Vor just zehn jähren, "als Wernei Scholz, der geborene Berliner, endgültig in sein Tiroler Gebirgstal abreisen wölltev saßen wTr mit. Roman o Guardini und ReinhoH Schneider in dem kleinen Atelier des Malers zu Berlin Friedenau und die Düsternis der politischen Entwicklung lastete schwer auf den Gesprächen. Wir sprächet! über das Dämonische "in der Erscheinung Hitlera und das alte Thema beherrschte die Unterhaltung: Muß derGeist in die Katakombe gehen >, oder vermag ertrotz des ungeheuren Druckes noch weiter zu kämpfen und sicrTzu behaupten? Was wird aus der Kunst, was wird aus Deutschland? Werner Scholz saß- ernst dabei und stellte gelegentlich Fragen. Aber bei aller Beschattung spürte man gerade um shn die schöne Wärme und die sichere Gewißheit eines Mannes, der ube r einen Besitz verfügt; den man ihm so leicht nicht nehmen kann. Nämlich "dieFähigikeit, sich durch ia® künstlerische Schaffen von diese Druck zu befreien. Die Fähigkeit, die Dämonen mit dem Pinsel, mit, dem Zeichertstift z bannen. Die Passionsstationen des ersten. Weltkrieges, in dem er nach zwölfilfcliger Verwundung einen Arm und ein Auge verlor, dann des sozialen Elends der zwanziger Jahre, dann der Sünde "gegen den heiligen Geist in den dreißiger Jahren und schließlich des zweiten Weltkrieges — sind r die Phasen, durch die das künstlerische Schaffen des heute Fünfzig" jährigen schritt. Es ist nicht die kaum verhaltene Grimmigkeit wie bei Max Beckmann, die bei Scholz die künstlerische Grundsubstaaz eines solchen Lebens geworden ist. Es ist auch nicht der Ekel über eine entgötterte "Velt, dem Jean Paul Sartre, als Wortführer Jür ein ganees Geschlecht von Schriftstellern lind Künstlern, in seinem Buch "La NK$ee" Ausdruck verlieh. Es ist bei diesem Mater di tiefe Trauer der Erschütterün, die den Grundakkord seines Schaffens bildet. Und so "" von Trauer geprägt wirken seine Bildnisse auf den Betf4ter: ©iese Kleriker, Meftnenknaben nad Firanlinge untr dem Protektorat von Madame istnort;, diese Mädchen, Frauen und " Kinder, in Jenen der Tod mitgemalt ist; diese" Eislandscteften Bind jene, in denen entlaubte Stimme gitterhaft Wie eine sdhwaJze Ge ktersdirilt eredieinen. Da ist ASS Tfryptichon von 1937 Der Schmerzensmann" mit seine n Gesidjterlandsdhaftew, mit dem er losdienen Vulkan des Qirtuskopfes, mit einer Maria, deWn Kopftuch wie die Kontair eines Berggletsdsers Herabstürzt, mit detn Johannes, dessen g<äes Haar gleich eiset bemosfcn Felsenklippe eich über den Grüften und Sdjrofien der Augen wnd f Wangen erhebt. Wi über den steinernen und gejnalten Schädeln des siebzehnten Jahrhunderts, wie ober der Diditflng <ks Dreißigjährigeji Krieges teht übe dem Werk von Weiroer Schok das Wort: "Vanrtas Vattltarm VttHltas". Hier aber, im zwanzigsten Jahrhüßdert, sfkelnt dieses Wort de Predigers Salomonis dss Zeugnis einer Epoche, der <ks Glück der Gewi&heit der Transzendenz wenige zuteil, wurde, als die tMgieche Erfahrung der Imanenz ides Tods. Denn de elementare, zeugend und vernichtende Kraft der Natur, wie sie" bei Werner Soholss Ausdruck findet, duldet nicht mehr die Vorstellung, daß der Mensch im Mittelpunkt der Welt stünde. Groß und gewaltig ist an thtt Aber mit dem Ifkbnis vor Tirol sind doch auch" getrübter Leuchtkraft. Jedocfc