Geoig Ch istoph Liditenberg aus hessischem PfarthatKi gebürtig, in der aweiten Hälfte des 18, Jafaihundeits Professor der Physik zu GötÄigea ist ir dei deutscher Geistesgeschichte ak in Frondeur auf allen Gebieten bekannt. Seine äRachgelassenen, Aphousmen, seia berühmtestes Werk, greife die Vorw teile und die Üba zugUDgen seiner Zeit schonungslos an. Sie wenden sich SemerfcensweiteiweKe noch schäifer gegen die feu selbstgewisse rationalistische Kultur owi fegen die autkommende Empfindsamkeii als gegen üe ererbten politischen und religiösen Traditionen, v die er nicht in allen Stücken zu opfein gewillt war.

Goethe hat kurzweg diese Lust am Wideispiuch us der durch einen Unfall m der Kindheit enttandenen Verwachsenheit erklärt, an der Lichtenfcerg sein Leben hindurch schwer ttisg. In semer Korrespondenz mit dem beiühmten Geleluten und Schriftsteljer fand Goethe seine dichterischen Äeadwerke und seine natunnissenschaf dienen Versuche nicht genügend anerkannt. Er urteilte och nach Jahtzehnten im Gespräch mit Riemer: lichtenberg war keine konstruktive Natur ei war nur auf Iriedeekung des Mangelhaften gestellt" l Wie dem a<h sei, man wird nicht zuviel behaupten, wenn man Lichtenbeigs übeiall, soweit er sich mit deutsche- Kultwr lind Politik befaSte, durchbrechende Opposition aus seinem Wirken in Götingen kräftig genährt findet. Göttmgen, die J734 gegründete Land suniversität des mit Groftbritantfen in, Personalunion veibundenea KurfüFstentums Ifcimover, wurde im 18. Jahrhundert ein Einfallsw des englfechen Geistes und entwickelte sich ieht ohne Zusammenhang damit zur angesehensten ibotechejn Untverfität Die seinerzeit berühmten wtenger Professoren verschiedener Fachgebieter mit der geistigen Kultror Westeuropas rege FuhJag hielten, sind für das gebildete Publikum voa Beate größtenteils veischolle. Hier möge die Erinnerung genügen, daß der Fiefterr vom Stein so < rie andere Erneuerer des preußischen Staates, wie Mardenberg und Humboldt, öir wichtigste Studienzeit irj Göttingen verbrachten, und zum Tefl nachweislich doit ihie Ideen an dei geschichtlichen und politischen Litetatui Englands entwickelten Wa im frühe 19 Jahihundett einmal der tjan;öische Minister Guizot das Kennzeichen der staatlichen Gesinnung der Angelsachsen nannte die Verbindung de geschieh dich überkommenen und des emuaftg anaßen Rechts der politischen Traditionen mit den politischen Ideen — dies finden wir im IS wie atA noch im 19. Jahihuideij m den Ansichten maachei namhafter Göttinga Gelehrten, deren sprachlich genialer Wortführer Lichtenbeig in den schon bald nach seinem Tode aufsehenerregenden, übrigen spätei auch Nietzscae uad dann noch dea Geoige Kreib sensationell beiiirtreadea Aptoasaisn ist.

