Film-Uraufführung in Hamburg

Hamburg, die neue Filmstadt, sonnte sich bei der – festlichen Uraufführung des ersten Films der Real-Filmproduktions-Gesellschaft „Arche Nora“ (Drehbuch: H. G. Petersson, Regie: Werner Klingler) Im äußeren Glanze einer Premiere, wie man ihn so strahlend nach dem Kriege noch nie erlebt hat. Es gab elegante Autos, gleißende Scheinwerfer, eilig? Photographen; auch Filmstars, die im Film nicht imtspielten, kamen, zu sehen und gesehen zu werden. (Sybille Schmitz, Irene von Meyendorff, Anni Ondra und andere); Prominente in Mengen schritten durch die Polizeiabsperrungen und vorbei an die in dichten Reihen aufgestellten Filmverehrern; ein angeregtes Premierenpublikum saß in Parkett und Rang; man ließ das stolze. Wort „Welturaufführung“ (im Waterloo-Theater) vernehmen, und die Hauptdarstellerin im neuesten Mödekleid mit funkelnden Goldbesätzen verneigte sich anmutig zu. guter Letzt im brausenden Applaus. Man tat, als ob die Zeiten besser und dieser Film gut sei...

Und doch! Viel eher schuf der Anblick der im Hamburger Abendnieselwetter sich drängenden Neugierigen vor dem Eingang in ihrem ärmlichen, herabgekommenen deutschen Nachkriegsaussehen eine wirksame Überleitung zu dem Geschehen auf der Leinwand, in dessen – Mittelpunkt ein Schiffswrack steht, das sich zwei patente junge Burschen zu einer neudeutschen Behausung ausstaffiert haben. Eine intensive. Milieuschilderung unserer Trümmerwirklichkeit: dies wollte dieser Film, aber – und dieses Aber sicherte ihm den Beifall – Optimismus und Humor sind die Leitmotive. Gewiß, dies Lächeln unter Trümmern ist noch dem Lächeln unter Tränen nahe. Jedoch, eine mutige Aufforderung, von der Passivität zum aktiven Handeln, vom Selbstmitleid zur lachenden Freiheit dessen zu kommen, der von den irdischen Gütern dieser Welt wahrhaft unabhängig ist – dieser Verweil ist auch etwas wert, auch wenn er. nicht glückte. Vielleicht muß man die Leistung anerkennen, daß dieser Film im sicherlichwinzigsten und primitivsten Atelier der Welt (einem ehemaligen Dorftanzsaal bei Hamburg) gedreht wurde. Außerdem agieren die drei jungen Hauptdarsteller die ihre allererste Filmrolle haben, in fröhlicher Ungezwungenheit und jugendlicher Unbekümmertheit: Edith Schneider anmutig und sympathisch, ein schlichtes, tapferes Mädchen von heute; Harry Meyen rauh, aber empfindsam, und Klaus Hofer. rauh, aber herzlich, zwei junge Burschen mit Lebensmut.

Dies ist im übrigen ein Film des Mittelmaßes. Die Vitale Musik Willi Kollos unterstützt, temperamentvoll und gutgelaunt den Regisseur, der mit besonderem Hang zum witzigen Detail zwischen schäbigen Resten unseres angebombten Seins arbeitete.

Erika Müller