die Farbe dient nicht der Gefälligkeit, nicht dem Dekor einer Idyllischen Grundhaltung; s! dient der Aufdruckskraft eines dramatischen Vorgangs. Sie hat Pathos wie die Kontur. Und dodi sieht man — und es ist ein erstaunliches Erlebnis —, daß sieh der Maler in der Einsamkeit etwas errangen hat, was in Deutschland ecken äst. Man bezeichnet es 4u Frankreich nits Peittture " "Sur fa palette les ceukttrs de Mittsse, mr & toih tes fornes de desespoir" — "af eeiner Palette die Far"ben der Trauer, auf der Leinwand die Formen der Hoftnfingslosiglceit", e&gte francois Erhardim Geleitwort zur ersten Ausstellung der Bilde! von Schulz in Konstanz;>eia Wart, ds$ von der starken Aber spricht aus den Gemälden von Scbolz nur die Hoffnungslosigkeit, nur die Verzweiflung, die der Franzose aus ihren aasdnvcketarken Konturen afeb? Ist nicht aus- der Begegnung mit der bäuerlidf Welt Tirols, aue den Passionstrlebeiner Generation, aus der inneren Schau der elementaren Nafurkr aft eine eigentümliche mystisch Vision erwachsen, die zuweilen den Betrachter mit ungewöhnliche? Schönheit überfällt? Stehen neben dem yaiphonfedbeij Konzert der Gemälde nicht die Pastelle und unter ihnen einige von ao zarter sgpntatier Aniwut, wie wenn einer ia der Einsamkeit die Flöte Uad doch ging e& Sdiolz, der — von" den Nazi verfemt — nach Tirol flüchtete, keineswegs iim dl Rncbi in die Idylle, keiseswegs um die Rettung jfn jene intellegible Freiheit, mit der man sich in Deutschland o bereitwillig zu trösten pflegt, sobald an die wirkliche Freiheit verloren hat. Das ergcliüUeite Mitleiden aa der Zeit — davon hat auch die Tiroler Einsamkeit Werner, SAofe niAt befreit. Denn diese Eisscfaürienmg ist ein eigentliche Wesen. Zuweilen schießt die Äiißeawelt grell in eine Bilder hinein, und es vtsteben dann Pastelle, die den Zeichnungen von George Groß verwandt ind, oder Gemälde, ift denen das Chaotische nur ine mittelbare Niederschrift erlaubte. Wo hat die dämonische Verniehtttngskraft unserer Epoche, die, chreiende Angst einer rund um einen Atomkern zerstäubenden Weltf- einen efgreifenderen Awsdtuck gefunden? Und werden diese iBiWcr nicht stärker A jede Darstellungvon Greueln den kommenden Zeiten Zeugnis ablegen von der seelischen Situation "Jn der Mitte des zwanzigsten Jahrhunderts? Und wird man an innen nacht immer gewiß werden, wi nahe Schrecken uad Schönheit wohnen? Dsese Kunst kt ein dramatisches tfffd ein religiöses Erlebnis, Versuch nd Versuchung, geboren i Zweifel und Verzweiflung, as dem bohrenden Versenk in den unehdiichea Brunnenschacht der Seele und damit verwandt dem Erleben der Myetiler. Jedoch in seinem, von deri ungläubigen Schauern unserer Zeit dHrchsdhätteltem Wesen ist e deinem anderen Bekenntnis einzuordnen sis dem der eigenen Brust, Dar- ist der tragische Zug unserer Gegenwart und der de Malers Werner Schok. Uad nter manchen seiner Bilder könnten die trauernden Worte der ersten Duineser Elegie Rilkes stehen: Wer, wenn i4r schrie, körte midi 4eßn atls der Engel Ördiiig?. Und geatzt selbst, H ahme einer mich plötzlich aus Herz: ick verginge von feinem stärkere Dasein, Dem dm Schöne Kt nidtts als des Schrecklichen Anfang, den wir neck grade ertragen, und wir bewundern es iv, weil t$ gelassen versthmäht, m$ z