: Professor Dt. George Cailm; führendes A , der Laboar Pimy und christlicher Sazialht, Verfasser dc s Bwcliö "Geschichte d( r politischen Plutosophett", gedenkt tmef, der Väter der Dem okraüe Ter 15. Februar 1948 war der 2OO. Geburtstag ds politischen Philosophen Jeremy Benthani. Doch die Zahi derei, die seinen Namen und seine Bedeutung als "Vater des Utiliiarismus" kennen, ist wahrscheinlich nicht sehr groß. Und in der Tat: warum sollte man sich des exzentrischen aken Herrn erinnern, der in- Queens Sffnare, WettHttMter, und der Ferd Ähbey sjmerset residierte und dort als Gastgeber seinen alten Teekessel ,Dsct<" betreute, der aber die Hauptzeit seines Lebens mit dem Schreiben umfangreiche! Kompendien verbrachte ("Die hauptsächlichen Prinzipien- des Verfassungsrechts aller Staaten", "Über die PreßfreiheitV, "An das spanische Volk") ond der, ak er viernndachtzigjährig" starb, seinen mumifizierten Körper samt seiner täglichen Kleidung der Londoner Universität zum Geschenk machte? Warum soll man diesen Mann kennen, von dem Talkyrand sagte, daß er von aller Welt ausplündert wurde und doch immer reich sei" — was seine Ideen betrifft? i Und doch ist kein Beitrag zum geistigen Leben der Menschheit so typisch angelsächsisch wie der UtilitarisrmB — nicht einmalder Expenmentaiisrhus Lord Bacons oder der amerikanische Pragmatismus. Die Deutschen können Vielleicht für sieb beanspruchen daß sie Shakespeare ebenso verstehen wie die Engländer, ja vielleicht sogar noch besser. Der Urilitärismus aber der vor etwa hundert Jahren einen ungeheuren Einfluß in ganz Europa gehabt hat, tritt als Philosophie stets und überall m spezifisch englischer Kleidung auf. Bentham hat zwar kein theoretisches System aufgebaut wie Hegd; und er hat auch keine theoretischen Systeme zerstört wie Kant; er schwelgte auch nicht m technischen Haarspaltereien und atembeklemmender Ehrfurcht VOR dem unnennbargn Grund aller Dirt£e, wie dies die moderneren Philosophen tun. Er stellte ganz einfach die elementare Frage: "Wozu nützt e$?". Und ge wältige, durch Gesetz und Gewohnheit geheiligte Instätutorten stürzten in einer Wolke von Staub und Mörtel in sich zusammen Benthams Philosophiewar eine praktische Philosophie; einfältig etwa wie die des Sokrates.

Was nun vollbrachte dieser Mann Bentham? Er setzte Änderungen des $trafre<$ts durch — 1786, als Phoeb. Harris wegen Falschmünzerei lebendig verbrannt wurde, und 1806, als e;n zwölfjähriger Junge gehängt wurde, weil er einen Löffd gestohlen hatje. Er sorgte für die Abschaffung der Zwangsdeportation von Verbrechern- ip die Kolomen, er erreichte deu Widerruf von gewoharieifsrechtHchett Bestimmungen, die die Entwicklung der Industrie hemmten, und dei meisten Konfessionsgesetze, durch die Merschen wegen ihrer Religion diskriminiert wurden. Er systematisierte das öberaherte Armenrecht. Er trat für die Reform des Parlaments ein. Er war ein Vorkämpfer des Freihandels, des Frauensthnmrechts, des geheimen Wahlrechts, moderner sanitärer Vorschriften, nationaler Erziehung und eines internationalen ; Friedens einschließlich eines Weltgerichtshofs. Und außerdem war er- der ständige Verfechter der öffentlichen Behandlung aller öffentlichen Angelegenheiten, ein Feind der Geheimdiplomatie Ja, er war offensichtlich ein sehr nützlicher5Bürger init seiner Philosophie: ,Prüfstein ist der "Nutzen"! Aber auch Benrham hatte nicht immer recht. Manchmal war er ein richtiger englischer Philister, der keinen "Nutzen" bei Sachen sehen konnte, deren Existenz ästhetisch hundertmal gerechtfertigt war, wenn auch der Nutzwert nicht gerade in Dollars oder Pence auszurechnen war. Ein so tiefer Philosoph wie dej Schöffe David Hume konnte die Fra e nach dem Nutzen stellen — der Empirist Hunu, Lenins bete Mir der Mann, der Lenms ganze marxistische Dialektik aus de m Konzept brachte Aber Hume fragte, wie wir auch Bentham fragen müssen: Nützlich wofür? Und da Bentham sparet lebte als Hume, hätte er x eigentlich eine Antwort wissen müssen — Nützlichkeit ist ein Mittel zu Frasde und Glüd. Danach darf man wohl von dem der den Nutzen im Auge hat, sagen, er folge einem geläuterten Eigennutz". Denn schließlich wollen wir ja alle glücklich sein .

