Von Peter Christian, Bauman

Wo im Sommer die Strandkörbe standen, rollen jetzt Schaumkugeln über den steifgefrorenen Sand. Die Armseligkeit der kleinen abgenutzten Eisenbahn, welche die Badegäste im Sommer amüsiert belächelten, wirkt im Winter ärgerlich; auch fehlen mehrere Scheiben, durch deren leere Rahmen der Wind pfeift. Der Landschaft fehlt alles; sie ist entkleidet bis auf den Sand und die nasse Heide, auf, der die struppigen Schafe stehen, das Hinterteil dem Wind zugewandt.

Die Wege, sind vereist von den Strohdächern der zusammengedruckten Häuser tropft Regen. Was tun die Menschen in den Häusern? Sie lesen die Zeitung. So reißt die Verbindung zur Außenwelt nicht ab; wir bekommen zu wiesen, Wie es draußen zugeht.

In dem einen Land sind die Zöllner freundlich, im anderen sind die Leute nicht mehr sosehr deutschfeindlich; im dritten kann man Apfelsinen kaufen, im vierten sind die Zöllner freundlich, im fünften wundern sich die Einwohner darüber, daß die Deutschen so viele Bettelbriefe schreiben, im sechsten sind die Zöllner ungewöhnlich freundlich:

Aus Shangäy schreibt ein Leser, er verstünde nicht, warum zum Beispiel die schöne Stadt Konstanz ihr Elendsleben nicht aufgäbe. Achthundert Jahre lang sei sie von Mauern umgeben gewesen und habe immer nur die Schulden des preußischen Militarismus abzahlen müssen. Sie könne doch einfach eine Volksabstimmung machen und sich der Schweiz anschließen. Und wir, die wir insular leben und dieses lesen, wir meinen; Wäre das nicht auch eine Idee für Berlin? Grenzbewohner sind die Berliner auch, und abgezahlt Haben sie auch genug.

Neben den Neuigkeiten kann man auch ältere, solide Dinge lesen. Hierzu gehören vor allem die Worte der modernen Autoren. Aber Vorsicht! Es gibt nichts, was – so veraltet ist. wie moderne Literatur. Aus dem Sturm, den die literarischen Revolutionäre der zwanziger Jahre entfacht haben, läßt sich heute nur noch ein Säuseln produzieren. Immerhin, so viel ist sicher: Hemingway und Bert Brecht haben, nicht umsonst geschrieben! leider aber muß man sagen: das einzige was ihnen nicht nachgemacht wird, sind ihre Einfälle! Aber noch anspruchsloser als ihre Nachahmer sind ihre Gegner: sie haben es immer noch mit dem Schimpfwort "Intellektuelle" Auch als Einwand gegen. Rundfunkprogramme wird angeführt: sie seien: wohl von Intellektuellen gemacht worden.

Das sitzt.