Europa-Konferenzen"in Deutschland – haben leicht einen Beigeschmack, der ihnen durch ihre steigende Häufigkeit nicht genommen wird. "Europa-Konferenzen."im Ausland verdienen. zumindest zuweilen stärkere Beachtung. Und unter ihnen wird dem vom 7. bis 10. Mai in Den Haag stattfindenden Kongreß des ‚ Internationalen Komitees für die Vereinigung Europas" mit Recht die größte Aufmerksamkeit gewidmet. Denn zum ersten Male werden sich hier die vier bedeutendsten; bisher unabhängig gebliebenen Organisationen in gemeinsamer Arbeit zusammenfinden.

Es ist wahrscheinlich, daß Winston Churchill, der die Schutzherrschaft über den Kongreß angetreten hat, auch den Vorsitz führen wird. Die Labour-Party wird deshalb dem Kongreß fernbleiben und hat sich darüber hinaus gegen die Teilnahme einzelner Parteimitglieder ausgesprochen. Labour die selbst die von Außenminister Bevin erhobene Forderung nach einer "Westeuropäischen Union" in ihr Regierungsprogramm aufgenommen hat, fürchtet, daß ein "Eüropa-Kongreß" unter dem Präsidium Churchills eindeutig unter dem Vorzeichen seiner eigenwilligen Person wie/seiner ebenso eigenwilligen Europaidee ablaufen würde. Dem Boykott war kein ungeteilter Erfolg beschieden. Zum einen enttäuschte et erneut viele Labout-Wähler; zum anderen gab er Charchill einen Angriffspunkt für eine ungewöhnlich scharfe Attacke gegen den "doktrinären Kurs der Regierungspartei". "Durch ihre kleinliche Selbstsucht und ihre internen Streitigkeiten", so sagte er in einer Rundfunkansprache, "ist die Regierung in den schweren und unsozialen Irrtum verfallen, eine ausschließlich sozialistische Union Europas bilden zu wollen".

Der Europa-Kongreß in Den Haag wird stattfinden – trotz seiner Mißbilligung durch die Labour-Party. Abzuwarten bleibt lediglich, wie weit diese Mißbilligung in die Entscheidung des einzelnen eingreifen wird. Selbstverständlich dürfte sein, daß politische Persönlichkeiten wie beispielsweise der stellvertretende. Präsident der United Europe Movement, George Gibson, der als ehemaliger Vorsitzender der TUC ein altes Labour-Mitglied ist, sich durch solche neue Parteidoktrin nicht abhalten lassen werden, nach Den Haag ausfahren. Ebenso selbstverständlich dürfte sein, daß andere Labour-Mitglieder bedenkenlos dem Rat der Partei folgen, werden. Und damit wäre eigentlich das Feld, des Labour-Einflusses schon begrenzt. Denn sicher können nur zynische Skeptiker in die Reise jenes, von der Europa-Union ernannten deutschen, Delegierten Zweifel setzen: der doch kein Labour-Mitglied, sondern als Hamburger Bürgermeister sozialdemokratischer Landerchef In der britischen Zone ist. C. J.