Es begann mit der englischen Krise im August vorigen Jahres, als die englische Regierung erklärte, ab Ende 1947 keine weiteren Dollars für ihre Besatzungszone ausgeben zu können. Nach langen Verhandlungen übernahmen die Vereinigten Staaten sämtliche Dollarausgaben für die Doppelzone und erhielten dafür die volle Mitbestimmung im Kohlenbergbau der britischen Zone und die entscheidende Stellung im Außenhandel des gemeinsamen Besatzungsgebietes. Mit den vor kurzem gemeldeten Eingriffen in das Bankwesen der britischen Zone hat jetzt die Politik der amerikanischen Militärregierung einen Weiteren entscheidenden Erfolg erzielt. Die Reichsbankorganisation der britischen Zone wird aufgelöst und durch Landeszentralbanken in – jedem der vier Länder ersetzt. Als Zentralinstjtut wird auf dieser föderalistischen Basis zunächst für die Doppelzone die "Bank der Länder" geschaffen, deren Vorstand aus den Vertretern der Landeszentralbanken besteht.

Die Notwendigkeit einer einheitlichen und straffen Geld- und Kreditpolitik wird heute für alle modernen Industriestaaten der Welt aberkannt. Überall ist die Entwicklung in dieser Richtung gelaufen. Auch in den USA, wo das ursprünglich föderalistische Federal-Reserve-System im Verlauf etwa der letzten zwölf Jahre zu einer ausgesprochen zentralistischen Institution geworden ist. Selbst – im weiträumigen und reichen Nordamerika war diese Entwicklung unvermeidlich. (Übrigens, begnügte, man sich dort mit zwölf Regionalbanken, während es allein in der Doppelzone acht sind, zu denen eines Tages wohl noch die drei Bänken der französischen Zone kommen werden.)

Die britische Besatzungsmacht hatte den wirtschaftlichen Erfordernissen Rechnung getragen und die Reichsbankorganisation bisher in ihrer Zone bestehen lassen, womit sie auch der allgemeinen deutschen Auffassung entsprach. Die nunmehr erfolgte Neuordnung ist keine wirtschaftliche, sondem eine politische Entscheidung. Sie ist letzten Endes eine amerikanische Maßnahme. Sie ist von den Besatzungsmächten, befohlen und nicht vom Wirtschaftsrat beschlossen. Sie widerspricht auch nach deutscher Ansicht den wirtschaftlichen Notwendigkeiten.

Diese Feststellungen sind notwendig; denn die Neuordnung bietet keine ausreichende Garantie für ein erfolgreiches Funktionieren der Geld- und Kreditpolitik, die nach der Währungsreform die entscheidende Rolle in der Wirtschaftspolitik spielen wird. Es könnten aber wieder einmal von den Besatzungsmächten schwere Vorwürfe gegen die deutsche Wirtschaftsverwaltung erhoben und ihr zur Last gelegt werden wenn sie mit ungeeigneten Mitteln nicht erfolgreich arbeiten kann.

Diese entscheidend wichtige Strukturveränderung in der deutschen Wirtschaft wird nicht nur ohne das deutsche Wirtschaftsparlament vorgenommen, also ohne die selbständige und selbst verantwortliche Mitarbeit der Leidtragenden, sondern auch Ohne – Berücksichtigung wesentlicher Empfehlungen und Wünsche der deutschen Sachverständigenkommission. Diese hatte eine straffere Lenkung der verfügbaren Gelder für erforderlich gehalten und vor allem stärkere Sicherungen für eine einheitliche Geld- und Diskontpolitik befürwortet.

Ein weiterer wesentlicher Einwand gegen die Konstruktion der "Bank der Länder" ist ihre Selbständigkeit, ihre Unabhängigkeit vom Wirtschaftsrat. Damit wird eine zusammengefaßte, wirksame Wirtschaftspolitik erschwert und verzögert, unter Umständen geradezu verhindert. Dasselbe gilt von dem unbegrenzten Anweisungsrecht der Besatzungsmächte Damit entsteht außerdem die Gefahr, daß wichtige Entscheidungen nicht nach deutschen wirtschaftlichen, sondern nach politischen alliierten Gesichtspunkten gefällt – oder verschoben – werden, eine Gefahr, die mit dem Anschluß Frankreichs wesentlich wachsen würde. Die Rücksicht auf Frankreich dürfte bereits bei den jetzt, durchgeführten Maßnahmen eine gewisse Rolle gespielt haben, ebenso wie bei der ebenfalls, jetzt erfolgenden Zerschlagung der drei privaten Großbanken: der Dresdner Bank, der Deutschen Bank und der Commerzbank. Auch diese Dezentralisation schädigt die deutsche Wirtschaft schwer; Der Geldausgleich innerhalb des Wirtschaftsgebietes wird; weiter erschwert, der Aufwand an Geld und Menschen, vor allem an leitenden Persönlichkeiten wird noch mehr erhöht und die Finanzierung größerer industrieller Vorhaben erschwert. Nicht zuletzt wird der gesamte wirtschaftliche Kontakt mit dem Ausland wesentlich behindert. – Es ist kein Zufall, daß "ich in Deutschland und genau so etwa in Frankreich oder in England die Entwicklung zu wenigen Großbanken vollzog H. F.-W.