Der Prozeß, tt dem Sokrates atttio 39 ver Christi Geburt turn Todi durät 4at $cklerlmg$be<:her verurteilt wurde, soll revidiert werden )edmf(äls hat ein junger italenisdter Jurist, wie aus Palermo gemeläet wird, eine Doktomrbtit ewgertidtt, die darlegt, laß selbst df dem damaigeH Redttsstattd der große Wdse Athens 4em Justizmord zw Opfer gefalle sei. Amerika isranfftan von diesem Versuch eiaer Revision, tmd ei#f USA Diplomat hat dem jige Italiener die Mögli&ktit einer Reise Kadt Athen gegeben. Sokrates tet aktuell Er ist ei, wie Paul Fester sagt, ans vielerlei Gründen Zurück — das ist im algeoieinea ein unbeliebter Begriff. Vorwärts heißt das stolze Wort; "zurück" Tiecht vor allem iheute nach Reaiktion, Aber manchmal Jcommt man selbst um odiose Tejrmini nicht herum — und dann kann man sich ia diesem Fall auf einen Eideshelfer jberiifen, der sicherlich nicht im Verdacht steht, ein Reaktionär zu sein, auf George Bernard Shaw. Zurück z Sokrates — das klingt beinahe wie Back to Methusalah und soli auch etwas Ähnliches sein: ein Vorschlag, Besinnung auf etwas Sinnvolles, Notwendiges nur daß dies, im Gegensatz zu Shaws herrlichem EinfaB von der Unerläßliehkeit des Älterwerdens der" 5 Menschen mit etwas Überlegung sogar zu verwirklichen wäre.

Zurückzu Sokrates? Wer war er denn, abgeschert davon, daßr derSohn einer Hebamme and der Mann der braven Xanthippe war, deren angebliche Bösartigkeit seinen Rtdnn erheblich überflügelt? Er war ein Philosoph in Athen zur Zeit etwa des Perikles de sä etwas wie ein grie- chischer Stresemann war, Was hatjer an W, gken , hinterlassen? Nichts. Und doch ein Philosoph? Und doch bejrühmt über die Jahrtausende — und. sogar ein Vorbild noch für uns? ~ > Sokrates ist einer der seltenen Fälle in der geistigen Geschichte der Menschheit, die eine direkte Wirkung der indirekten vorzogen. Er wollte — ei #ehr lebendige Geist — unmittelbar wirkender machte dazu nicht den Umweg über Papier oder Pergament, er schrieb- nicht, sondern er begnügte sich mit dem Gespräch, vor aüem mit jungen Menschen. Er lehrte sie nicht Philosophie, sondern brachte ihnen das Philosophieren bei. Das Bücherschreiben und den AuSbau großer Systeme überließ et aridem, vor allen seinem gelefarten SchülerJPlaton, der seine wirklichen")oder erfundenen Gespräche mit seinen Freunden auf, zeichnete und daraus seine- Djaloge dichtete, die ihn und Sokrates in gleicher Weise über die Jahrtausendei berühmt gemacht haben.

, Was aber ist an dieser sbkratischen Methode so vorbildlich, daß man heute noch den- Ruf anstimmen darf: Zurück zu Sokrates? Was unterscheidet ihn von seinem antiken Kollegen Prota- goras (dessen Bücher auf dem Scheiterhaufen endeten, obwohl es in Athen noch kein "Drittes Reich" gaib), von Anaxagoras, der die Vernunft erfand, von Aristoteles, dem Hauslehrer des Knaben Alexander von Mazedonien, der nachher mit seinen Büchern das christliche. Mittelalter be, rterrschte und der Großvater der Scholastik wurde? Es ist, auf die knappe und für ohl heute entscheidenden Formel gebracht, eben die Tatsache, daß er seinen jungen Freunden, nicht so senr Kenntnisse übermittelte, als vielmehr etwas unmittelbar Lebendiges in ihnen entwickelte. Mit einem Wort: das er das tat, was wir heute atidk tun müßten.