Aber halt! Wessen Glück fördert" der Nutzen, wenn Nützen der Leitfaden unserer Moral sein soll? Dein Glück oder mein Gluck? Hier hat Bgntham se:ne Antwort parat, und sie wurde das große Schlagwort der utilitänstischen Schule: "Das größtmögliche Glück der, größtmöglichen Zahl". "Wobei", fügt Bentham lakonisch hinzu, "jeder als einer zähft — Da sc es also, das große Schlagwon gegen Privilegien, die große- Charta der Demokratie und der Herrschaft der Mehrheit Wieviele Politiker haben d ese Sätze "seither wiederholt, wie eine Beschwörungsformel gegen den Teufel 1 i Und doch Und doch — ist, die Herrschaft der Mehrzahl immer nützlich"? Wer ist die größte Zahl? Alle Mensehen, die gan ze Menschheit? Zu allen Zeiten? Heißt es das?, Das, was Edmund Burke in einem Herrlichen Ausspruch den großen Urvertrag, den Vertrag der Leben digen. Toten und Ungeborenert nannte? Oder vielleicht das, wasder Vernunft entspricht auch wenn e£ der Entscheidung der Mehrheu widerspricht? Ist das das wahrhaft nützliche? Was antwortet Bentham wenn wir ihn mit "solchen Fragen bedrängen? Da wir ihn- gerade kritisch betrachten, begegnet uns och ein anderer Punkt. Warum denn, "wenn ich mein Handeln nach eignem Behagen und r Unbehagen, ausrichten soll — gesehen Vom Standpunkt eines geläuterten Eigennutzes — warum soll ich mein Glück- dem der größeren Zahl unterordnen, wenn ich mich in der Minderheit befinde? Warum soll meiße Stimme nr für eine zahlen, da ich doch bei Macdhiavelli lesen kann, wie ich mit einiger Gescheitheit zwei oder inehr Stimmen daraus zu machen vermag? Nun, diese Fragen hat Jeremy > Bentham niemals richtig beantworten können, so wenig wie sein Schuler John Sttiart Mill. Pnd so mußte derm auch diese ganze Schule derjenigen Greens und der Idealisten weichen die mit dem Begriff der sozialen, Pflicht arbeiteten. Aber BeJltKam blieb doch immer mir den Füßen auf der Erde, was maa vor) semen Nachfolgern nicht sagen kann. Und Bentham immerhin hat es weaigstens versucht unsere Fragen z beantworten ". Zunächst stellte er fest, daß es iri jedem Menschen oetwas wie einen Hang zum Altruismus gäbe — jedenfalls in jedem normalen Menschen, Es mache also den Menschen Vergnügen, ich der Mehrheit unterzuordnen, wenn sie nur sähen, was für dk Mehrheit von Nutzen sei. Und vielleicht lauerte da bei Bentham im Hintergrund so etwas iie dk Überlegung des alten Thomas Hobbes, daß die Minderheit gerade Sadi <Jeöt Grandsati- des größten Behagens lieber nachgeben sollte, weil es sonst für sie sehr ungemütlich werden köanfe. — h ein btikhen schrullfg ist" ei schon, der gute Beritbarn, aber wie gesagt, den Bodtn verliert er niemals unter den Füßen. Ein Verschmitzter Bursche — das fühlte er — könnte schon einmal daniit durchkommen, daß er sein Eigeninteresse an absolut e"r$te Stelle setzte, Früher oder späte aber, tröstete er sich, würde ich das rächen, Früher oder später" — zugegeben, das Hingt etwas vage; und nicht alle denken so wie Ben t ham dachte, daß sie dächten. Vielleicht müssen WIT doch unsere Zuflucht za dem alten Glauben nehmen, daß wir eben einige Sachen intuitiv füf gut halten oder jedenfalls der Idee des Guten zustreben und darin unser Glück finden — und andere Dinge für schlecht und verwei;flith. Aber. Bentham, wir sagterr es schon, war ein Mana der Praxis, und man soll bei ihm keine Frage zu Tode hetzen. Er hat mit unermüdlichem