Von dien Probleme, die den Menschen heute bedränge, ist vielleicht das größtt und wichtigste: seine Be Ziehung zu deii eigenen höheren "Werten, sein Anteil am "Göttlichen" als dem Simgebenden des menschMien Daseins. Denkerische Irrtümer verkrampfte Vorstellungen und politischeTendenzen haben, mit der Anbetungdes Nutzens und det Zwe<kdienlichkeit eine mafiose Übertfertung der Arbeit gezeitigt und das Ziel einer "totalen Arbeitsvieh" hingestellt, dem wir uns zweifellos beständig liäherft. In dieser Welt aber wird der Mensch von den Wurzeln seines "Wesens und, de Quellen seiner Kraft immer wehr ,immer fühlbarer abgeschnitten sein Dieser Gefahr, ihren Gründen und den Mö$ichkeiten ihrer Vermeidung hat der bedeutende katholische Philosoph Pro, J0sef Pieper Hd)ge$oH€>f uytA Jiie Ergebnisse seiner Überlegung m einem Büchlein ,Muße und Kuli" niedergelegt, das demnächst m der Hegner Mdiem im Kösei Verlag, München, erscheMn wird, Pieper findet den großen Gegenwert gegen die Vergöizuug der Arbeit ijtt Begriff der "Muße", die er mit Recht "eines der Fundamente der abendländischen Kultur nennt, und unter der ein durchaus schöpferischer Zustand zu verstehen ist, gleich weit. entfernt von der die Lebenssubsianz verzehrenden $ysiphu$a$eit, deren tyofaliscker Vfert m der Anstrengung als solcher liegen soll, wie VOH der Trägheit, die einen Defekt des Lebensgtfühls- und der Weltbeziehung anzeigt. Auch in der philo sophischen oder wissenschaftlichen frklnntttis kommt der anschauenden, empfangenden Muße größeres Gewicht zu ah det dettkerischen Anstrengung. De swegex vor allem weiden FjOrmulKrungett wie "geisfigeArfedt" und "Geistesarbeiter" als irreführende EntvertuftgeH der Sache abgelehnt. Der folgende Abschnitt aus fiepers Schrift erläutert das Wesen der "Muße" im Gegensatz zünden drei grundlegenden Wertsetzungen der Arbeit. Muße ist, als Seelische Haltung (dieses Selbst verständlidie muß nämlidi totgehalten wer den: Muße ist mit den äußeren Fakten von Arbeitspause, Freizeit. Wodienend, Urlaub nidit schon gegeben. Muße ist ein Zustand der Seele1 — die Muße 1 is t präzis der KoiStrapost des Richtbildes vom "Arbeiter" und dies unter jedem der drei Aspekte: Arbeit als Ajjjtivität, Arbeit als Mühe, Arbeit als soziale Funktion. Sehen wir, zu; Gegen die Aüssdiließlidikeit des. Richtbildes der Arbeit als Aktivität (erstens) steht die Muße als. dre Haltung der Nicht Aktivität, der inneren Ungesdiäftigkeit, der Ruhe, des desdiehenlassens, des Schweigens, Muße ist eine Gestalt jenes Schweigens, das eine "Voraussetzung ist für das Vernehmen von ! Wirk ; lichkeit: nur der Schweigende hört; und wer nichV sdiweigt, hört nicht. Solches Schweigen ist nicht stumpfe Lautlosigkeit, nidit totes Verstummen; es bedeutet welmehr, daß der dem Seienden auf Grund ewiger Zuordnung "entsprechenden" Antwortkräft der Seele nidit ins Wort gefallen vrerde. Muße ist die Haltung des empfangenden Vernehmens, der anschauenden kontemplativen Versenkung in das Seiende In der Muße ist überdies etwas von der Heiterkeit des Niditbegrcifenkönnens, von der Anerkennung des Geheimnischarakters der Welt, von ;der blinden Starkherzigkejt des Vertrauens, da;" den Dingen ihre. Uauf zu lassen vernftgres ßt etwas darin von dfemVertrauen auf das Fragmenthafte, das eben das Leben und das Wesen der Geschichte bildet". Die gleiche TagebudiaufzeidHitrng des Diditers Konrad Weiß, weldier die- letztere Fornrulierung entnommen ist, spridjf von der präzisen, durch eine Art "Fanatismus des Wahlen und des Offiziersmäßigen" gekennzeichneten