ciwes großen Berliner Verlagshauses ReUametexte s "ist eine unliebsame Sah? in der, Ichform zu schreiben. Aber ich bm nicht viel. Wozi mich also in einer dritten. Person verstecken? Es wäre der Mühe nicht wert "Übrigens War ich zu der Zeit" dieser Geschichte gar nichts , und auch auf dem schwarzgefärbten Hemd- Ich > gerade vierundzwanzig Stunden in Freiheit. Von dem Entlassungslager beDarmstadt hatte mäch iein Auto nach- Fraakfurt geb"racht. Ich stand an- der FahrkaMenscharter des Hauptbahnhois an. Ich wollte eine Fahrkarte nach Wiesbaden haben. Vor 1 mirstand eine weißhaarige irau.

sSiverlangte jn Billett nach Pari: DerBeamte erklärte, daß er nicht imstewle sei, ihr eiri solches Billett zu verfcaiafen. Mein eigener Wunsch wittde binnen eJnerSekunde erfällt. Die. Frau sagte zur mir :~" Warum bekomme ich kein Billett nach "Paris ?" Ich sagte: "Ich weiß es nicht Jxh i>fn sehr lange nicht in Deutschland £e wsen TEs gibt wohl übetail Fonn>littten; die alles verhindern, zum Beispiel auch eine Fahrt nach Paris Die Eräfr 1 erklärte: "In der französischen.

Kriegsgefangenen auf denschwarzgefärbtenJacke ring vom Finger zpizielhen. IchIag in eintm Häufen 60 Jahre MensdieJv, und 1 Bede stxiSiert habe keinen anderen Ausweg aus dem Elend der Welt sehe, scfeä! yooi. Christentum gewiepei Weg. Es ist uömöglidii, daß die grpße- Erdf ohae" Religion kann 9 ~ Verfassung steht, 3aßjnn überall lehen kann, wo man will " Ich sagte: "Sind (Sie Französin?" Sie sagte:, Nein?" — "Sie wohnen- in Frankfurt?" , fragte fch sie Oh; eth , sagte sie "Ich kennehier keinen Menschen " In der Fremde zu schwimmen, das ist schlimm. 0h ichwußte aus eigener &fÄraji£ jwie schlini es ist, in der Fremd zu schwimmen r Ich sägte: "Ich kenne hier einen Theatermann. Bei ihm habe ich selber die letzte Nacht auf dem Sofa verbracht "— "Pas ist gut", sagte die Frau "Das 5ofa nehme ich mit Dankbarkeit an " , v Das Sofa w eine Matratze, die auf ei paar Bä£de eines alten Konversationslexikons aufgelegt war und in einem durfden, Korridor stand, durch dessen drei Tiaren- man zu drei verschiedenen Fa milien eintreten- konnte. In de einen der drei Zimmer lebte mit seiner, Frau der Tteatentnanntr war Regisseursie Schauspklerin. Für die Zimmernachbarn war es noch immer eiriGtedk, daß sie | nicht Sänjerin wat, brachte ich die Flau vom Bahnhof samf einem JKoffer, den sie nicht aus der Hand gehen wollte. Sie war "mindestens siebzig. Auf dem" Weg erzählte sie mir, daß sie zuihrem Enkekohn nach Paris, fahren und ihm etwas Wichtiges aushändigen müsse. Vorher hatten wir in der Betreuungsstelle des Roten KwTßes einea Becher Kaffee getrudbwi. Sie hatte sich, wie sie sagte, die Lippen anfeuchten wollen. Ich hatte es mit einem gewissen Schrecken gehört; weilfkh fürchtete, daß sie ich die Lippen zu einer sehr langen Lebensgeschichte "anfeuchten wolle. Sie war jedoch mehr" zum Schweigen geneigt.

