Der aggressive Artikel der volksdemokratischen Zeitung "Vapaa Sanaa", der die Entlarvung der finnischen "Reaktion" und den Abschluß eines Militärbündnisses mit der Sowjetunion forderte, stellt nur das letzte Glied in der Kette der Sym-Ironie. dar, die letzter Zeit darauf schließen lassen, daß vielleicht nun auch Finnland davor steht, durch das in Osteuropa sattsam erprobte Spiel in den Bereich der sowjetischen Gleichschaltung miteinbezogen zu werden. Das Blatt fordert auch die Umstellung des finnischen Außenhandels auf. den von kapitalistischen Konjunkturen freien der Sowjetunion.

Es ist sicherlich kein Zufall, daß diese Anregungen des Blattes der Volksdemokraten auf der gleichen Linie liegen mit den Gerüchten, – die sich seit dem Besuch des finnischen kommunistischen Innenministers. Leino in Moskau hartnäckig behaupten Leino, so hieß es, habe in Moskau einen Verweis wegen seiner Mäßigung erhalten, und dies schien sich zu bestätigen, als bald nach seiner Rückkehr eine Säuberung der Politischen Staatspolizei zur Entlassung von rund 300 unpolitischen Beamten führte. Den Beobachtern der Moskauer Taktik in den osteuropäischen Ländern kam es schon längst unwahrscheinlich vor, daß Moskau den -Wahlsieg der bürgerlichen Parteien in Finnland bei den Gemeindewahlen vom Dezember Vorigen Jahres ohne jede Gegenaktion hinnehmen werde, –so sehr man im Kreml auch bisher die innenpolitische Freiheit Finnlands respektiert haben mochte. Es ist daher nur zu verständlich, daß die bürgerlichen Elemente in Finnland die Bestimmung des finnisch-sowjetischen Handelsvertrages, die den Sowjets die Eröffnung von Handelsvertretungen in den verschiedenen Städten Finnlands ermöglicht, mit größtem Mißtrauen zur Kenntnis genommen haben, nachdem die Welt der Beispiele genug besitzt, daß derartige Handelsvertretungen durch die Sowjetunion als Rückgrat ihres Agentennetzes benutzt zu werden pflegen.

Einem kaum geringeren psychologischen Widerstandebegegnender Gedanke eines Militärbündnisses mit der Sowjetunion bei einem großen Teil der finnischen Öffentlichkeit. Obwohl von rechts bis links niemand in Finnland das Angewiesensein Finnlands auf ein gutes, Verhältnis zur Sowjetunion bestreitet,schreckt die eindeutige Option eines Militärbündnisses, gerade im Hinblick auf einen möglichen neuen Weltkonflikt, doch viele ab. Anhänger dieses Bündnisgedankens verweisen demgegenüber darauf? daß sich an den tatsächlichen Machtverhältnissen auch durch ein Bündnis für den Ernstfall wenig ändern wurde. Auf alle Fälle scheint an der Entschlossenheit der kommunistisch-Volksdemokratischen Linken in Finnland, bis zu den im Mai stattfindenden Wahlen zum finnischen Reichstag eine stärkere Kontrolle über die Gestaltung der innenpolitischen Entwicklung in Finnland zu gewinnen, kein Zweifel. möglich. Schon die nächsten Monate werden wahrscheinlich zeigen) wie und in welchen Etappen sich diese Entwicklung vollzieht.

–tz.