Denk- und Redeweise Ernst Jüngers, dieja in der Tal; den Dingen, wie in" einem kühnen Akt der Aggression ihr Geheimnis z entreißen und eä dann als einen sauber präparierten Sektiönsbefund zur Schau zu stellen scheint folgendermaßen: solche "Formuliertheit" sei "dodi das Gegenteii aller Kontemplation und doch- wie eine Trägheit, die sich in die sublime gedanklicfie Exaktheit versteigt gegenüber der wahren Träieit, weiche Gott und den Dingen und der Welt, allem, wohl oder übel, wie m einem gut böseifMüßiggang seine Zeit lißt". Die Muße, ist nicht die Haltung dessen, der eingreift, sondert dessen, Her sich öffnet; nidit dessen, der zupackt, sondern dessen, der" losläßt, der sich losläßt und überläßt — fast wie ein Schlafender sich überläßt <nr wer sich überläßt, vermag ja zu < schlafen). Und wirklich, wte Mußelosigkeit und Schlaflosigkeit in einem, besonderen Sinn einander zugeordnet scheihen so istjder Mensch in der Muße den Scnlafenden verwandt, von denen Heraklit der Dunkle gesagt; hat, : auch sie seien "Tätige undMitwSTkende im Geschehen der Welt". Die Ercfuidomg, die uns zuströmt im hingegebenen Anschauen einer isidi ersdiließenden Rose, eines" sdilafenden Kindes eines göttlichen Mysteriums — gleiditsie nidrt der Erquidcungi d ;ie uns zuteil wird in tiefem, traum i losem Schlaf?— Und- wie das Buch Hibb (35 10) sagt, Gott schenke die Liedej: in der; Nadit und wie das schlichte- Volk es wciß, daß der Herr den Seinen das Glüdc und was ihnen frommt im Sdilafe ebe — so auch werden dem Mensdiea die großen, dfe glüdclidien, die niemals etjagbareir Einrichten und Einfälfe vor allem in der Muße zuteil. In solcher sAweigenden GeöffnetKett der Seele mag auch dem, Mensdien einmal geschenkt werden, z gewahren, "was die Welt Iih Innersten zusammenhält"— vielleicht nu f für die ,Daue r eine Blitzes, so daß nachher die Einsichten, dieses Augenblicks in angespannter "Arbeit" wiederentdedct werden müssen Gegen die" Aussdiließlichlceit "des Richtbildes der Arbeit als Mühe (zweitens) istfht die Muße als die Haltung feiernder Betrachtung. Die innere Festlichkeit des Feiernden gehört, wi: ; es auch indr einzigen deutschen Prägung "FeieräMttd zu: Wort gebracht- ist v zürn Kerri dessen, was "wir mit Muße, meinen. Muße ist nur möglich unter der, Voraus. Setzung, daß <Jr Mensch nicht allein, wie wir gesagt haben dem wahren Wesen seiner gelbst zu > sfimme (w ährend die Trägheit in der. Unterlassij dieser Zustimmung wurzelt), sondern daß er auch mit dem Sinn der Welt in Übereinstimmung sei. Muße lebt aus- der Bejahung. Muße ist nicht einfach "dasselbe wie x NichtAktiyität; sie ist nicht das gleiche wie Stille, audi h lieht dasselbe wie: ianete Stille. Sie ist wie dte Still im Gespräch det Liebenden, das aus der Übereinstimmung sich nährt. In dem Hölderlinschen Fragment ,Die Muße finden sidi diese Verse: , ich steh im friedlichen Feläe Wie ein liebendei; Ulmbaum da, und, wie Reben und Trauben Schlingen, sich rund die süßen Spiele des Lebens " Und wie es in der Sdirift heißt, Gott habe, indem er "feierte von dem Werke, das er gemadit", gesehen, daß alles sehr gut war (Gen, 1 31), so auA chließt des- Mensdien Muße, ein feiernd zustttmnendes" Vefweikn des inneren Blickes auf der Schäphingswirküchkeit in sidi " " Die höchste Form der Bejahung aber ist das Fest; zu seinen- "Wensmerfcmalen ählesö " Religionshistoriker Karl Kereny, "die Ruhe, die Lebensintensität und Kontemplation in sicji vereinigt" Ein Fest fetern heißt: die Bejahung des mit ihm )a die Einbesdilossenheit in ihm, auf wnalltägliche