Nu: dei polemwche Lessing und, mit einigen Einseht anfangen, der von dichterischia Einfallen übersprudelnde Jean Paul genossen unter den Schriftstellern ~"unserei großen Li teratur Epoche Lichteabergs ausges piochene Sympathie, Sturm und Di äug hingegen Klopstockss und seiner Jünger patriotisches "Odengeschnaube", die leidenschaftMeri empfindsamen Werke des jungen Goethe tiugen m seinen Augen mu dazu bei den Deutschen ia ilmklaiheit und Sentimentalität z bestäken. Lest statt Goethe die Natüiwissensehaftler Haller und Euler, möchte r nach dem Erädfaernen des. Werfcher semea Landsleuten zuuren Zwar teilte er mit Herder mit unseren Siüimern und Drängerndie Liebe zn Shakespeares Dramen deien Auffühitin en er wählend seiner England Aufenthalte unermüdlich besuchte. Audi schätzte er unter den englischen Zeitgenossen nicht nur den ätzend satirischen Hogarßh, sondern auch den ebenso sensiblen wie subtilen Sterne. Aber m "Hamlet" und "Macbetli" wie in Yoricks, Empfindsamer Reise" fand er das Gerüst eines starken Weltrerstäadnisses, um das dann Phantasie, Sinn für das Übersinnliche, Humor und Empfindsamkeit die reichen Bauten ausführten. Diese Grurtdkraft umfassender Weltkenntnis vermißte er allzuoft bei den deutscher Nachahmern. Denn die deutsch Literatur bestand, nach seiöein Urteil iauptsächlick aus Nachahmungen, oder, wie er es treffend wnd höflich ausdtuckte d. Deutsdie lfes£z? ie Kunst, dutdi Nachalunen orgmai ru werdeai, Ick möchte woh! wissen", heißt es schottittgstor ein andennal, wie es um unsei ? deiitscb- Ltfeetätut in mancheh Fachet n stehen wutd£, wentj wir kiioe Enijlandei und Eianzose" gehabt haffeit" r Das Fach aber wakfaes setBii" Ansicht nadi in Deutscliknd vollkotrMveu un arigen lag wai die den Einwifktmgen dwr PoHik m meisten ausgesetzte Wissäen Aaft die Gesdnchtrsadireibung. Et selbst deckt in seuJet Be>aetk uagei übe den Zustand det deutschen Histowographie den Zusammenhang ma den politischen und gesellschaftlichen Veihaltnissen efleigsseh auf & findet bei den deutschen Hstoniera zuttel "Gefälligkeit gegen die Gtofesn die niasfet daB sie das aietste mit einer einschläfernde Unmaftgefehciikeie uad feigen Uaivoigieiflichketr sagen" Vielleicht hätte er dies scharfe Urteil auch angesichts 4ej liteiaiischen Meisterweike Johannes voa Müllers und Leopold Rankes nicht zuruckgenoffimea. In ihii kleinstaatliehen und HeinstadtiäAen AbgesAiedenheit, fahrt Liditenberg fort verloren ich die deutschen Epischer m phjgm ( iscten Darstellungen deren Umfang allzuoft die Wichtigkeit d<& Gegenstande uBeitiafe. Er veinnSc aß Are Bucfaetn die "Selbstveileugnuag Aas Reu !sae eiaer monäte langen Untensudbang m einer Zeile hinzuAeifen" Sehe WH dann weifst wie Ltchtenbeig mit raschen großen Stachen du für den Histoiikei idealen Veihäiraisse stizziest Uawillkurlfdfi seht uns wiedei England vor Auge, wo ja WM die Jahrhundertmitte Humes Englische Geschichte" und Robertsons "Kai l V" europäisches Ansehen errungen hatten: Langet AufenrJialt ift großen Handelsstädten, tticKt weit vos einem Hof odei, noA besser, in eimgef VeTbtodung nut ihm, Aufmeiksamkeit auf die IcicSiseitigen Begebenheiten und ihie Verbindung Lasvng des Tacitus Robertsoa und einiger weirg<"r anderer, Pfiloophie, Naturlehre und Mafaeauhf;, bestäßdife Aufmerksamkeit auf das, woViJti geredec wird, wenn map in Geseflbchaft iit, sied Dsage, die dbeihaipt vieles beitiagen, den jeiffliwiStigesi Msaa zu bilden un 3 hauptsächlich den Ferner ist es ganz wie in Fffedndi des Großea Schrift über die deutecbe Literatur von 1780, der Zustand det deutsche Sprache, oder jedenfalls der n der Wisseasdiatt blichen dealsAea Spraehejder Lichtenberg n der Entstehung lesenswerter Geschichtsweäe fAr die aifiere Zakttnft vejfehi ließ. Obwohl schäfftstellenscli so begabte Außenseiter in dei deutschen Gelehitenrepublik wie Winckelmann und Lessäng unveikennbai eine gioßc prachIidie Kultui ankündigten kannte ei genau wie dei fiankophile Pieußenkonig der deutschen Spiache nech die Fähigkeit ab, zugleich Spiadhe der gebildeten Gesellschaft und wiss enschaftlichei Weifce zu sein Audi hielte sah er dieIrsacfae in dem schon beiuhrten gesellschaftlichen Tatbestand. Der allzu isoliert lebende deutsche Gelehrte bildet sich nui zum Forschet aus und laßt veiknupfende Phantasie, Witz und Ausdiuckskiaft frn seiner Studietstube verkümmern; er bleibt alle in allem weit entfernt von dem Ideal des Historikers der kuiz, bundig und mit männlichem Einst die Begebenheiten eizähJt und ohnfe zu predigen. Anmerkongen einstieut aus den£n man Predigten madieri könnte". III.

