Am 22. Februar vor 160 jähren wurde lauer geboren, m deu sidt audt diejenigen- erinnern tollten, die von Jubmmtsdaten ssiJtt viel haltett. Kleine Züge beleuchten oft am hellsten die Größe eines Charakters. Wenn Arthur Schopenhauer dem Titei seiner Schrift "Über die Freiheit des Willens" mit Stolz hinzufügte: "Gekrönt von der Königlich Norwegischen Sozietät der Wissenschaften", so wirkt es noch stolzer, wenn er der Abhandlung "Über die Grundlage der Moral" voransetzte: "Nüht gekrönt von der Königlich Dänischen Sorietit der Wissenschaften". Er wußte "Urteil, Kritik, Beifall und Ruhm" mit absoluter Objektivität zu yerten. Für Ruhm war er, der Verächter der falscaen Bescheidenheit, nicht unempfänglich; aber die iffentüche Geltung war ihm niemals era Maßstab für wahre Bedeutung. Was konnte ihm der laute Beifall der Durchschnittsmenschen gelten, "dieser Fabrikware der Natur"! Bewahrer des echten Ruhms sind stets nur wenige in deren Bewußrsein eine große Erscheinung von Generation zu Generation weiterlebt.

,Hicht preisgekrönt von der Schulphilosophie und den Dutzendphilosophen" könnte über dem gaiwen Lebenswerk dieses geistigen Riesen stehen. Kek Denker ist von seinen "Kollegen" — will sagen: von denen, die nach seinem Worte, "nicht für 1k Philosophie, sondern von der Philosophie leben" — zu seinen Lebzeiten und bk in unsere Gegenwart, so konsequent totgeschwiegen worden wie Schopenhauer. Totgeschwiegen unter ständiger Ausbeutung seiner Gedanken. Bisweilen bekämpft — nicbi immer mit denkerischen, sondern oft mit polemischen Mitteln — und angeblich widerlegt. Aber noch "jede dieser Widerlegungen beruhteauf falscher Auslegung und auf Mißverständnissen, die nicht weniger töudht waren als das Urteil jenes Experten für Weltanschauung im tausendjährigen Reich, der, da meinte Schopenhauer feiern zu müssen und zudttrfen, jell ei, den Willenais bedeutsamste Triebkraft des Lebens erkannt habe. Wobei nrcht einmal begriffen_wurde was der Terminus "Wille" bei Schopenhauer eigentlich besagen Will, uöd verschwiegen, daß der Philosoph eben diese Triebkraft als irrend und uberwiadenswert nachgewiesen" hatte. Derni alle Erfahrungen des Lebens zeigen, daß der allesbeherrschende blinde Wille, als, Wflle zürn. B&em" die Urquelle alles Daseins, im Kampfe seiner ErscheinungsfoHnerr wideremander gegen sich selbst wütet, siefe selbst in den ändern Erscheinungsformen verneint, dadurch jeden Sinn seiner sslfaft aufhebt und rn diesem Circultts virttoftti, vom Inteflekt bedient dem Lefceil eine notwendig und unabänderlich leidhafte Beschaffenheit verleiht. Niemand auch halte; sich weniger auf diesen Willensbegriff berufen können als etwa Nietzsche mit seinei Platitüde vorn "Willen zur Macht" E? gibt auch eine, Bibrikware det phüosophie" und für sie ist Schopenhauer nicht vorfanden. Sie weift wohl warum. Und er wujJte wohl warum er es für ,unvereinbar mif uabestocbener Erkenntnis hielt, ,vbn der Philosophie s lben". Denn die Erbärmlichkeit des Menschen" i iumma — war jhaiein Axiom. Wurde eT etwa in diesem Punkte wenigstens widerlegt? Wer möchte gerade heut, wagen, das zu behaupten, Und wurde sein Lehre von der Unveränderhchkeit des Charaktere widerlegt? Durch Tatsachen ganz gewiß nicht! Wo ist denn der ton den sogenannten Optimisten gepriesene aHmählicfie Fortschritt" der Menschheit Wo ist ihre "Entwsddung zu stnmer höheren Stuten"? Man blicke auf die hetrte WcSt unbeeinflußt von Ideen, Waasefaträuinen, Vorurteilen und Feigheiten, jederlei Art, and bedenke, wie a!t die Menschheit — ungeachtet der weitesten Perspektive — im!eraiß sAcin ist Ä> daß, wäre jener Glaube berechtigt, jedenfalls doch in irgendeinem Punkte