Illustre Gäste sind an Bord der "Queen Elizabeth" keine Seltenheit. Und auch am nächsten Freitag, wenn das Schiff nach siebentägiger Reise die Freiheitsstatue passiert haben wird, dürften New.Yorjs Reporter wieder einmal auf ihre Kosten kommen. Unter den Passagieren befindet sich Exkönig Michael von Rumänien. Wer wird da schon auf einen unscheinbaren Spanier aus der ersten Klasse achten, der in der Tat nichts weiter ist als ein jovialer Geschäftsmann. Doch während der König mit seiner, kurz vor der Abfahrt aus Southampton abgegebenen Erklärung, daß er unter Androhung von Waffengewalt auf den Thron seines sowjetisch besetzten Landes verzichten mußte, vorerst seine Mission erfüllt haben dürfte, begann die Aufgabe, des anderen etwa zur gleichen Stunde: Ignacio Herrero trifft als Bevollmächtigter der spanischamerikanischen Bank in New York ein, um über die Gewährung privater amerikanischer Anleihen an Franco-Spanien zu verhandeln.

Man hat in Washington nie ein Hehl daraus gemacht, daß es nicht wirtschaftliche Interessen sind, die die nüchternen Amerikaner veranlassen könnten, ausgerechnet Spanien Anleihen zu geben. Politische und strategische Gesichtspunkte bestimmen den amerikanischen Kurs. Spanien kann einer der wichtigsten Stützpunkte der USA-Streitkräfte in Europa werden. Bereits, der im Jahre 1945 geschlossene spanisch-amerikanische Vertrag gestattet es den amerikanischen Luftstreitkräften nicht nur, die Iberische Halbinsel zu überfliegen, sondern auch auf spanischem Boden Durchgangsstützpunkte für USA-Truppen einzurichten. Amerikanische Fachleute bauten die spanischen Flughäfen aus. Nach Ansicht der Sowjetunion bedeutet dies, daß Spanien neben der Türkei zum zweiten Eckpfeiler jenes USA-Systems geworden sei, das das Mittelmeer zueinem "amerikanischen See" machen wolle.

Die offizielle Haltung der USA gegenüber Franco-Spanien jedoch ist nach wie vor ablehnend. So realistisch man im Weißen Haus denken mag, man hat nicht die Absicht durch einen offenen Pakt mit einem immerhin noch faschistischen Staat die Weltöffentlichkeit zu brüskieren oder sich auch nur über den UNO-Beschluß vom 12. Dezember 1946 hinwegzusetzen, der den Mitgliedsstaaten empfahl, die Chefs ihrer diplomatischen Missionen abzuberufen. Darüber hinaus haben die USA Franco Anfang dieses Jahres in aller Deutlichkeit zu Verstehen gegeben, daß er Konzessionen machen müsse, um wieder offiziell "in Gnaden aufgenommen zu werden". Madrid ist aus dieser Situation heraus zu einem der heikelsten Außenposten des state department geworden. Kein Wunder also, wenn von Paul Culbertson, dem derzeitigen USA-Geschäftsträger, die Rede geht, daß er nicht nur das Vertrauen seines Staatssekretärs, sondern auch ein höheres Salair als mancher wohlbestallte Botschafter besäße. Und seine Verhandlungsweise der "freien Aussprache", die schon manchen Diplomaten der alten Schule schockierte, hat offenbar Erfolg. Ein Jagdausflug nach Südspanien mit General Franco und Außenminister Alberto Martin Artajo bildete Anfang dieses Jahres den Auftakt, Zwei Monate später gab er den spanischen Monarchisten den nicht mißzuverstehenden Wink, den Kronprätendantin Don Juan von der Notwendigkeit zu überzeugen, sich mit Franco zu einigen. London schaut voll Mißbilligung auf dieses amerikanische Treiben in Madrid. Für Labour schien bei einem Wechsel des spanischen Regimes die unmittelbare Beteiligung der spanischen Sozialisten bisher unerläßlich. So mußte denn Culbertson sein Tempo ein" wenig bremsen. Man darf annehmen, daß die jetzt zur Verhandlung stehenden Privatanleihen ein hieraus entspringender Kompromiß sind; ein Ausweg jedoch, mit vielen Vorteilen:

Erstens sowohl für Spanien als auch die USA, da die Verhandlungen nicht den zeitraubenden Weg über den Kongreß nehmen müssen. Zweitens für die USA, deren Regierung durch den privaten Charakter der Transaktionen gegen jede offizielle Kritik gedeckt ist, und drittens endlich für Franco. Denn die von Spanien einzugehenden Bedingungen kann man im Hinblick auf die zu erwartende Höhe der Anleihen und im Vergleich zur Lage der "Marshall-Länder" wohl als gering bezeichnen. C. J.