Während der Erzeugungsplan fürdas laufende Jahr 4,8 Mill. t Rohstahl in der Doppelzone vorsah – 1947 wurden etwa 3 Mill. t produziert –, haben die Generäle Clay und Robertson vor kurzem eine Überprüfung und Erhöhung für1948/49 mit der Anweisung angeordnet, nichtwenigerals 6 Mill. t herzustellen. Eine Produktion von 4,8 Mill. t war nur bei einer Einfuhrvon etwa 2,5 Mill t hochwertiger Auslandserze möglich, weil das Transportvolumen der Reichsbahn (für Kohle, eisenarme Inlandserze usw.) höchstens für eine Stahlerzeugung von 3 bis 3,5 Mill. t ausreicht. Aus diesen Gründen wurde Ende Januar d. J. das erste größere direkte Erzlieferungsgeschäft über 1,4 Mill. t (etwa 15 Mill. Dollar) zwischen Schweden und der JEIA abgeschlossen (1938 bezogen die nordwestlichen Hüttenwerke ihr Erz zu mehr als – 80 v. H. aus dem Ausland; undzwar 9 Mill. t bei insgesamt 11 Mill. t, auf den Fe-Gehalt umgerechnet).

Die Kapazität für die Verdoppelung der Produktionist vorhanden. Man hofft auch mit den zur Zeit in den Eisen- und Stahlwerken beschäftigten 107 000 Beschäftigten auszukommen, wenn sie und ihre Familien besser verpflegt werden können. Während die Leistung je Arbeiter in der Vorkriegszeit etwa 100 t Rohstahl im Jahr betrug, ist sie bisher kaum über 30 t hinausgegangen. Sie müßte also bei einer besseren Versorgung etwa verdoppelt werden. Der größere Kalksteinbedarf, und die erhöhte Gießereiproduktion setzen die Gewinnung neuer Arbeitskräfte voraus. – Besondere Sorge macht die Lösung desTransportproblems. Die Heraufsetzung der Stahlpreise wird dringender als bisher, weil zur Zeit die Verluste mit steigender Produktion noch wachsen.

Da die Rohstoffversorgung nicht mit deutschen Erzen gesichert werden kann, muß weitgehend auf ausländische Erze zurückgegriffenwerden. Die Militärregierungen sind bereit, die Devisen für den Import der notwendigen 4 Mill. t Auslandserze zur Verfügungzu stellen. Als Lieferland kommt in erster Linie Schweden in Frage; vielleicht könnte auch wieder französische Minette, die früher stets eine große Rolle spielte, eingeführt werden. Der Einkauf wird jedoch nicht leicht sein, weil infolge der Erhöhung der Stahlproduktion in der ganzen Welt die meisten Erzlieferanten bereits langfristige Kontrakte abgeschlossen haben. Wegen der Kohlenersparnis, die mit der Verhüttung, hochwertiger Erze verbunden ist, sind in letzter Zeit auch Länder mit eigener Erzförderung als Käufer in Schweden aufgetreten. Es wäre also für Deutschland vorteilhafter gewesen, wenn die deutschen Hüttenwerke, ihren Wünschen entsprechend, die Einfuhr ausländischer Erze rechtzeitig hätten aufnehmen können. J. Sch.