Mehrfach schon wurde nach diesem Kriege ein Umschwung auf dem Weltmarkt, für Getreide vorhergesagt. Jedesmal zu unrecht wie sich herausstellte, denn immer wieder überschritten die Weizenpreise bald die 3-Dollar-Grenze. So brachte das Jahr 1947 keine wesentliche Änderung der Markt Verhältnisse. Die Regierungen schlossen die Geschäfte untereinander und suchten sich auf einen mehrjährigen Zeitraum festzulegen. Da der Kreis der dollarstarken Nachfrager kleiner wurde, stellte man sich weitgehend auf staatliche Kompensation um. Ja, man tauschte sogar Getreide gegen Getreide. Ein Teil der Geschäfte fand unter weitgehendem Ausschluß der Öffentlichkeit statt. Der argentinische Vertrag von einer Million t Futtergetreide an England wurde erst Anfang Januar public, nachdem schon mehr als 200 000 t verschifft waren. Der Preis, zu dem dies Geschäft geschlossen wurde, ist bisher ebensowenig bekannt wie der Preis der 750 000 t Getreide, die Rußland an England liefern soll.

Zwei Anzeichen zu Beginn des neuen Jahres machen eine neue Entwicklung wahrscheinlich: das Angebot ist gestiegen und der größte Nachfrager, Großbritannien, hat seinen Bedarf bereits zu Anfang dieses Jahres kontraktmäßig geredet Der Weizenbedarf des Inselreichs betrug vor dem Kriege etwa 5,5 Mill. t. Die Abschlüsse mit Kanada und Australien betrügen über 6,5 Mill. t. An Futtergetreide führte England früher durchschnittlich 4 Mill. t ein. Während des Krieges dehnte es seine eigene Erzeugung an Hafer und Gerste um etwa 2 Mill. t aus. Argentinien und Rußland liefern 1750 Mill. t Futtergetreide; der Rest wird durch Kanada und Australien gedeckt.

Beide Vorgänge wirken in derselben Richtung, und zwar auf längere Sicht. Als erstes offenes Anzeichen mag man werten, daß die Weizenpreise in Chikago von 3,15 Dollar pro Bushel Mitte Januar auf 2,97 gegen Ende des Monats zurückgingen. Die Bedeutung dieses Preiseinbruchs läßt sich allerdings noch nicht ganz übersehen, denn die Entspannung auf dem internationalen Markt spielt sich auf der Basis einer Welternte ab, die kleiner ist, als im Vorjahr.

Eine endgültige Erleichterung kann die nächste Ernte der nördlichen Erdhälfte bringen. Der bisherige gute Saatenstand in ganz Europa verspricht die Hauptnachfrage geringer werden zu lassen, und aus den USA wurde in den letzten Tagen offiziell gemeldet, daß dort bisher alle Möglichkeiten für eine abermalige Weizen-Rekordernte vorhanden seien.

Die Weltversorgung wird durch die Ausfuhrmengen bestimmt. Die Exportvorräte an Weizen sind für dieses Jahr erheblich größer, weshalb die FAO (Food and Agriculture Organisation) die Lücke zwischen Angebot und Nachfrage an Brotgetreide nur auf 5 Mill. t. einschätzte gegenüber 10 Mill. t im Vorjahr.

Die Ausfuhrvorräte an Weizen sind also um etwa 6 bis 7 Mill. t größer als im vergangenen Jahr. Diese Vergrößerung des Angebotes wird jedoch durch das Ansteigen der europäischen Nachfrage infolge der schlechten Ernte 1947 weitgehend kompensiert.

Auch der Markt für Futtergetreide, das in vielen. Fällen ebenfalls für die menschliche Ernährung verwandt wird, zeigt eine Entspannung. Wegen ihrer schlechten Maisernte hatten die USA im August 1947 die Maisausfuhren eingestellt. (Anfang dieses Jahres betrugen die Vorräte bei den amerikanischen Farmern nur 38,9 Mill. t Mais und 3,9 Mill. t Hafer und Gerste, gegenüber 56 bzw. 3,5 Mill. t im Vorjahr.) Hier ergibt, sich jetzt eine wesentliche Entlastung durch das Auftreten Rußlands, das in kurzer Zeit Lieferzusagen über 3 Mill. t Getreide, überwiegend Futtergetreide, gemacht hat – eine Menge, die alle Erwartungen übertrifft. Außerdem werden Argentiniens Maisvorräte aus alten Ernten auf gut 2 Mill t geschätzt. und die neue Ernte wird bereits im März eingebracht. Auch an Gerste und Hafer vermutet man noch größere Vorräte aus der letzten Ernte in Argentinien. Es ist nicht ausgeschlossen, daß der Druck auf den Markt, durch das überraschende russische Auftreten hier noch Wunder wirken wird. Neben Rußland haben Brasilien, Südafrika. Jugoslawien und auch Irak ihre früheren Lieferungen an Futtergetreide wieder aufgenommen. Der Ausfall der nordamerikanischen Maisexporte, die im Vorjahr 2.7 Mill. t betrugen, wird also zahlenmäßig mehr als ausgeglichen.

Ende Januar ist in Washington der Internationale Weizenrat zusammen getreten. Alle an Erzeugung oder Verbrauch von Weizen wesentlich beteiligten Länder – mit Ausnahme Rußlands – sind vertreten. Angesichts der neuen Situation wird man vielleicht zu einer Einigung kommen, was im vergangenen Frühjahr in London nicht gelang. Damals sollte die gesamte Warenausfuhr zwischen den vier großen Erzeugerländern aufgeteilt werden: Kanada 40 v. H., Argentinien 25 v. H., Australien 19 v. H. und die USA 16 v. H. Gleichzeitig wurde ein Mindestpreis pro bushel von 1,25 Dollar und ein Höchstpreis von 1,55 Dollar vorgeschlagen. Argentinien wandte sich gegen die festen Quoten und Preise, und Großbritannien hielt damals die Mindestpreise für zu hoch auf lange Sicht. Inzwischen hat sich die Wirklichkeit weit von diesen Vorschlägen entfernt: die USA übernahmen fast 50 v. H. der Ausfuhren und die Preise stiegen auf das Doppelte der damals vorgeschlagenen Höchstpreise. E. Emmel