Die ‚,Hamburger Kunsthalle" zeigt in ihrergegenwärtigen Ausstellung Neuerwerbungen, die ihr seit 1946 durch Schenkungen und durch Ankäufe aus privaten und staatlichen Mitteln beschafft werden konnten. Damit Unternahm Carl Georg Heise, der Direktor der Kunsthalle, den Versuch, jene Lücke zu schließen, die in den Sammlungen seit 1933 durch die Fortnahme von als "entartet" beschimpften Kunstwerken entstandenist – 84 Gemälde und 1400 graphische Blätter. Unter den damals am heftigsten befehdeten Malern befand sich Emil Nolde, dessen Triptychon "Maria Aegyptiaca" zu den Neuerwerbungen zählt. Der Künstler gibt diesen 1912 gemalten Bildern in seinem 1934 im Rembrandt-Verlag, Berlin, erschienenen Buche "Jahre der Kämpfe" folgende Deutung:

"Auf die Worte hörend: ‚Nehmt meinen Leib, und macht Euch mit dem bezahlt, – ‚Ich betete’ zur Mutter Gottes mit großem Ernst, ‚Da grub der Löwe das Grab mit seinen Tatzen, hatte ich diese drei Bäder der altchristlichen Legende gemalt. Es war damals mein Wunsch, daß dies dreiteilige Werk der ,Maria -Aegyp-, tiaca‘ in der Hamburger Kunsthalle seinen Platz finden solle, es aber kam anders. Die Bilder gingen zu einer Ausstellung nach Wiesbaden, wo ein kunstinteressierter Sammler sie sah und entrüstet schimpfend von der Ausstellung auf die Straße hinauslief. in seinem Zorn einen Freund treffend. Komm mit, du sollst sehen, was man an Kunst sich erdreistet, uns zu bieten.‘ – Vor dem Bild stehend war der Freund entsetzt. Der Sammler jedoch wurde stiller und still, bis er schließlich vor dem Bilde stehend sich selbst überraschte, indem er versuchte, den Schönheitswert des Bildes den staunenden Beschauern zu erklären. – Er ging nun täglich hin, es anschauend, bis schließlich die Ausstellungsleitung mir schrieb, ich müsse ihm das Bild käuflich geben, sie könnten sein Drängen nicht länger ertragen – –".