Die amerikanische Opposition gegen den Marschallplan ist isoliert und ohne Führung, so etwa ließe sich das Ergebnis der Beratungen des auswärtigen Ausschusses des Senats. zusammenfasse n. Die Opposition hätte zwar nie den Marshallplan zu Fall gebracht, aber sie hätte empfindliche Abstriche erreichen können, wenn sie dank zielbewußten Führung eine Reihe unentschlossener Senatoren und Abgeordneter zu sich hätte herüberziehen können. Viele der Fragen, die die Isolationisten aufgeworfen haben, werden, nämlich von den Senatoren im allgemeinen als schicksalsschwer empfunden, wie etwa: Ist der Marshallplan für die Vereinigten Staaten wirtschaftlich tragbar? Macht er innerwirtschaftliche Kontrollen notwendig? Wie können die USA den Dollarsegen kontrollieren und so die europäischen Staaten zu einer vernünftigen Wirtschaftspolitik zwingen? Können die Amerikaner sich gegen ähnliche Enttäuschungen wie bei der Großbritannien-Anleihe, der Griechenlandhilfe und den UNRRA-Lieferungen schützen? Werden die Marshall-Waren nach Rußland fließen, das jetzt schon zu viele Maschinen erhält? Ist Europa überhaupt noch zu retten? Züchten, wir in Europa eine unnötige Konkurrenz? So widerspruchsvoll diese Fragen in sich auch sein mögen, so verlieren sie dadurch doch nicht an Gewicht

Die Oppositionellen haben sich selten gegen den Marshall-Plan als solchen ausgesprochen, der Kreis der radikalen Gegner um General Robert E. Wood, Präsident des Warenversandgeschäftes Sears Roebuck & Co., Gründer der America First, blieb sehr klein. Doch ging der Einfluß der oppositiollen Stimmen so weit, daß sogar der ehemalige Präsident Hoover Vorschläge gemacht hat, die als "Freitischprogramm für die Alte Welt" oder als "Suppenküchenaktion" bezeichnet wurden weil sie darauf hinausliefen, an Stelle der knappen und wertvollen Maschinen und Rohstoffe den sonst nicht absetzbaren Tabak und reichlich vorhandene Lebensmittel zu versenden, um, wie nach dem ersten Weltkrieg, die ärgste Not zu lindern.

Oft schien es so, als ob Taft die Opposition leiten werde. Nicht so sein der Senator und Führer der republikanischen Senatsfraktion, sondern der Präsidentschaftskandidat Taft sah hier auch zunächst eine große Chance, aber schon im November fing er an kurzzutreten, Weil er im Parlament und in der Öffentlichkeit mit seinen Angriffen gegen den Marshallplan wenig Echo fand und weil im Park; ment die "Jungtürken" gegen die Eigenwilligkeiten des Führers der "alten Garde" immer schärfer auftraten. Die Schwäche seiner Position zeigte sich aber kürzlich, als der republikanische Präsidentschaftskandidat Stassen entgegen den Grundsätzen parteipolitischer Fairneß seine Kandidatur für die republikanischen Vorwahlen am 4. Mai im Taftschen Staate Ohio anmeldete. Taft fürchtet Stassen nicht, aber ein Achtungserfolg Stassens in Ohio könnte einem Dritten zugute kommen, nicht nur Dewey; sondern auch Vandenberg, dessen Einfluß während der Verhandlungen um den Marshallplan erheblich gewachsen, ist.

Dieser einstige Führer der Isolationisten hat sich in den letzten Wochen als die stärkste Persönlichkeit erwiesen. Als Taktiker hat er, wie immer, glänzend manöveriert, dem Senat so manche Pille schmackhaft gemacht und dem Außenminister Konzessionen abgerungen, wobei... er bei besonders schwierigen Fragen neutrale Stellen wie das Brookings-Institut einschaltete. Beeindruckt wurde die Öffentlichkeit aber vor allem durch0 die Vandenbergsche These, daß es im Interesse Amerikas und der westlichen Zivilisation notwendig sei, durch Anleihen und Geschenke an Europa die dortigen Verhältnisse zu stabilisieren. Diese konservative Grundhaltung steht heute, in der Vereinigten Staaten, ähnlich wie in so manchem anderen Land, höher im Kurs als der Liberalismus, wie ihn Stassen vertritt, oder der kosmopolitische Zug des New Yorkers Dewey. Auch der neu aufkommende New Deal-Geist des Kreises um Truman oder die mehr reaktionäre als konservative Einstellung von Taft, dem Vater des Antistreikgesetzes, können sich dagegen nicht durchsetzen, von dem revolutionären Kurs eines Wallace ganz zu schweigen. Sollte es. nicht, so wird sich vielleicht Taft in den letzten Tagen gesagt haben, vorteilhafter sein, mit Vandenberg gemeinsame Sache, zu machen und außenpolitisch mit ihm am gleichen Strang zu ziehen, statt Gegensätze zu betonen und so die Anhänger von Vandenberg. gegen sich aufzubringen oder vielleicht gar ungewollt eine Kandidatur von Vandenberg zu fördern, eine Kandidatur für die Vandenberg selbst bisher wenig Interesse gezeigt hat? Wäre es nicht angebrachter, mit Vandenberg die konservativen Kräfte der republikanischen Partei und des Landes für eine Kandidatur Tafts zu gewinnen? Wenn ihm ein Kurswechsel vorgeworfen. werden sollte, konnte Taft darauf hinweisen, daß dank seiner Haltung zugunsten des Steuerzahlers einige Einsparungen erreicht wurden. Vielleicht könnte er auch den kürzlich erfolgten Preissturz zu seiner Rechtfertigung anführen – es sei denn, daß dieser Preissturz, bis zum November ein katastrophales Ausmaß annehmen und die von den einen befürchtete, von den andern aber erhoffte Deflationskrise auslösen würde. W. G.