Die Schwarzmarktpreise fallen (Fette freilich ausgenommen). Ist die Nachfrage nicht mehr kaufkräftig genug? Oder gehen die Wirkungen vom steigenden Angebot aus? Schwer zu entscheiden!

Sechs deutsche Zigaretten kosten, zum Preise der Kleinhandelsbörse des Schwarzen Marktes, 10 RM. Kleinverkaufspreise für 20 Lucky Strike liegen (Hamburger Preis) zwischen 90 bis 92 RM. Krefelder Seidenstoffe werden mit 140 bis 190 RM gehandelt, Rohkaffee zu 310 RM; Schuhe sind um 30 v. H. gefallen; Süßstoff sogar, um 60 v. H.: Kochtöpfe, Strümpfe, Marmelade, Brot, Schnürsenkel, Zucker, Kämme zeigen fallende Tendenz. Auch für Radios sind (seit einigen Monaten schon) die alten Preise nicht mehr herauszuholen;

Es kommen wohl mehrere Faktoren zusammen. Auf der Geldseite ist, eine Konzentrierung der flüssigen Mittel in relativ wenigen Händen festzustellen. Die Sparguthaben sind zusammengeschmolzen; ReserVen an Lebensmitteln, Textilien und sonstigen Konsumgütern mehr oder minder aufgebraucht. Der Nicht-Schwarzhändler kann also seit dem letzten harten Winter, der am meisten an den Vorräten zehrte, allgemein nur noch Geld bieten. Der Mangel ist zu groß, als daß die Nachfrage nachließe, aber die Nachfrage kann nur noch "Papiergeld" bieten. Und das ist heute sehr wenig. Der "freie" Markt muß nach wirtschaftlichem Gesetz entsprechend reagieren. Er setzt also die Gewinnspannen herab. Der Markt wäre wirklich frei wenn nicht die hohen Risikoprämien der Illegalität auf ihm lasten: würden. Er ist aber "freier" geworden, weil achtjährige Schulung der Gesetzesumgehung das Risiko verringert hat. Folglich kamer die Kürzung der Gewinnspanne ohne Kapitalverlust ertragen. Soweit die Nachfrage.

Das Angebot hat sich zweifellos vergrößert; aber wohl weniger aus einer allgemeinen Erhöhung der Produktion, als aus einer verringerten Belieferung des bewirtschafteten Bereichs. Je weniger die Bewirtschaftungsorgane in der Lage sind, Kontingente zuzuteilen, je mehr sie stillschweigend (oder offenihr Unvermögen zur Lenkung eingestehen müssen, desto mehr ist die Wirtschaft zur Kompensation gezwungen. 1945 hat man den Lenkungsbehörden den Kopf abgeschlagen und die Glieder, also Ausführende Organe, mit der Verantwortung des Kopfes ausgerüstet. Die Folgen treten immer deutlicher zutage: die Industrie ist zu einem Glücksspiel gezwungen. Und es ist Brauch; Ungesetzlichkeiten nicht mehr als ehrenrührend anzusehen. Fazit Die Produktion geht freie’ Wege und meidet – die Steuersätze tragen ihr gerüttelt Maß Schuld daran – den Bewirtschaftungsweg. Also steigt, je weniger offiziell produziert wird, um so mehr (relativ gesehen) die freie Erzeugung. Das Angebots auf den illegalen Märkten steigt, unddie Bezugscheine des Verbrauchers verfallen. – Ein besonderes Moment liegt noch darin, daß die Zigarette, die "Ersatzwährung" des Schwarzer Marktes, nicht mehr so gefragt ist, wie bisher. Die angekündigten (und jetzt anlaufenden) Rohtabakeinfuhren wirken deutlich preisdrückend. Vielleicht hat die zahlungskräftige Nachfrage nach Gold und Schmuck vom Osten her, die eine Hauptgeldquelle für die Versorgung des Schwarzen Marktes mit Betriebsmitteln darstellt, wieder: einmal etwas nachgelassen, so daß sich die Flaute deshalb stärker auswirkt. –n.