Philosophie geholt zu den ältesten menschlicher Betätigungen und zu den, unvermeidlichen. Hieist die Welt, und hier ist der Mensch, der" — den meisten Fällen wenigistens — sich, dädurd vom aftiwüt unterscheidet, daß er die Gabe de Denkens "mitbekam. Wer also mit der Welt fertif werden will, kann das nur auf dem Weg über das Denken, selbst wenn er to im übrigeil nur miseinen Fäusten und ähnlichen Werkzeugen ent gegentritt. So Tigern er es- aus natürlicher Faulheit odjär natürlicher Zähigkeit seines, Gehirnt auch £un mag, er muß denken; es hilft iban"mertts Denn Philosophieren ist ein allgemeines mensch licb es Schidcsal, Das, aber hatte Sokrates, weil ei ein kluger und nicht ä>10jß ein gelehrter Mann war, igriffen — und darum ist er noch heute ein Vorbild für ns, um das wir nicht herumkommen. Denn das ist das Merkwürdige an diesem Mann, da0 er aus bloßer Einsicht etwas rat und vorwegnahm, was für uns heute nicht nur aus Einsicht, sondern aus der Not einer Situation iunver meidbar geworden ist. Um die Lehrmethode seiner Berafegrenossen, der- Sophisten, zu verhöhnen, die ihren Schülern nur Gelehrsamkeit übermittelten, behauptete Sokrates von sich selber, e wjsse nichts (und bewies damit die Bafemglosigkeit des bloßen Wissens), Er hatte es dabei gut; er brauchte nur auf, das Wissen von ein paar Jahrhunderten ztJ verzichten, auf die~ Gelemsamkeit der Versbkrattker, die Hermann. Die 1s für uns wieder aus Zitaten anderer wie aus Mosatiksfseinchen zusammengesetzt hat. Wie afcer ist unsere Situation? Hinter uns liegen, außer "Jen VorsokratikeYri, mehr als zwei Jahrta usend "menschlichen Denken, menschlicher Philosophie und menschlicher Wissen schaft. Was sollen wir davon "m die bedauernswerten Gehirrte der fachgeborenen füllen? Sakrates brauchte öodh nicht einmal Platö nd Aristoteles zu berücksichtigen; die kämen erst nach; für ihn begann die Welt mit Thaies und hörte mit den Sophisten auf. Was, her müßten wir alles weiterreidhen? Sehen wir ab von Antike und Mittelalter, obwohl von Augustin bis zum Thomas von Aguino einiges, nicht Unbeträchtliche auch da z finden ist halten ir uns mir an unsere geliebte Neuzeit. Von Descartes geht der Weg über Spinoza und Leitniz, Locke und Hunte, Kant und Hegel zo Schopenhauer itmd Nietzsche, Bergson und Russell, Heidegger und Watson, zu. Mill und Spencer; Comte und. Taine, z u Herbart, Lotzie, Eduard von Hartmann, Husserl tim nur wahllos ein paar Beispiele herauszugreifen. Das 19. Jahrh<andert erfand den schönen Glauben, man lerne "Philosophie jim besten über die Geschichte der Philosophie: 4 soll man den unseligen jungen Menschen, die keine Philosophen werden, aber lernen möchten, was menschliches Denken heißt und ist, diesen Wnsfvon, Systemen aus allen möglichen, einander widerstreitenden Perspektiven der Wfcltbetracfateng beitsrtegen? Soll man ihnen damit den letzten Rest von AnreiTÜm Geist und seinem Man soll es aicht! Matt soll sich klarmachen: auf die bisherige Weis der ?BildaÄg- rtrit Äefmittlung historischen Wissens gellt es übenhaupt nicht mehj; die Massen sind auf allen Gebieten zu groß geworden tind werde von Jahrzehnt zu Jahrzehnt größer. Hier heißt es aufhören, Schluß machen tmd für- Ersatz sorgen. Bis man sich darüber klar gewofden ist, welchen "Höhenweg ober die entscheidenden Gipfel der Geist selbst ge noinmen hat und bis eine solche Auswahl dar wirklich historisch bestimmenden Hauptpunkte und ihrer Träger in neuen knappen Geschidhtigestahungen festgelegt äst Wenn das geschehen ist, kauft manauch wieder Wissen von der Philosophie und dem geistigen Weg der Menschheit weitergeben; bis dahin, aber lehre man die Jungen nicht Philosophie, sondern Philosophieren. Zurück zu Sokrates. Es ist der einzige Ausweg, der uns WeifetMan könnte nun fragen: Warum Oberhaupt 1 Philosophie, wo es so viel anderes, Wichtigeres gibt, das auch nichr mehr zu übersehen und zu bewältigen ist? Genügt nicht etwa Physik allein, die von der klassischen Mechanik te zur Kernphysik auch niemand mehr ganz bewältigen kann? Es wäre schön? wenn sie allein genügte, aber" sie tut es nicht; gerade die Physik erfordert heute neben dem Physikalischen eine ungeheure Summe vonnicht nur physiücalisdleim Denken. Man lese Weizsäckers ausgezeichnetes Weltbild der Physik; man, l?se Heiscnberg. Dann bekommt ifian eine Ahnung von der unerläßlixhenNotwendigkeit des DeraKess des Philosophierens gerade bei den modernen, Naturwissenschaften. Es hilft nichts: es gibt nur Deinen Ausweg: Zurück zu Sokrates! Von der Philosophie, z Pnibsophietefi, Vöfei bloßen Lernen zum Denken, ganz gleich auf welche Gebiet.