Dem Zustand Deutschland entsprechend, 3k es bloß dem Namen nach ein Deutsches ReiA, in Wirklichkeit nur Osterreich, Pieußen und eine Unzahl von Kleinstaaten gab, berührt Lichtenberg kaum jemals Fragendei deutschen Politik. Um so schäifer beobachtet er de Zustand der zwischenstaatlich! Beziehungen Europas. Er spricht sich darüber mit einem illusionslosen Realismus aus der heute gewiß seine Rechtfei %ung fände, in Wahrheit abei sich jedem klardenkenden Bewohner unseres Erdteils von jefeer aufdrängte: Ei glaubt sich "auf eine kleine Insel versetzt, u der je<d einzelne Haus mit scharf geladenen Gewehten gespickt ist and wo man Tag und Nacht Wache halten muß 1, Man sieht hieraus", fügt ,ichtenberg, det für seine Peison inimei an Bibel und Christentum festhielt, im Hinblick auf die europäischen Souveräne und ihte Minister hinzu., wie wenig Einfluß, die Religion auf Menschen ausübt, die keine udischen Gesetze über sieb zu furchten haben!" , Die innetpohtischen Verhältnisse der ineisten. Staaten beuiterit er, soweit er sie der Beachtung jfui wert hält, kaum günstiger. Nur Engknd macht auch in dieser Hinsicht eine glückliche Ausnahme. ,Der einzelne Mensch", schreibt er u) dei ih immer belebenden Eiännening an mehrjährig Aufenthalte, "wild dort viel mehr gewürdigt ak nter unseren Soldaten Regierungen Sem poti"tisches Ideal Ist offensichtlich nicht dei kontinentale Mihtärstaat, sondern der frühkapitalistisch Handelsstaat, wie r ihn bei de seefahenden Holländern uad Biiten, ianehali? Deutschlands nwr tat dem damals noch seinen blühenden AwBerahsndäf genießenden Hamburg kennenlernte Hier findet et Regsamkeit and Spannktaft veibuadea mit Freiheit und Zufriedenheit wählend ihm Weichlichkeit und Indolenz als Kennzeichen des Bürgers in dea absoluten Monarchie! scheinen Obwohl er England" hauptsächlich in- den siebziger Jahren sein Jahihundetfes besuchte, elche mit dem Aufstand der notdameiikanischen Kolonien eitle schwere Kuse für das Inselreich vorbereitetea, lirt sein Zutiauen zur englischen Sache nicht. Es war vor allem die Unbefangenheit f Schälfe, mit der diese große Fiage ira Pailaineat umkämpft wurde, die seiae Bewunderung nar eribohte. Bisweilen ?ar er stwadesilang stenend ohne ich zn rüfaen, Zuhörer w Westminster, wo ja damals veran lwartung$bewußte wahrhaft staatsmannische- Beredsamkeft ihie giößtea Triumphe feierte.

Infolge seinei innerea Veibondenheit mit E? laads Sdiidksal wusden dann di Ereignisse der Fianzösischen Revofetson vzu einem von Lictitenbesg mit feidenschäft1ichr Anteilnahme verfolgte Diairia, Er ei lebte ihren Verlauf fast bis zu dein Zeitpunkt da Napoleon sich Frankreichs durch Staateticich bemächtigte Über die Anfänge der großen Umwälzung, ub r Jlte mitreißenden uad echieckenei regenden luaeipoiitischen Geschehniss hatte ei sich gewiß n>cht unbeteiligt aber voiwteitelos Äsgesprodiej Er war nach 1789 weder eia Enthusiast dei re> olutionaren Ideen noch, oacl ier Himichiung Ludwig XVI, ein Eiferer gegen die Kcmigsmoidej wie so viele deutsche Dichter und "Schi iftsteller. Inie sen ideologischen "Swerf ließ er sich nicht tief em r bewies aber sein überlegeaen Blick, indem ei achon bald die außenpolitischen Konsequenzen der französischen Umwälzung bloßlegte. Was ihn zunehmend beunruhigte, war die milftaitgche Ausdehnung Eiank reidbs, duich die es daiuni schon fnihzeitig gam Europa für gefaiirdet attiah, weäl rei das letzte Ziel dieser Expansion besotgten Herzens erkannte, nämlich die Abschaüning de Korltineats von den britischen Inseln oder, wie er es noch kurzer teStas den Stutiz von England! Ei beschloß seine Tage i Ausblick auf den langjährigen Machtkampf, des ganz Deutschland unter die Herrschaft des korsischen Despoten beugen sollte — wie er noch unmittelbar vor seinem Tode dflSt ei andeutend prophezeite. Sein Wunsch diese Zeilen nicht mehr za erleben, ging in Erfüllung er starb mft 56 Jahrea am 24. Febiuar