diese Höherentwicklung nachweisbar sein müßte und v ieies unmögl ich, wa vor einigen tausend Jahren an Menschenunwürdigkeit noch nöglidi war Aber e ist um nichts besser geworden: in Gegenteil: das Wachstum des Intellekts hat die Fragwürdigkeit des menschlichen tkscbkchts nu" immer greller hervorstechen lassen. Der Mensch wird inuner Mensch bfeiben und sein Charakter tst durch xafertaasendelange Erfahrung erhärtet. Daß irgendeine Generation enes Tages ganz anders geaitet sein werde als die bisherigenAon unendlichen GesdbJechterfQlgea, das wäre erst dann denkbar, wenn — nach dem geistvolle Ausspnich eines, kluge Zeitgenossen — "aus Kressesamen KaninAen wachsen", das heißt: wenn 4a Naturgesetz auf den Kopf gestellt wäre, Oefer sollte die Atoinwissenscliaft neue ungeahnte Möglichkeiten bringen können? Nun, was in dieser Hin- sldbt: üBer MoIogiscSe Nachwirkungen 4er Exploeionen "m Hiroshima gemeldet vuid, klrngt nJeht nach Veredelung oder Höherentwicklung. Qder sollte die Itrfwkklung zu höheren Stufen auf der Basis öziäJer UmwSkxmgtn möglich em? Die menwnemak Torheit, es ließe sich dutdi irgendwelche klug erdachten Maßnahmen, durch Gesetze, Organisationen, Staatsforme em aEgmeuiei irdiscber Glfidksirustaad verwirklichen oder auch nur ein. Zustand allgemein Zufriedenheit, beruht — genau so wie die Hoffnung auf eine etwaige wjssBsdbafdich betriebene Yre4ehmg vom Biologischen her — schon auf der Vcraussetzwng eines völlig veränderten Charakters de? Menschen sdilecfatlna, Wa& Ziel sein soll, müßte, um allgemein gewollt zu erden, schon Voraussetzung sein r Das gleiche gilt — für die große Allgemein jteit von der Hoherartuag vom "Geiste" her. Die GrundansdiaBuag Arthur Schopenhauer besteht fteute so tuwrtderlegt, daS man sagen möchte, gerade die Gegenwart liefere den besten Anschau ogsuniemcht, den wahren Aj>enzeugnbeweis für ein PfalosojAieDiestf js pessrwisriseh aber nicht rtiMisttsdi. Dem 4er "Bessbaismus" bezekt sich HUI aal die empirische Wek nicht ani das unbekannte Darftberninaus and tordert gerade darum ke Haltung miffeKknder und helfcwfcr Verbundente mit aifen lebenifea Wesens Als klarer, on- bestechlicher KdpJ, a wahrhaft redbehßf Denker setzt Scfeepenfaauer seinfci =6£ckakengebäude genau aa derjLime die liesfenintiste GTezs udi die IrfalirUDfrtep f msidif tv&K, "Sehen H uncf dämöv di denkeri sehe Kes&fjjfeen aifftürt featet ( der große Na&tsime:, der PhilcsoiH>x4es Tatsachlcfielt, Denker ohsüanassOtten an"fefWIpseb en. Doch licin Verwehter ohne Trost. Sem Heilmittel Jtegt im bewu8ten äfas4aden de s TSpfett. Willens, und der in seinem Sinne erloste Mensch ist derselbe, den das CfcrisfcH vgtei draiTBeiSeittl versteht und der Verehrung" eiftphehit. Öoch Bedarf es o durch ScKopetihsuer beglückt x und belehrt, zu sein, nicht des fhtnfolgens m die letzten Tiefen und Höhen sem6r Weltschau. Es gibt Schriften von ihm die auch in kleinerer Münze bleibende Werte venmttelfi. Zu "Arten gehören die kostbaren "Aphorismen zur Lebensweisheit": JEs gehört ferne dazu die bereits zitierte, m unserer Zeit der rasdt und billig hergestellten Tagesgeltung Jwspnders heilsam ernüchternde Abhandlung, Über Urteil, Kritik. Beifall und Ruhm"; und es gehört endheh dazu die höchst aktuelle Untersuchung "Über Schriftstelletei Sprache und Stil", von der wir wünschen möchten, daß sie in großer Auflage neugedtuekt und als hnmerschmuck allen jenen Sdbreibbefhssenen, die alltäglich die wehrlose Menschheit mit riiren sprachlichen Ungeheuerlichkeiten überschütten, an die Wand geheftet würde. Vielleicht, daß dann das leben scbon um feiniges erträgbcher werden könnte .

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