Von Herbert Fritsche

D r. Paul Troch torpediert seine Gegner; da er Arzt ist, erblickt er in krankhaften Gewebsneubildungen – zum Beispiel im tuberkulösen Granulom oder in bösartigen Geschwülsten – diese seine Gegner: gegen das Kranke hat der Arzt zu kämpfen. Die Torpedierung geschieht unter Ausnützung der Atomenergie. Das von Dr. Troch erarbeitete Präparat Peteosthor läßt – mit kolloidal feinstverteiltem Platin als "Schlitten" – doppelt elektropositive Heliumatomkerne nach intravenöser Einspritzung zu den krankhaften Heiden im Organismus gelangen. Auf Grund besonderer elektrischer Ladungen werden die chronisch entzündlichen Herde sowie auch die Geschwulstzellen vom Peteosthor auf eine ähnliche Weise angesteuert wie ein U-Boot von einer Wasserbombe. Nach intensiver Speicherung in diesen Geweben werden die krankhaft veränderten Zellen, wenn die doppelt elektropositiven Heliumatomkerne ionisierend auf sie einwirken, in ihrem Teilungsvermögen gestört: ihre Zukunft wird vernichtet, die freie Bahn für den Heilprozeß ist damit gewährleistet. Dies ist Dr. Trochs Arbeitshypothese. Seine Erfolge, insbesondere bei Knochen-, Gelenk- und Drüsentuberkulose, haben Aufsehen erregt.

Ärztliche Torpedierkunst ist hier am Werk. Wer die Geschichte der Medizin – von Paracelsus über Hahnemann bis Schleich – genau kennt, wird sich nicht wundern, wenn er erfährt, daß die ärztliche Torpedierkunst Dr. Trochs, die sich gegen Krankes richtet, eine andere ärztliche Torpedierkunst herausgefordert hat, deren Ziel er selber ist. Zwar heißt es seit Jahrhunderten: "Salus aegroti suprema lex" das Heil des Kranken ist das oberste Gesetz – aber eine ebenso altbewährte Feststellung im gleichen lapidaren Latein mildert diese Sachlage von alters her: "Medicus medicum odit", zu Deutsch: kein Arzt ist seinem Kollegen wohlgesonnen.

Was hat es auf sich mit dem Kampf um Dr. Troch? Ein Artikel "Dr. Troch am Scheidewege", den das offizielle Organ der Ärztekammer Niedersachsens veröffentlichte, enthält den erstaunlichen Satz: "Herr Dr. Troch will Ärzte im Gebrauch seines Mittels unterweisen und es so der leidenden Menschheit dienstbar machen. Dieser Weg kann nicht gebilligt werden."

Auch sonst bringt der Artikel – der von einem deutschen Mitarbeiter der Gesundheitsabteilung der CCG stammt und deshalb fälschlich in der Presse als Stimmt der Militärregierung auftauchte, was sein Verfasser selbst dementierte – allerlei Merkwürdigkeiten, zum Beispiel ein lyrisches Finale: "Koch und Troch, die Namen reimen sich. Es liegt an Dr. Troch, daß diese Namen in der Geschichte der Heilkunst zusammen genannt werden." Das Mittel Peteosthor, "an das man wirklich große Hoffnungen kämpfen kann", könnte – so fürchtet der Ärztekammerautor – am Ende von Amerika aufgegriffen werden, "und es ist der deutschen ärztlichen. Welt, die durch die Nazizeit soviel an Ansehen in der Welt eingebüßt hat, unendlich viel daran gelegen, daß ein deutscher Arzt und Forscher es sein möchte, der im Kampf gegen die Tuberkulose ein großes Stück des verlorenen Terrains für uns wiedergewinnt."

Ein Mittel also, an das man größte Hoffnungen in therapeutischer und nationaler Hinsicht knüpft ... und dennoch will man nicht billigen, daß der Entdecker bereitest, Ärzte in dieser Methode zu unterweisen Mit acht Krankenhäusern und neun praktischen Ärzten arbeitet Dr. Troch zusammen sein Lehrbuch "Peteosthor, neue Wege des Heilens" (Verlag F. Vieweg & Sohn, Braunschweig) ist im Erscheinen, keinem Arzt wird das Erproben des Verfahrens verweigert – nur eine einzige Bedingung erscheint dem Urheber dieser schwierigen Therapie unerläßliche daß er als deren bester Kenner das Erlernen des Umgangs mit ihr kontrollieren darf. Seine Begründung leuchtet ein: Ganz dicht liegen Nutz- und Gefahreneffekt des Peteosthors beieinander, erst seit 1947 kann mit einem stabil gebauten Präparat gearbeitet werden, die Anwendungsmethodik verlangt Einfühlung und differenzierte Erfahrung, Das Ärztekammer-Blatt meint, Dr. Trochs Name würde bald vergessen sein, wenn er weiter dabei beharre, als sachverständiger Anleiter die Einbürgerung seines Mittels überwachen zu wollen. Der ganz seinem Arzttum hingegebene Sechzigjährige in seiner bescheidenen Pyrmonter Klinik, der als urwüchsig-geradliniger Helfer seit einem Jahrzehnt das Leben eines möblierten Herrn auf sich genommen hat, winkt ab: Das schreckt mich nicht. Es ist mir nie um meinen Namen gegangen. Niemand weiß ja auch den Namen des Bildhauers der Plastiken am Naumburger Dom."

Nur insofern steht Dr. Troch am Scheidewege, als er – des Doppelspiels ärztlicher Torpedierkünste müde – vielleicht gezwungen sein könnte, selbst in jene Länder zu gehen, Vor deren größerer Aufgeschlossenheit für ärztliche Pionierleistungen ihn die Behörden Niedersachsens warnen. Ob Peteosthor die großen Hoffnungen, die man auf das Mittel setzt, erfüllen wird, kann sich erweisen, wenn man nicht so unbillig verfährt, den Entdecker und einzigen Beherrscher des Verfahrens von einer Kontrolle der Überprüfungen ausschließen zu wollen. Dieser Weg kann nicht gebilligt werden", so will es uns scheinen.