Nach zwei Richtungen neigt im wesentlichen das geistige Verhalten derer, die den Krieg überlebten: zu einer rückschauenden, dem posthumen Genuß des Schmerzes hingegebenen Resignation oder zu dem Bestreben,den Erscheinungen des Lebens zugekehrt zu bleiben und aus der Not der Zeit das Bestmögliche zu gewinnen. Gerhart Bettermann bekundet in seiner sechs Holzschnitte umfassenden (handabgezogenen) Folge „Fünf Minuten, nach Zwölf. Ein Totentanz“ die erste Tendenz. Die große Mappe enthält in einwandfreier Technik hergestellte Darstellungen von Grausigem, das dem Künstler im Nacherleben wohl die „Imago“, nicht aber in stets gleichwertigem Maße die entsprechende Ausdrucksfähigkeit lieh. Das Gräßliche alles Erlebten schrie und machte unsere Sinne stumpf, so daß kaum ein künstlerisch dargestelltes Überschreien sie aufmerksam zu machen imstande, ist. Eher wäre dies den leisen, den geflüsterten Stimmen, im Bildlichen den andeutenden Darstellungen möglich, die Sinne und durch sie die Herzen aufzurühren, in einer Gegenwart, da die Assoziationsfähigkeit so vorbereitet. wach und geschärft ist. Ein Echo; wie es diese Holzschnitte wiedergeben, kann die Schatten der jüngsten Vergangenheit nur nachzeichnen, nicht aber überzeugend beleben. – In die andere Richtung führt die Neigung den Dichter Hans Leip. „Rettet die Freude“ nennt er sein Bändchen mit „Betrachtungen zum gegenwärtigen Leben“ und nimmt sich der kleinen, den an die täglichen Plagen verlorenen Zeitgenossen unbedeutend erscheinenden Dinge an, die oft unbeachtet an seinem Wege liegen, und siehe, es ist überraschend lohnenswert, was der Dichter tut; indem er nämlich die Anlässe seines Interesses beäugt und nachdenklich entfaltet wie Morgensterns „Palmström“ sein Taschentuch, bieten sie ihm als Gegenleistung dankbar diese ermunternden und gern zu lesenden Anregungen. Sie helfen, nicht stets an die Schatten der Vergangenheit denken zu müssen – für resignierende Kopfhänger das Rechte. (Beides im Verlag Christian Wolff, Flensburg; erschienen).

Zum 40. Geburtstag des in Gießen beheimateten, in Wuppertal wohnhaften Malers der deutschen Landschaft Georg Röder hat sein als Kunstmaler und Graphiker tätiger Sohn Adolf eine von Dr. Ludwig Lindner verfaßte, mit vielen Bildwiedergaben ausgestattete Biographie herausgegeben, die der Entwicklung und dem Lebenswerk des Künstlers gewidmet ist. Es umschließt die Zeitspanne des niedergehenden; romantisierenden Naturalismus, dessen verdichtete Stimmungen in späteren Werken impressionistisch gelöst werden und dabei stets delikat in Farbe und Form bleiben. N.

Albrecht Dürer: Das Marienleben, Walter Rau-Verlag; Dietmannsried(Allgäu) und Heidelberg

Es handelt sich um eine hochwertige Wiedergabe der Dürerschen Legenden-Blätter in der Größe der Originale, erläutert von Dr. Kurt Martin, dem Direktor der Staatlichen Kunsthalle Karlsruhe. Dieser zitiert auf drei beigegebenen Bogen die „Legenda Aures“– es ist die im 13. Jahrhundert entstandene Marienerzählung, welche die der Madonna gewidmeten apokryphen Schriften zusammenfaßt – und fügt künstlerische Bilddeutungen hinzu: ein beglückendes Unternehmen. J. M.

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Arthur K. Solomon: „Warum Atomzertrümmerung?“ ins Deutsche übertragen und mit Erläunterungen von F. Flettmann. Verlag C. Bertelsmann, Gütersloh 1947.

Ein amerikanischer Atomforscher, Professor an der Harvard Universität, der selbst an den Entwicklungsarbeiten zur Atombombe beteiligt gewesen ist, stellt die Geschichte der Atomenergie dar, indem, er weniger selbst erzählt als vielmehr die Originalarbeiten der Pioniere der Forschung sprechen läßt. So finden Leser, die lediglich mit den Grundbegriffen der Physik vertraut sind, eine leicht verständige und vollständige Einführung in das aktuelle Gebiet. Neue Tatsachen, die nicht schon in Deutschland veröffenlichtsind, werden nicht gebracht. So ist offenbar daß große 4,70-m-Zyklotrom ein Rüstungsgeheimnis. Mit freudiger Dankbarkeit nimmt. man die vielen Bilder von Forschern und von Apparaturen auf sowie den flüssigen Text des Übersetzers, der das Buch durch Anmerkung und Beifügung von fehlenden Namen meist deutscher Forscher ergänzt.

Berthold Lammert