Die Reihe der gegenwärtigen Erzählungen setzt die "Zeit" mit der von wahrhaft blutigem Humor getragenen Novelle von Beheim-Schwarzbach fort. Der 1900 in London geborene Autor lebte bis 1939 in Hamburg und kehrte nach Kriegsende wieder dorthin zurück, wo er seine einst beim Insel-Verlag, Leipzig, begonnene schriftstellerische Arbeit wiederaufnahm. Der Hans-Dulk-Verlag. Hamburg, veröffentlichte von ihm u. a. die Gedichtsammlung "Die Krypta" sowie die Prosa-Arbeiten "Von den Büchern", "Vom leibhaftigen Schmerz", "Das Buch vom Schadt" und "Der Unheilige, oder die diebischen Freuden des Herrn von Bißwange-Haschczeck".

Es sprach der Mörder Jaromir, als er hinausgeführt werden sollte, seine schwarze Seele am Galgen auszuhauchen, oder genau genommen nicht auszuhauchen, denn von Aushauchen kann am Galgen die Rede nicht sein, sondern hinunterzuschlucken – er sprach: "Ihr sollt mir noch nichts tun, nicht heute, denn ich habe, noch Wichtiges zu melden."

Sprach der Henker, der es nicht abwarten konnte, dem Manne den Strick umzulegen: "Was du schon noch zu melden hast, Mörder Jaromir, sich besser zu, daß du gut aufs Paradies vorbereitet bist, allda kannst du nach Herzenslust Leute umlegen, nun mach!"

Und er griff den Unlustiger bei der Hand; der aber kicherte Und sagte: "Laß deinen dummen Strick noch beiseite und spitz die Ohren. Ich habe noch etliche mehr umgelegt als das Gericht sich träumen läßt"

"Das Gericht läßt sich von Haus aus gar nichts träumen", entgegnete der Henker verdrießlich, "sondern arbeitet mit nackten Tatsachen."

"Nackte Tatsache ist", sagte Jaromir, "der nackte Mann, den ich im finstern Tann am Kolk erschlug. Für diesen Mord heisch ich Söhne. Er hatte die Kleider abgetan, um zu baden, und wurde so zu einer nackten Tatsache, seine Geldtasche stak im Rock, und ich benutzte, als er triefend aus dem Wasser kam, eine Stahlrute, die von einem Drahtgitter stammte und die ich. nachdem sie des Nackten Gerade, brach, als flöge sie von-selbst, in den Kolk warf. Man führe mich an den Tatort, und ich will es alles dartun. Wie jeden rechten: Täter, so treibt" auch mich an den Tatort zurück. Ich verlangedie Rechtsfindung."

Da war nichts zu machen, das Geständnis mußteans Gericht weitergehen, das samt Beisitzern, Sachverständigen, Schreibern, Ankläger, Advokat, Rich-" ter und Gerichtsdiener zusammentrat und den Fall untersuchte. Was der Mörder Jaromir ausgesagt hatte, stimmte aufs Haar, nur die Stahlrute konnte man nicht nachweisen, da sie tief im Kolk lag. aber der Mord war wirklich geschehen da und da und dann und dann, vor einem Jahr> ganz wie Jaromir es beschrieb, und Jaromir rief: "Ich heische meinen Spruch!"