Tn der Nacht nadi der Verkühdung der behördr liehen HÖf lichkeitskampagne durch den Herrn Landrat hatte ich einen schlimmen Traum. Das Tüthorn des Gemeindedienens schreckte midi aus dem :SdiIaf. Gemeinde antreten zum Befehls , empfang!", rief er aus. Eilig fuhr ifch in meine Kleider, begab mich zum Äppellpiatz vor dem Rathaus, Wo alle Gemeindemitgjieder sdtön in Dreierreihen standen, und stellte mich, da idi noch un rasiert war und nidit auffallen wollte, in die zweite Reihe hinter eine füllige Bauersfrau. So standen wir eine halbe Stunde, traten, da es redrt kalt war, von einem Fuß auf den anderen, und idh überlegte Da ging die Rathaustür "auf, der Ratssdireiber kam heraus, ein Aktenstück in der Hand, ließ uns 1 stillStehen und machte dann dem Bürgermeister, lier in zwisdien auf det Rathaustreppe erschienen war, Meldung "Gemeinde steht zum Befehlsempfang! , sägte er und lüftete kurz seinen grünen Hut. Der Bürgermeister dankte, indemer mit dem Zeigefinger leidit an die Hutkrempe fuhr und rief mit frischer Stimme: Morgen, Gemeinde!" — ,Guten Morgen?Herr Bürgermeiste 1, tiefen wir, so laut wir konnten, und der Bürgermeister ließ rühren. ,Fangen Sie ; an", sa£te er zum Ratsschreiber.

Der Ratssdireiber trat vor, entfaltete das Akten? stüxk und :begann"mit dem Aufruf einer Reihe von Bauern, die Ordnungsstrafen wegen schlechter Milchabikferung bekamen. Bei jedem Namen hörte" man zwei Absätze zusammenschlagen. Es folgten die Namen von zwei schwangeren Frauen, d&uen Sdiuhe und Windeln bewilligt worden waren. Vor!" achtundvierzig Knechten, die Arbeitshosen beantragt hatten, wurde einem eine Hose zugesprochen. "DerGlikklidre trat vor, und der Gemeindediener vom Dienst händigte ihm den Bezugsschein aus. Ein alter Manri erfuhr, daß sein Antrag auf Zuzugsgenehinigung abgelehnt : worden "war, und eine Städtisch gekleidete Frau, daß die Gemeinde dem vonihr gewünschten Wohnungswechsel die Zustimmung versage ; Riemsdineider!", rief der Ratssdireifaer "HierJ", antwortete eine Stimme, und der Ratssdireiber las vor, daß dem. Otto Riemsdaneider seine nädiste Lebensmittelkarte einstweilen, gesperrt werde, bif der Beweis vorliege, daß er eine nützliche Arbei? verrichte. Auf Grund von Zeugenaussagen stand fest, daß Rietnschneider noch nie beim Heuen oder Mistfahren angetroffen worden war :Es hieß, er male Bilder in öl, aber das "konnte schließlich jeder sagen "Wer nicht arbeitet, seil auch nidit essen", sagte der Ratssdireiber. Nadidetn er dann nodi bekanntgernacht hatte, wieviel Brennholz jedem zustand und während weldier Zeiten de Meister des E Werks ermäditigt war die ganze Gemeinde durch einen Hebeldrud in Finsternis zu stürzen" las er den Gememde, befeh] Nwmme r 37 vor lieh hörte meinen Namen und sdirak zusammen "Er wird zu einer Geldstrafe von 64Q Mark verurteilt, weil er zuviel Stroni verbraucht hat", hieß es "Wieviel war es?", fragte der Bürgermeister den GememderechjieT ,>HuRderfachtzig Kilowattstunden im letzten Monat. Herr Bürgermeister", sagteder Gemeinderechner, der es auswendig wußte, und der Bürgermeister schüttelte mißbilligend den Kopf.

Der Appell schloß, mit der Verlesung des- Kfeis- ; be£ehls Nummer 18, betrifft Höftidikeitsaktiojt. imitgliedef wurden aufgefordert, de Angestellten der Gemeinde mit der ttung und Folgsamkeit z begegnen; irantwortungsvollen Werk gebühre, ler mehr unhöflich ist auf dem RatBürgermeister, um audi etwas zu All smpfang war zu Ende ,Stillgestanden rief der Ratssdireiber, und- die, wieder "ihren Behausungen zu. Ich sehr, denn es war. Samstag, jt<i Ich mit dem Stubenreinigen beginnen und haben bevor die SauberkeitsprüfungSr kommission auf ihrem Wphnuhgsdurdigangbei mit. ankam. In meiner Hast stolperte, ich: und fiel; in inenGraben. . Und wachte auf. Allmählich wurde mir klar, 3aß die ganze Satche ein Traum gewesen war und ich war jcht glücklich darüber, riein, soweit war es ,Gott ei Dank hpdb nicht, wir braüditen nodi nidit anzutreten! Aber wie sollten, so überlegte ich, Hpflichkeitskampagnen Dauererfolg haben und das Benehmen der ;Beamten dem Publikum gegenüber verbessern, solange die Macht derBeamten so groß war ja immer noch. Zuwachs rfuhr? Macht" ist eine höchst gefährliche Sache? Macht, verdirbt ckfi ; Ohatäkter, und es muß schon einsehr reifer utid guter Charakter sein dem ie nidit Sdiaderi zufügt. Idi habe beim Kömmiß gesehen, was- nur eine kleine Portion Macht aus den vernünftigsten Leuten inadien könnt. Selbst wenn der ChefVzufn Gefreiten gesagt hätte: Idi befördere Sie zuni unter ,. Offizier, nunseieft Sie höflich und nett mit :den Leuten, die Ihnen gehofthen müssen ~;häe da. etwas geholfen? Der Souverän, wie dte Sdiweizer lädielnd den Staatsbürger nennen, geht ti uns an den Äniter a mit ganz ähnlichen Gefühles vorüber wie der mittelalterliche Bürger am Sdikß, hinter dessen Mauern der Graf; sein Herr, saß Welch eine Maditfülle ist allein im kleinsten Räthaus konzentriert! Wie soll derBeamte sidi als Diener der Staatsbürger fühlen, Tve 010 r 2Ula Chef gemacht, wird? In ihm vollzieht sldj: das gleiche wie in Megenstern Bahnvorstand dfe kleinen Orts, auf dessen " Wink sidi taglidi ein Vorort, ein Fern~ und eii. Güterzag in Bewegung setzte Auch er, der Beamte, ist ein Mensdi — voila, UH tomme. Diener zu sein wird ja niemand ernsrfeh von, ihm Verlangen; aber das könnte erreidittWerden, daßPublikum und Beamter wie gleidtbereditigte Gesdiäftsküte raiteinanderverkehren: höflidt? zuvorkommend, miy gutenRatsdilägen, hilfsbereit " Es wird abei nur zu erreiAen sein durch Verringerung derMacht nad dem Grundsatsi 4ß je kleiner die Geister je unreifer die Persönlichkeiten sind, um so kleiner auch die Macht bemessen sein. mvfß. Der Mißbrauchter Maditbefugnisw ädis von oben nach unten in der Skala , der mensch)ichen Werter nicht mglcfthrt "; Was mich betrifft, so werde ich nicht gern kommandiert, ich Will aber audi nicht kommandieren, Nach, cfem bösen Traum, war ich von neuem danktar dafür, dad ich über niemanden Macht habe, ich be gehre sie audi nidit. Denn wir sind Menschen " : : :