Die Juteindustrie der britischen Zone ist während des Krieges schwer angeschlagen worden. Etwa 50 v. H. der britischen fielen zunächst aus. Hiervon, wurden besonders die in den Großstädten gelegenen Werke betroffen, während die Betriebe in den mehr ländlichen Bezirken glimpflicher davonkamen. Indes ist eine beträchtliche reparaturfähige Reserve Verblieben, die sich z. B. In den Webereien nach dem Stand von Ende 1946 auf rund 30 v. H. der Vorkriegskapazität belief.

Die Rohstoffversorgung hat sich erheblich verschlechten. Die guten Zuflüsse an Rohjute aus dem Jahr 1946 waren im Frühsommer 1947 so gut wie verbraucht. Im Juni/Juli lag bereits eine Beträchtliche Anzahl der Jutespinnereien und webereien aus Rohstoffmangel mehrere Wochen Still. Die Julilieferung von 1000 t Rohjute für die vereinigten Westzonen (750 t für das britische, 250 t für das amerikanische Besatzusngsgebiet) wirkte nur wie ein Tropfen auf den heißen Stein. Diese kleinen Mengen sind längst verarbeitet Eine weitere Ladung von 4500 t traf im Oktober ein. Im übrigen herrscht große Ungewißheit. Die früher verwendeten Ersatzrohstoffe. Spinnpapier und Grünwerg, stehen kaum zur Verfügung und haben deshalb für die Produktion geringere Bedeutung. Industrie und Landwirtschaft schauen enttäuscht, besorgt und gespannt nach neuen Zufuhren aus.

Die stockende Rohetoffversorgung ist volkswirtschaftlich äußerst bedenklich: Die – Juteindustrie ist als Sacklieferant eine der wichtigsten Zubringerindustrien für die Ernährungswirtschaft. Ohne Säcke sind Bergung und Transport der Nahrungsgüter unmöglich. Es liegt nicht an der Initiative der Industrie, wenn der empfindliche – Mangel nicht behoben wird. Mit der gegenbärtigen Sackproduktion kann kaum der dringendste Bedarf der Ernährungswirtschaft gedeckt werden. Der, industrielle Bedarf, der in der Vorkriegszeit fast 50 v. H. der Erzeugung an Gewebesäcken beanspruchte, bleibt noch fast völlig unversorgt. Auf Grund der arbeitsbereiten Kapazität könnten zur Zeit fast 40 Mill. Säcke hergestellt werden. Dazu werden etwa 2000 t Rohjute monatlich gebraucht. Damit wäre die Juteindustrie bei laufender Rohstoffversorgung in der Lage, den wichtigsten Bedarf des britischen Besatzungsgebietes zu einem erheblichen Teil zu stillen, den der vereinigten Westzonen aber zusammen mit den In der US-Zone ansässigen Betrieben, die über weit weniger Kapazität verfügen, immerhin im merklichem Grad.

Außer dem Rohstoffmangel besteht eine Anzahl weiterer Klemmen, die die technische Leistungskraft stark hemmen. So ist der Mangel an Arbeitskräften (besonders an Spinnerinnen) nicht zu beheben. Die Kohlenversorgung läßt alles zu wünschen übrig, und die ferneren Aussichten sind schlecht. Die Stromeinsparungen haben in Westfalen drei Sperrtage nötig gemacht, an denen alle Betriebe ruhen. Schließlich fehlt es mehr oder minder an Hilfsmaterialien fast jeder Art, vom Tran für die Faservorbereitung bis zum Kartoffelmehl für die Schlichte, vom Eisen und Holz für Reparaturen bis zur Glühbirne und zur Kardennadel. Es kann keine Rede davon sein, daß die Juteindustrie entsprechend ihrer Schlüsselstellung zur Ernährungswirtschaft ausreichende Berücksichtigung fände.

Für die Planung und Bewirtschaftung der Sackproduktion besitzt die Treuhandstelle für Säcke amtliche Funktionen, die sie mit Sitz in Frankfurt (bisher in Hamburg) auf die amerikanische Zone ausdehnen wird. Als "Kind zweier. Eltern" (Verwaltungsamt für Wirtschaft und Zentralamt für Ernährung und Landwirtschaft) ermittelt sie über die Organisationen der Ernährungswirtschaft den vordringlichen Bedarf an Zucker-, Mehl-, Getreide-, Samen-, Gemüse- und "Kartoffelsäcken. Der auf Grund dieser Feststellungen je nach Rohstofflage vom Verwaltungsamt für Wirtschaft aufgestellte Erzeugungsplan wird nach Beratung des Fachverbandes Juteindustrie für die britische Zone, Emsdetten, durch die Landeswirtschaftsverwaltungen in Form von Produktionsanweisungen an die Herstellerbetriebe übermittelt. Die tatsächliche Erzeugung wiederum wird der Treuhandstelle gemeldet, die darüber durch Bezugscheine an die Kontingentsträger der Getreidewirtschaft, Mühlenindustrie, Zuckerindustrie usw. verfügt. Diese Lenkung von Produkten und Absatz wird/nach Überwindung der Kinderkrankheiten von der Juteindustrie als nahezu vorbildlich angesehen, da sie bei der heutigen Mangellage geeignet sei, das Menschenmögliche zur vorbildlich und Linderung des dringendsten Bedarfs zu tun, Freilich, ohne Lösung des kritischen Rohstoffproblems, das heute alle anderen Sorgen überschattet, bleibt selbst die beste Lenkung problematisch,

H. A. N.