Vor dem schleswig-holsteinischen Landtag hat Minister Diekmann kürzlich über die "entmutigenden Aussichten" der deutschen Exportbemühungen gesprochen. Man muß der Kieler Regierung bescheinigen, daß sie sich nachhaltig darum bemüht hat, die Handelsbeziehungen zumal zu den nordischen Ländern wieder in Gang zu bekommen. Dazu sollte die im vergangenen Jahr durchgeführte und auch für dies Jahr wieder vorgesehene Exportmusterschau in Flensburg dienen.

Leider sind diese Bemühungen so gut wie erfolglos geblieben. Die mittelbare Kopplung der deutschen Exportgeschäfte an den Dollar, die bürokratischen Schwierigkeiten der Exportvertrage und vor allem der Dollarmangel der nordischen Bedarfsländer waren die Ursachen, daß von den 20 Mill. Dollar betragenden Flensburger Exportverträgen bisher noch kein Abschluß ausgeführt werden konnte.

Dies Beispiel für das krasse Mißverständnis zwischen der aufgewendeten Mühe und dem tatsächlich erreichten Ergebnis läßt sich aber auch auf die Exportmesse Hannover ausdehnen. Gerade dieser Tage teilte die bergische Industrie- und Handelskammer mit, daß ein großer Teil der von der Remscheider Werkzeugindustrie in Hannover abgeschlossenen Verträge bisher nicht abgewickelt werden konnte. Diese Feststellung, sollte den britischen und amerikanischen Dienststellen der JEIA unter Mr. Logan zu denken geben. Es wirkt fast lächerlich, daß für eine bescheidene Ersatzteillieferung einer Remscheider Firma in Höhe von 700 RM nach Belgien insgesamt 87 einzelne Arbeitsgäge (Schriftstücke und Besuche beim Zollamt usw.) erforderlich waren, ehe die die Sendung abgeschickt werden konnte. Zu allem Unglück ging nun auch noch diese Lieferung zwischen Aachen und Verviers verloren ... Dieser Vorfall ist bedauerlich. Er wirkt aber harmlos, wenn man weiß, daß es der deutsche Außenhandel-Bürokratismus schaffte, 25 Brennstoff-Kesselwagen zwischen Hannover und Minden einfach verschwinden zu lassen! Eine Waggonfabrik der britischen Zone hatte auf der Exportmesse Hannover aus Schweden einen Auftrag zur Lieferung dieser 25 Kesselwagen erhalten – einen Auftrag, über den sich das hart arbeitende Unternehmen ehrlich freuen konnte. Der Abschluß war am letzten Messetag in Hannover erfolgt und man konnte die Urkunden infolge Zeitmangels nicht mehr austauschen. Jedoch fuhr der ausländische Auftraggeber beruhigt nach Schweden zurück; man hatte ihm zugesagt, daß die Lieferung innerhalb eines Jahres erfolgen könne. Von diesem Jahr sind nun leider schon sieben Monate vergangen, ohne daß in der Waggonfabrik etwas von den 25 Kesselwagen zu sehen wäre. Die Verträge, die am 6. September 1947 in Hannover abgeschlossen waren, gingen nämlich auf dem Wege von Hannover nach Minden verloren. Bis heute ist es der Fabrik nicht möglich gewesen, diese Angelegenheit in Ordnung zu bringen. Natürlich gab es in Minden, in Frankfurt-Höchst und auch bei der JEIA einsichtsvolle Stellen, die den Versuch machten, diese Panne auszubügeln. Man kann aber die Zeit nicht zurückdrehen, denn jetzt sind andere Bestimmungen gültig! Als der Vertrag abgeschlosen wurde, waren Brennstoff-Kesselwagen in Schweden auf der "freien Einfuhrliste"; heute verlangt man in Frankfurt-Höchst zusätzlich die Beibringung einer schwedischen Einfuhrlizenz.

Kann man es den Schweden verübeln, wenn sie dieses Hin und Her um 25 Kesselwagen, die sie ordnungsgemäß bestellt haben und in guten Dollars bezahlen wollen, nicht als korrekt empfinden? Man müßte meinen, daß Pannen, die schließlich überall einmal eintreten können, doch nur auf der Basis der ursprünglichen Verträge behoben werden dürfen.

Vielleicht ist die Ansicht des Direktors einer Nürnberger Fahrradfabrik nicht übertrieben, wenn er: meint, daß internationale Industriekreise daran interessiert seien, den deutschen Export in Grenzen zu halten. Dieser Mann scheint seine Erfahrungen zu haben, denn noch immer wartet er vergeblich auf die zugesagte Materiallieferung für einen Exportabschluß über 500 Fahrräder nach Venezuela. Er meint ferner, daß die festgelegten Exportpreise einen Geschäftsabschluß mit dem Ausland immer schwieriger machen. Deutsche Fahrräder kosten im Export 23 bis 23,60 Dollar, wozu noch Einfuhrzoll und Fracht kommen. Auf dem Weltmarkt wird ein Fahrrad aber nur mit 26 Dollar gehandelt.

Die deutsche Exportindustrie hoffte einmal, daß nach der Verlegung der Außenhandelsdienststellen von Minden nach Frankfurt-Höchst und der Herausgabe, der neuen JEIA-Anweisungen die "Steuerung" des deutschen Außenhandels mehr und mehr auf die deutschen Behörden übergehen würde. Jetzt hat es allerdings den Anschein, daß sich die Dienststelle von Frhrn. v. Maltzahn zur Unterabteilung von Mr. Logan, dem neuernannten amerikanischen Leiter der JEIA, entwickelt. Man wird abwarten müssen, ob sich daraus die ersehnte und notwendige Belebung und Vereinfachung des deutschen Außenhandels ergibt. Schließlich sind in wenigen Monaten drei Jahre seit der Einstellung der Feindseligkeiten vergangen. Und man müßte meinen, da nun drei Jahre über das deutsche Außenhandelsproblem diskutiert worden ist, daß endlich eine konstruktive Lösung gefunden werden kann. Willy Wenzke