Dicke Quadern dringen. Hohe Mauern, Felsenbrocken. Darinnen eine kleine Stadt, fremd, vergangen ...

Im blauen Wasser des Sees, darauf ein fauliger Kahn mit engen Netzen, spiegeln sich dicke Zwingmauern und düstereKasematten, steinerne, spitze Bögen: Zwingburg der froh ... Einsam und verlassen fühlt sich der Mensch dazwischen. Zerbrochen das quadrige Gemäuer, die grauen Mauern, daran jetzt grüne, feinblättrige Farne.

Blaugrüne Zypressen wispern im heißen Wind der fernen schneehäuptigen Berge. Ein Reiher, eine Dohle ... Auf der Höhe: Rostenes Eisengitter über dem Grab eines Gewaltigen. Einsame, dürre Gräser, lange Schmielen, fettes Unkraut. Daneben zerbrochene Gefängnisse, Löcher, Nischen.

Damals: Zellen, in denen Menschen lebend gehalten. Schrei des Mordens und Würgens in den feuchtenden Tag des Lebens hinein. Geweinte Tränen, aufgesogen vom Kalk der Felsen. Aufgesogen die Seufzer von der grauenhaften Schwüle der Nächte. Blutend in der Qual der Tage. Mit sich selbst zerfallen der Mensch in das leise Ticken der Zeit. In den scheidenden Tag, der rasch einfallenden Dunkelheit, der Schwärze des Lebens. – Ach, die Menschen sind frei nur auf den fernen, einsamen Bergen. Wo sie nicht der Arm der grausamen Gewalt ergreift, Während die Lorbeerbäume blühen und die Menschen Ostern feiern.

Der Blick weitet sich über die krüppligen Buscheichen und bleibt wiederum an den Zellen haften. Gefängnisse, in denen Haß giftgelb leidenschaftlich Besessene quälte, die sich in der Kraft messianischen Glaubens gegen die irdische Macht auflehnten. Derweilen Musselin aus Iran, aus Indien, Teppiche aus Persien und Porzellan aus China von Gleiten von Maultieren über die spitzen, steinernen Bögen der wilden Bäche des Gebirges getragen wurden, über denen einsame Kastelle Wacht hielten. Derweilen die furchtsamen Menschen ihren gelben. Mais in den engen Gäßchen der Stadt zum Trocknen auslegten und süßen Wein aus schmalen Krügen tranken.

Zitadelle, Fronfeste, Zwingburg, Gefängnis, Käfig, Totenkammer: Ruine heute nur noch, über die der Wind die Tränen der Gemordeten weint ...