Heroismus Bresche auf Bresch? geschlagen in einem wahren Urwald unsinniger Vorurteile, und wir dürfen uns nicht beklagen, wenn er wenig daran interessiert ist, zu wissen, wo ein, Regenbogen den Horizont berührt. Und so kann man ihm also mit diesen Fragen über das Wesen der Mehrheit leicht ein Bein stellen. Was t die Mehrfieit? Wer ist mein Nächster? Er antwortet mit dem gesunden Menschenverstand: praktisch kenne jeder seine Antwort ganz genau. Und tatsächlich hat jeder Mensch gewisse "Menschenrechte" (eirt Ausdrück, den Bentham übrigens gar nicht liebt), in deren Rahmen er tatsächlich "als einer zählt", eine Person ist, eine unsterbliche Seele hat und ein keineswegs unbedeutender Bestandteil eines Organischen Ganzen ist. Und selbät, wenn überragende Intelligenz mehr zählen müßte als n durchschnittlicher einzelner, so bleibt es doch eine praktische Erfahrung, daß es besser ist, wenn die Mehrheit über die Minderheit herrsch afe umgekehrt; jedenfalls dann besser wenn es darauf ankommt, den Frieden zu erhalten und das bürgerliche Gemeinwesen zu fördern; daß Wahlen, bei denen jeder für einen zählt, besser sind als Diktate der Gewalt; und daß ein kluger Mann seine Klugheit besser dazu verwendet, die Meferhuf mit Virnunftgründen zu überzeugen ais sie mit Gewalt zu beherrschen Er soll Ratgeber und nicht Diktator sein. Demokratie, sagt Bentham, ist schließlich nur eine Angelegenheit prakfscher Erfahrung, und er wird ungeduld g, wenn Ignoranz oder Enthusiasmus der? Grundsätzen der Nützlichkeit trotzen. Und Demokratie bleibt eben bei aller Unvollkommenheit — und sie ist unvollkommen 4n einer unvollkommspen Welt, und alle Menschen sind eben nicht klug — die beste aller praktischen Erfahrungen ! Und was fräst Bentham, ist da Gegenteil der Demokratie? Wir tun gut, hier sehr geinau hinzuhören! Denn, was er sagt, sind währe Schlüsse! worte für <iie" moderne Welt, und irianch einer. sollte sie sich gut merken Das Gegenteil der Demokratie ist- Despotie. Das Charakteristische einer undespotischen, Regierung — also einet Regierung, die zum wenigsten den Anspruch erheben kann, eine gute Regierung zu sein — ist, daß sie die freie Meinungsäußerung nicht nur erlaubt, sondern fördert, und zwar nicht nur in belehrender, sondern auch in propagandistischer Förn und zwar aucji zmZwecfc; etwaigen Wider stand gegen die Regierung vorzubereiten, einen Wieerstand, der wenn nötig, zu einer Änderung , der Regierung imtß führen köaneri Und damit kommen wir zum Kern. Eine Mehrheißregferung ist erfahrungsgemäß die beste, wer man dauerhaften- Frieden wad friedliche Entwtdlung will. Es gibt natürlich Fnteresseagegen- sätz;, und zwar nicht nur aus der:Klasseas tijdkfur der Gesellschaft, sonder einfach aus der menschlichm Natur. Es gibt; Beamteninteressen und Interessen der geleimten Arbeiter, der ungelernten Arbeiter und der Bauern Worauf es äem unermüdlichen Reforrner Bentftkm ankommt, das ist: die Möglichkeit ständiger Reformen offenzuhalten;, die Möglichkeit, frei zu sein, frei zu denken, zu kritisieren, idr <zu varsamnteln, zu opponieren und die Regierung zu ändern, Denn was die , Freiheit unterdrückt, wasnur wie ;Partei erlaubt — :so unfehlbar sie sich selbst oder ihreriv wenigen Führern vorkommen: mag" — das ist nicht "gut, sondern schlecht, keine demokratische, sondern eine despotische Regierung, eine, Tyrannei, eft Diktatur! : "