In Zuckmayers Drama "Des Teufels General" kon-

zentriert sich die Hauptlast tragischer Konflikte auf die Gestalt des Chefingenieurs Oderbruch. In ihm, dem Saboteur, der wissentlich die Kameraden in den Tod, schickt, weil ihm über allen Bedenken die Überzeugung steht, daß mit jedem verfügbaren Mittel die Macht des teuflischen Kriegsschürers gebrochen werden muß, damit das ganze Volk vor dem restlosen Verderben bewahrt bleibe, verkörpert sich die ganze Problematik des Widerstandskämpfers. Sein Chef und Freund, der General, verrät ihn nicht, nachdem er sein Geheimnis erfahren. Er achtet die selbstlosen Motive des Aufrührers. achtet auch seine Tragik. Aber die menschliche Fragwürdigkeit bleibt bestehen. Ist es möglich, ist es erlaubt, den Teufel auf der Basis der teuflischen Devise "Der Zweck heiligt die Mittel" zu bekämpfen?

Bei einer Diskussion, die im Anschluß an eine lugendvorstellung des Dramas in den "Münchner Kammerspielen" stattfand, wurde dem Dichter diese Frage entgegengehalten. "Ich könnte mich auch heute noch nicht entschließen, den Weg Oderbruchs zu gehen!" rief ihm ein Jugendlicher unter dem Beifall der anderen zu. "Ich will Ihnen ganz offen gestehen", erwiderte Carl Zuckmayer, "ich ‚auch nicht!" – Als echter Dichter, der er ist, hat er. kein Tendenzstück geschrieben und identifiziert sich nicht mit den Gestalten, die nicht sein Gehirn ersonnen, sondern das Leben ihm vor Augen gestellt hat. Wie der General Harras, so ist auch Oderbruch ihm "eine Figur des tragischen Konflikts, nicht der Lösung", und "in diesem Stück konnte keine Lösung geschaffen werden". Daß Oderbruch handeln muß, wie er es tut, ist eine Tragödie "und soll bestimmt nicht als Beispiel für kommende Zeiten angesehen werden!"

Dichter sind Seher – sollten es wenigstens sein – und sehen schärfer, klarer, wahrer als Propagandisten und politische Weisheitsredner. Call Zuckmayer, ein Dichter von Geblüt, hat aus der räumlichen Ferne der Emigration die deutsche Wirklichkeit der zwölf Jahre viel richtiger gesehen als andere, seiner Schicksalsgenossen. Er ist um nahe geblieben und hat. uns verstanden, und er weiß, daß eine ausweglose Tragik über uns waltete, Darum hat er auch den Weg zu uns zurückgefunden. Nicht zurück. – da er uns innerlich niemals verlassen hat, wie er auch uns immer der deutsche Dichter unserer Zeit geblieben ist, wie etwa Paul Hindemith trotz seiner räumlichen Entfernung der repräsentative deutsche Musiker unserer Generation.

Zuckmayer ist mit seinem Bekenntnis zur Wirklichkeit noch Reiter gegangen. In jener Diskussion gedachte er auch eines Besuchs im Internierungslager Dachau und berichtete, daß die dortigen ehemaligen Angehörigen der SS und anderer Organisationen zum größten Teil ein klares Bewußtsein ihres Schuldanteils und den Willen, die Konsequenzen davon auf sich zu nehmen, in sich trügen. "Diese jungen Leute", sagte der Dichter, "könnten heute mit uns von der alten Generation zusammen Neues schaffen und aufbauen." Dies Wort läßt erkennen, wie sehr sich die Überzeugung durchzusetzen beginnt, daß "heute alles darauf; ankommt, nicht mehr hypnotisiert auf die Vergangenheit zurückzustarren, sondern von den neuen Gegebenheitern der Gegenwart aus den Blick auf die Möglichkeiten der Zukunft zu richten. W. Abendroth