jTie bildliche Darstellung de Menschenanjfesidits ~ in der Gegenwart ist fragwürdig geworden. Was auch dazu geführt haben mag, unter anderem etwa, die Erfindung der Pjhotograpliie, die damit verbundene Begnügsamkeit und die Sosialisiening desPorträts, oder der Einfluß der abstrakten Kunst, oder aber der Kollektivismus: die Krise besteht. Pie kultische Bedeutung, die dem Imago bei den Römern innewohnte, der Büdzaaiber, wie er sich in dem i efftgiiVerbrennen oder dem DuTchbohten eines Portrlts in der Herzgegend, womit man den! Lebenden Schaden zuzufügen meinte, ausdrückte, ist nicht wehr lebendig. Das Bildnis setzt die Anerkennung des Individuums voraus", die Seele also. Ich sehe im Niedergang der Porträtkunst eine menschliche Verfallserscheinung. Um so erfreulicher ist es darum, das "Männliche Bildnis" von Hans Wimmer z betrachten, eine seiner letzten Arbeiten, ija der ich zugleich der Stil seiner reifen Kunst recht eigentümlich offenbart. Wimmer stammt aus Niederbayern, hat in München bei Bernhard Bleeker studiert, war in Psris (Maillol, Despiau) und in Italien, and fast, scheint mirr kann Juan diesen Kunst- und Lebenslaujf an dieser Büste ablesen oder ijacEweisep: täurischund- gelöhrtehaft, Kopf tmd Schädel in inera übrigens von frappanter, doch eben alles andereals photographischer Ähnlichkeit? Das Porträt ist zugleich das AMjild des Geiste®, der Beschäftigung- mit der Antike; die <fes" Antlitz, geprägt haben, vom Modell her wie vor Bildhauer in glücklichstem Vereis. Es besitzt alles, was man vom Porträtverlangen muß, weil es ein Denkmal der Erinnerung an eine unverwechselbare indivictuellfc Persönlichkeit ist ad iht Daaer verleiht, Ernst Perraoldt Daämlidi %&t das rvlpderne ariider Methode des Sokrätes, :dafi" er ; sich YifgöieitoefJungen Menschea itetirge Bdein;, Thema nahm, üncf dteera Stückchen LebeflÄus sich denkend hiriein boKr te in die: :Bereiche geistS:ge ::pe ia!spgj ftich t nut; diesser- Frage, sondern des f anzen prc%leirM VEi lehrte >die Jungen nicht, was Ernpediskles odejr Ätjaximander von der x: Welt gedacht htref Jelir te sifeilliei ihnerian ÄrinxieriefiÄrtetsg blemenbei. Er machte ihnen; die große Welt von Ihrer, igeniMeinen; Welt ,a :: >dÜrehi<4;ti4 ur d machte damit durcfeichäg, auch Ihre Seelen und: Geister Er hatte die ;&agw :üridifkeit :le;r: 0 Be- hauptuog = : "Wissen ist ;fächt", durchschäiit jEr hatte erkannt, daß- der Satz riehtif läuten röüBte: Denken ist. Macht hitosi&phieren lernt man eben nicht an der, PhilosoiÄie; sohdern — so; paradox das klingen mag ~ am eigenen Tun: aÄ eägetoen Lebe. Es h<jßt ; vorfl Gegebefleri des scheinbar so sicheren Tages: ausgehend hinabs teigpn, immer tiefer, imjrter weiter ins Unfcetretenej es heißt ; Erweiferuinl; der Welt ihis zu ihren wirklichen Abgrüaden und GFundlagea. Die siftd auch nicht bleiibend; schon die nächete GenerMöii steigt weiter, tiefe grüadHicher hinat; das; ist ihre Sache; ::Worawf eis arikomrn isf> daß leder im Gespräch, ; ttn Detfen fe &m:WeseritiicheTi hinab:: st&itisbfe"idaihi woVTan- ;uii4iSeät::die l(eßtn : "VÖÄ < ; iLeSens?.

1;::<Wurzeln haben. Dann wird nätnlichi dieses Sein und Tun ständig vom tragenden Boden dieser letzten Wurzstla aus gespeist bekommt von ihnen aus Kräfte und WirkuBg&möglkhkeiten, tmd das Philosophieren wird Lebensfaktor, und zwar nicht nwr ein theoretischer, sondern einer, der dch bedeutsam in jedgr PtfaxiwBWwirJg , Ohne Denken, ohne Philosophieren, aucn wenn man es, tni&frauisch gegen, die Welt des Abstrakten, gane anders nennt, komarf ke iae wesentliche Leistung zustande, nicht einmal eine Atombombe. Es hilft nichts: j mehr wir unser Leben in diesem Sinn erweitern und austiatien, desto stärker werden wir in unserem Sein und unserem Tun, desto weiter reicht unsere Kraft. Der beste Führer dazu aber ist der Gatte Xanthippens und darum jst der Ruf: Zurück zu Sokrates! heute mehr als eine müssige Denkspielerei. Wenn wir, ffim folgen, werden wir auf alkn möglichen Gebietenvon der Bildung " der er wieder auf die leicEt geknickten Beine helfen kann, bis zur realen Praxis seiae Fruchtbarkeit und isenaen tiefen Gegenwartssian erkennen — also daß wirdem schreibfaulen Lehret des scrtreibsdigen Platon ruhig inen Sirenplatz in der Reihe, unserer großen Uimerzieher" zugestehen können — dicht neben Berrtard Snäwuad neben dem Madell einer kleinen hübscrien Atombombe. Die dürfen wir nämlich, auch nicht ver