das allgemeine Niederbrechen aller verrotteter Throne und Hervorbrechen von Straßenbarrikaden; rasender Sansculottismus, der überall sich erhebt und wie ein Weltenbasilisk in das nichtige Wau-Wau starrt, das ihm ein Gott zu sein vorgab. Was bist du, du verfluchtes verächtliches Wau-Wau? – Es ist für mich das niedrigste, skandalöseste und betrübenste Schauspiel, dasdie Welt in meiner Zeit jemals dargeboten; und wenn nicht in dem dunklen Schoße dieser entsetzlichen Wüstenei’ ein Strahl ewigen Lichts für mich erkennbar wäre, so würde ich (wie der "arme Niebuhr) denken, das Weltall ginge aus den Fugen, und für mein eigen Teil betont: Verbirg es vor mir!" Zusammengestellt nach dem Aliwiz Almanach von Dr. Marita Hürlimann, Zürich