Die Wand der Betreuungsstelle war mit vielen kleinen Plakaten bcter Zetteln beklebt. Dort suchten, die Mütter die verlorenen- Kfnder; die Kinder den Vater, der Bruder die Schwester, die Frau ihren Mann & war eine Tapete, ft& 8us Hilferufen bestand, Auf viele dieser Plakate ""war ein Photo geklebt Die Photos waren alle frkdensmäßig: sauber und felanfe gebürstet and schöp an- den Besitz der Uhr geseist worden sei "Sie wird 1duliertrBie Knaben auf ihnen (man konnte sie kaum als SoWWeTi ansprechen) trugen schmucke Ordensbänder im Knopfloch. 33ie alte Frau at>er sagte z mir: "Es ist überflüssig, diese Photos zu prüfen. Daiach ist keirfer wiederzuerkeanenw Alle diese freundli b "strahlenden, Männer, Kinder" und Frauen tragen heute nur Lumpen ad Runzeln — vorausgesetzt, daß Sie lncht irgendwo schon verscharrt worden sind N " " Der Theaternaan hatte midi ani Abend vorher und gastlich bewirtet " Er"najaji auch die Frau"vom Bahnhof it Freundlichkeit auf leb sagte zirihm: "Ich kann sie leider nicht vorstellen, ich weiß nicht, wie sie heißt " Sie sagte mit einem Lircheln, das ihren pompösen Namen etvas herabsetzen sollte: Ich fein die Baronin v. B und wurde vor dreißig Jahren in jjiga erschossen " Wir sahen sie mit Vorsicht an; wir "blinzelten um, zu: verrückt! Sie sagte N aber ganz vernünftig: ,I<h breite nicht ijern mein- Leben vor ändern ans; ich möchte Ihnen aur diesen Säte, nachdem er mir 40 herausgescMupft ist, erklären . Wir besaßen tin Gut in der Nähe von Libau. Mein Mann und i<h wurden von den Bolschewisteh nach Riga verscHeppt und zusammen mit, vierzig oder fünfzig anderen Menschen an der Wand einer alten. Kaserne erschossen. Ich blieb am Leiben, weil ich eine Sekunde vor der tödlichen Salve ohnmächtig wurde. Ich erwachte wiederfllrjemaiid versuchte, mii den Ehevon Leiche. Die Leiche neben mir war mein Mann. Der, Mann, der mir den Ring hatte abnehmen wollen und auch tatsächlich abnahm, jigte ich fort. Sie werden zugehen, daß es nicht sehr rühmenswert ist, werkt man einäsolche Gescaichte fast glatt übersteht Ich, habe mich sehr oft geschämt, nicht aus dem Gleichgewicht gebracht und körperlich und geistig am Leben geblieben zu #. Sehen Sie mich an: ich bin secbiundsiebenzig, ich fraise nicht eur diese eine Geschichte eriebfT iA komme gerade aus Schlesien Erzählen Sie dis irgendwer?! — r wird sich nicht vorstellen kömen, daß ein Gesicht aus etwas anderem "36 aus Falten besteht. Aber tis auf die Runzeln, die jedermann hat — ich habe immer noch festes Fleisch im Gesichf. Ist dies nicht beschämendi? Es ist, als hätte nichts auf mich Eindruck gemacht, als wäre die ganze Duscfje ides Elends nur ein: sanfter Hegen gewesen . Ja, Ja, ich schäme mich wirklich; ich weiß: mit eine, solchen. Gesicht kann an nicht solche Gesjhichren erzählen " Ich sagte, daß ich mich nun zurückziehen müsse, denn es sei gewiß schon, und ich "fragte den Thea tepjaiKanach der Zeit "Ach", sagte die Baronin v. B, "Ihnen fehlt eine Uhr, und Sie weiden so schnell audt keine kommen " Sie zog aus ihrer Handtasche eine goldene Uhr. Natürlid sträubte i& nicit, die Uhr anzunehmen. Die Baronia bestand jedoch hartnJUfcig darauf , Ich kam erst drei Tag e später dazu, die, Ufer genau anzusehen. Da lag sie iäuf dem Tkch eines Polizeiteamten. Und ich war darauf gefaßt, daß man mn eröffnen würde, die Baronia v, J, sei umgebracht, und daß inao mir auf den KopF zusagen würde, ich selbst sei der Mörder, jedermann weiß, daß matt als entlassener Kriegsgefangener nicht vertrauenerweckend aussieht. Die wenigsten- wissen: wohin? Und in de jBetieouiigsstefleij" ist im beten Fall eine dünne Suppe zu haben. Gestalten wie wir lungerten auf denBahnihöfen heran, gingen als Bettler au die Dörfer hinaus, "verkauften, auf dem "Schwarzmackt Kaffee und Tabak und Butter . Der Polizeibeamte prüfte meinen EntlassungsausWeis. Er war vor v!e? Tagen ausgestellt undgestempelt "Besondere Kennzeichen: keine. Tang , lichkeitsgiad;- arbeitsfähig " Der Beamte sagte: "Es wirdrran Zeit, daß