Weise darleben und vollziehen. Das Fest ist der Ursprung, der innere und innebleibende Ursprung von- Muße. Es ist dep Fefercharakter, durch den es der Muße zukommt nicht allein mühelos zu sein, sondern das Gegenteil von Mühe. " Drittens steht die Muße gegen die, Auäscbließ ]i£ett d<i>ld::<kr: >beit- als sozialer, Funfeiöm >" "" " "" " "" Die bloße Arbeitspause; mag sie nun eine Stunde dauern oder eine Woche oder noch länger, ist durchaus dem Bereichdes werktäglichen Ärbeitslebens zugehörig, Sie Ist emgekettet%i den zeitlichen, Abfeuf des Arbeitstages; sie ist : ein Stück Von ihm. 1 um mich Dit Pause ist um der Arbeit, willen da. Siesoll "neue Kraft zu neuer Arbeit" geben, wie audi der Bejriff der Erholung besagt, daß man sidi erhole sovohl von der Arbeit wk für die Arbeit. Die Muße steht senkrecht zum Ablauf des Ar- > beitstages — genau ebenso; wie der "einfache Schaubude" des 1 intellectus nicht in xler Verlängerung (sceusägen) des Arbeitsprozesses der ratio liegt, sordern ihn senkrecht durchsdineidet (die Altenhaten die ratio mit der Zeit verglidien, den intellectus abr mit dem Imnier Nun der Ewigkeit). Nicht um dei Arbeit willen ist die Muße da soviel Kraft , der tätig Werkende aus ihr audi gewinnt;Muße hat ihren"Sinn nicht darin, als körperliches Ausrufen oder als seelische Erholung neue Kraft zw spenden zu neuer Arbeit —, wiewohl sie dies tut! Wie die. Kontemplation, so ist auch die Mute höleren Ranges als die yita aäiva mag diese auch das in eigentlicherem Sinn Menschliche sein). Rangordnungen aber sind unumkehrbar. So sehr, es etva ridtig ist, daß, wer am Abend zu beten pfleg? fceser einschläft, so kann doch niemandum des Eiredilafens ;willeh das Abendgebets spredien wolen. Ebenso wird niemand, der etwa um der blcßefi "Erholung" willen sidi der Muße "hingeben walte, ihre eigentfidie Frucht, die- wie Jn tiefem Schlaf gewonnene Erquickung, erfahren. ftie Muße hat ihre Reditfertigung nidit darin, da£ der Funktionär möglichst störungsfrei und "olnc Äuälle" funktioniere, sondern darin, daß der Funktionär Mensch bleibe ; (Newman würde sag>n, daß er gentfcman bleibe) — wa besagen will, da£ er nicht awfgeliif in deni Aussenriittmilievii der einjegrenzten Arbeitsfunktion, sondern "daß er fähig bleibe, die Welt alsGanzes in den Blick zu beiommen und hierin sich selber zu verwirklidien als ein auf das Ganze des Seins angelegtes : We5e " : ; v . ; ~ :, ;, > : Um dessentwilkn gehört die Kraft zur Mfe zu der Gruridkräften cler menschlidien Seele. Sie ist. ebenso, wie die Gabe des kontemplativen Sichver senkens in da> Seieride und die Fälligkeit zur festlicheil Erhebung des Gemiites, die Kraft, in ider tJCotrs>chreitung der Arbeitswelt Berührung zu gewirnen zu 1 übfermensdilidin, Leben spendenden Seinsmäditen, die uns dann erquid<t und erneuert in <den wachen Werktag entlassen: Einzig in der echren Muß e öffnet <idi eine ; "Tür ;ins Breie dem" Sperrbezirk jener "lateiiteti Angst", worin ein sdiirfsiditiger Beobaditer das- Kennmal der Ar&eitswelt hat erblidcen wollen, für weldie, "Arbeit UIÄ! Arteitslosigkei ; die "betden Pole der Ausweglosigkei des Daseins" seien, i h der Muße — nicht m ihr allein, aber unverzidtbar audi in der Muße! — wird das wahrhaft, Meisdiliche dadurdt gewahrt und gerettet, daß der Beark des 1 "eigentlich Mensdiüehen" immer wieder einmal verlassen wird — und dies nicht in einer äußersten Anstrengung des Auslangens, sondern wie in eilier fintrüdcung (welche Entrüdcung freilich sdiwerer" ist als die äußerste aktive Anspannung; ". ; : : ;71 aus.