Der 26. Parteitag der Nenni-Sozialisten in Rom verlief weit dramatischer und tumultuarischer als die Parteileitung erwartet hatte. Diese hatte dem Parteitag für die kommenden italienischen Aprilwahlen ein Wahlbündnis mit den Kommunisten vorgeschlagen. Sie will also die Politik des Volksblocks des Jahres 1946 fortsetzen und nähert sich damit in ihrer Haltung immer mehr den sozialistischen Parteien Osteuropas. Die Debatte des Parteitages über diese Politik setzte die des vorjährigen fort. Damals opponierte vor allem der Saragat-Flügel der dann eine eigene sozialistische Partei bildete. Auf dem diesjährigen Parteitag war aber der Widerstand gegen die Blockpolitik nicht geringer. Die Opposition unter Führung von Romita und Lombarde erreichte 257 600 Stimmen gegen 525 000 für die Parteileitung. Ob diese Opposition nun zu den Saragat-Sozialisten übergehen wird, bleibt abzuwarten.

Dieser Beschluß der Nenni-Sozialisten für ein Wahlbündnis mit den Kommunisten ist ein beachtlicher Erfolg des Kommunistenführers Togliatti. Seine Begrüßungsworte auf dem Parteitag der Sozialisten waren auf den Tenor eingestellt; Italiens. Linke steht und fällt mit dem Wahlbündnis dieser beiden Parteien im Rahmen der volksdemokratischen Front. Die Togliatti-Politik ist dabei weit weniger linientreu als die von Thorez. Er wetterte zwar auf dem kommunistischen Parteitag Anfang Januar dieses Jahres, ebenso, wie Nenni und seine Freunde auf dem sozialistischen, gegen den „Imperialismus der Vereinigten Staaten“, gegen den „an Amerika verkauften“ de Gasperi, gegen den „dem Imperialismus dienenden Vatikan“, gegen die Saragat-Sozialisten als „Handlanger der Reaktion“ und vor allem gegen die Kontrolle durch den Marshall-Plan, aber Togliatti sprach sich für die Marshall-Lieferungen aus. wenn sie vom Volke kontrolliert würden. Togliatti wird wohl künftig noch mehr der Tatsache Rechnung tragen müssen, daß ein starker Flügel unter Terracini offen für den Marshall-Plan eintritt und auch der weiteren Tatsache, daß für die 195 Millionen Dollar der Zwischenhilfe schon Getreide. Kohle, Düngemittel, Flugzeugbenzin und Arzneimittel in italienischen Häfen ausgeladen werden. Zu mancher Konzession wird er um des einen Zieles willen bereit sein: Die Massen für – die Wahlen als Einheit zusammenzufassen und politisch zu führen in dem Rechenschaftsbericht der Kommunistischen Partei wird von einer „stationären Entwicklung“ gesprochen. Im Süden seien zwar die Aussichten weiterhin günstig, aber in den so wichtigen Industriebezirken des Nordens hätte die kommunistische Idee vor allem unter den Frauen, und der Jugend an Werbekraft eingebüßt. Die Streiks scheinen zu einem empfindlichen Rückschlag geführt zu haben. Die Wahlen sollen einen neuen Auftrieb geben; Wenn sie trotz der Taktik Togliattis nicht den gewünschten Erfolg haben sollten, werden wohl weitere Streiks- und Unruhen zu befürchten sein.

W. G.