Sie sich nach Arieit umsehen " Ich sagte, daß ich meine Angehörigen suchen wolle. , Federmesser ölrnete er den Deckel der Uh "Aha", sagte er, "die Uhr gehört einem Herrn Sedamore " Ich sagte: "Nein, es ist eine Damenuhr Was Sie für einen Namen halten, sind zwei lateinische Worte. Es stehen, hoch, etwas Heiner, zwei andere lateinische Worte darüber: Afs vi sed amore. Dasheißt: Nicht mit Gewalt, sondern mit Lkbef Dasselbe steht an einem bischöflichen Haus ii Passau, dort, wo der In in einem großen. Bogen jach einmal der Vereinigung m t <ler Donau auswddht " Der Polizeiibeäjnte sagte: "Sie Scheines ja sehr ausgekocht zu sein " Dana betrachteten wir ge meinsam das Wappen, das ebenfalls eingraviert war, vermutlich das Wappen der Bs lEs war ein geflügeltes Rind. Mir fiel noch ein, daß dies gemeinhin das Symbol des Heiligen Lukas sei un<f daß der lateinische Wahkpruch kein lateinischer, sondern ein durchaus christlicher wäre. Aber ich verschwieg es, in flm nicht zu reizen. Der Beamte proto koHierte die angebliche Geschichte, dorch die ich ia also nicht hier zum erstenmal erzählt, oideralfet schon, einmal in denAikten verewigt und vird~wrmuflith a ms Tageslicht konaneitwena ich mich zu einer Straftaten- Handlung hinreißen lasse. EA hoffe nicht, daß es dazu kommt. Aber werweiß Ichbig noch nicht langewieder "in Deutschland. Alles In allem wurde eine öeschicht schließlich als glaubhaft befunden, der Frankfurter Tineatermana ab Zeage notiert, die Uhr mir gelassen. Auf der Innenseite des Dedkels stei: tfm vi stA atuofe, In Passau wie gesagt, steht diese Inschrift att einem Hause seit fast, dreihundert Jahren. Sie wurde "niemals verhüllt woid awch niemals, wie man <eig£iatlich annehmen sollt, bekränzt. Vielleicht jMn ich der einzige, der sie las. Diese Worte lassen sich auf alles anwenden: aufs Regieren, aafs Denken, aufs Lehen. Aber sie paßten gar nicht, zu meiner Gefaagenenuiuform. Und nicht zu den Leuten, die ich wegen einer Stellung fragte. Ijne Stellung?, Pfui, bei so einer alten Soldatenuniform? Auch die Ufer paßfe nicht. Ehe ich mit HiMe der anderen- ehemaligen Kriegsgefangenen die Uhr verkaufte, habe ich ein weitetet Geheimnis- entdeckt: sie besajJ noch einen aweiten inneren Deckel. Zwischen dem ersten und weiten bewahrte sie eine tfelbtäune Locke ~ . Diese Uhr —- auch da habe ich noch herausgebracht, ich fing mit Meyers Konversationslexikon aii und kenne nunmehr in großen Zügen die Geschichte der Bs—war ein Geschenk des Zaren Alexander von Rußland!, jenes Kafeeis, der die, Gewaltherrschaft Napoleons brach unddessen Gestalt neben der des Korsen fast wie in Liebesgott wirkt. Er hat sie einer Frau inmitten ~der wüsten Ausein, anderseteupg de europäischen Freiheitskrieges ge schenkt. Die Frau war — werttf meine Fährte- nicht falsch ist — eine Holländerin in Guayana geboren. Die Lpcke halte ich für eine Zutat der späteren Zeit, js ist- aber möglich, daß die Baronin v. B. nichts von der Locke wußte. Mög licheweise hat sie nicht einmal gewußt, daß die Uhr noch einen zweiten Innendeckel besaß.

Hätte, ich die Uhr (behalten sollen? Ich frage: Warum? Diese Damequhr nahm sich in der Hand eines Mannes sonderte a. Auf der Eisenbahnfahrt fiel der Bück ziweier Frauen auf sie. Die eine sagte: "Ich möchte wissen, wer heute meine golden! Armbanduhr trägt. Jch habe sie damals gegen ein halbes Brot fiir ;die Kinder gegeben Sie sagte es mit der Albsicht, ich jedes Wort hören zu lassen. Nun, was isollte mir die Uhr? Wenn ich es recht Überlege: ich habe sie für die Vermittlung einer Matratze genommen. Wer weiß, wie- gut oder wie schlecht die Nacht in den Augen und irf dem Leben der UWbeeitzerin war, die sie auf dieser Matratze verbrachte? Sie ruhte, wie ich schon sagte, auf einigen Bänden eäaes alten Konversatioiislexikoas. Darin steht ihr Name. Es war in rfei Familie kein großes, üreigaäsi, iwena jemand einen Ring oder eine Uhr einer Kosakenfcapelle hinwarf oder damit, statt lange nach Rubeln zu suchen, eine Schlittenfahrt bezahlte.