- Von Marion Gräfin Dönhoff f n Lake Success und in Jerusalem werden angstvoll i die Wochen gezählt, die noch bis zum 15. Mai, der endgültigen Niederlegung des britischen Mandafcs, verbleiben. In unerbittlichem Gleichmaß verrinnen derweil die Tage, dort mit fruchtlosen Verhandlungen und hier in der Ausweglosigkeit voa wachsendem Terror und steigender Erbitterung, Selbst für unsere krisengewohnte Welt ist dkTatsache, daß eine" offenbar unvermeidliche Katastrophe kalendermäßig feststeht und; man den endgültigen Zusammenbruch gewissermaßen mit der Stoppuhr in der Hand erwartet, etwas Ungewöhnliches. Und doch ist es vielleicht ein Sinnbild der Zeit, daß die Mensehensich nicht mehr als bewußt handelnde Akteure empfinden, die Sinn und Irrsinn, Nutzen und Schaden gegeneinander abwägen und die Zukunft gestalten, sondern vielmehr als integraler Bestandteil einer Naturkatastrophe, die unaufhaltsam sich vollzieht ; Die Juden und die Araber sind sich zweifellos darüber im klaren, daß der offene Bürgerkrieg um Palästina, der langwierig und unglaublich grausam wäre, das von beiden gleichermaßen begehrt Objekt, vollständig zerstören würde. Für alk jene Juden, die seit Jahrzehnten an der wirtschaftlichen Entwicklung Palästinas geaiibeitefhabea, dis dort ein Geschäft, eine Firma t ein verantwortungsvolles Amt oder einen Beruf ausüben, würde es di Vernichtung ihrer Existenz und alles Geschaffenen bedeuten. Für die Araber Talästinas gilt da gleiche, und die Regierungen der übrigen arabischen, Länder, müßten sich eigentlich darüber im klaren sein, daß eis Krieg um Palästina audb in ihren eigenen Staaten nicht ohne gewisse Rückwirkungen bleiben kann. Es ist ein naheliefender Gedanke, daß die unter nationalen Deyisea zum Krieg aufgepeitschten Massen, sich unter Umständen gegen ihre herrschende Oberschicht wenden werden, wenn im Verlauf eines langen Kriege die ökonomischen Verhältnisse sich unvermeidbar verschlechtern. Denn eine wirtschaftliche Weiterentwicklung der arabischen Länder ist ohne ausländisches Kapital gar nicht denkbar; Saudi Arabien und Irak sind, bereits unter den derzeitigen Umr ständen in ihrem Staatsbudget weitgehend von Einnahmenaus den ameri: mischen Ölkonzessionea abhängig Umgekehrt ist Amerika, vor allem in Zakuaft, auf die Ölvorräte des Nahen Ostens angewiesen. Aileip im Marsfeai Plaii ;t eine Summe von 600 Millionen Dollar für ihre Erschließung vorgesehen. Der Rückschlag der amerikanischen Paliistinapolitik hat sich im übrigen schon bei den Wahlen im Staat New York, wo sie von den jüdischen Wählern bestimmt werden, gezeigt Man kann sagendaß dort die gemeinsame Front von Henry Wällace und dea Zibnistenführern mi der. Devise Tromaa Ist der "neue Neville Chamiberlatoi" den Demokraten bereits eine Wahlniederlag zugefügt hat, ; Die Entwicklung, die die Dinge in Palästina nehmen; gereichen also allen. Beteiligten zont Sehaden und auch die UNO, die zur Rettungder" Situation eingeschaltet wurde, ist auf dem besten Weg, Einfluß und Ansehen dabei aufs Spiel z setzen. Schon heute könnte ein Zyniker sagen, daß der Sicherheitsrat der UNO, der von. der, Palästina Untensuchungskommisision- angerufen Worden ist, weil der Frieden bedroht erscheint, eigentlich zu dem Schluß kommen müßte, daß eine ernsthafte Bedrohung des Friedlos jedenfalls dana eintritt, wenn die von der UNO Generalversammlung empfohlene Teilung dörchgeführt würde. Ia Amerika, das vor vier Monaten den Teilungsplan gegen alle Bsdeakea der britischen Regierung mit großer Verve verfochten hat, würde man heut gern wieder von dieser Stellungnahme abrückenj aber, eo sagt das State Department, einen solchen. Prestigeverlust kann weder, die UsA Regterunf noch die UNO auf sich nehmen, während der Kriegsminister Forrestal der Meinung ist, man müsse alles in Kaaf nehmen- wenn es gilt, da arabische Öl za retten, Wir haben im vergangenen- Jahr den Rückzug der englischen Verwaltung aus Burma nd au Indien erlebt, aber; in beiden Fällen waren im Land selbst Gremien gebildet worden, die seit langem darauf warteten, die Regierung" zu ttberaehimen. In Palästina soll die provisorische; Rechtsnachfolgeriri der Mandatemaeht die Palästina KommJsion sein, die von der UNO eingesetzt worden ist um die Teilung durchzuführen, die beiden neues Staaten zu errichten und sie gegeneinander abzugrenzenAber heute, acht Wochen tor dem Stichdatum, steht noch immer nicht fest, ob di Kommission überhaupt nach Palästina geheri wird, und sicher ist nur, daß, wenn sie es tut, sie dort keinerlei Autorität genießen wird, ja, der arabisch Teil der Bevölkerung ist entschlossen, sie in jeder Weise ?u boykottieren. Wenn die englische Verwaltung am 15. Mai ihre Tätigkeit einstellt und das Land verläßt, entsteht also ein vollkommene Vaktnint. Es gibt dann niemand, derdie Regierung. ausübt, der Verkehr, Post und Lebensmittelyeraorgung regelt. Verwaltung, Finanzierung und die milijärische Verteidigung des Landes bleiben dem Zufall örtlicher Machtverhältnis überlassen Wobei esdurchaus sein kann, daß sich in einzelnen, rein jüdischen oder rein arabischen Siedlungsgebieten, gewisse lokale Selbstverwal tungeh bilde. Im ganzen aber wird, wenn die Verhältnässe sich riieht ändern, eine einstweilen noch unvorstellbar Anarchie herrschen. Gleich im ersten Akt werde eich vermutlich die Gefängnisse öffnen und all kriminellen und terroristischen Seinente, die von der englischen Regierung zu langjährigen Strafen verurteilt waren, den Schauplatz beherrschen und das Tempo der Radikalisierung bestimmen. Di Reste der britischen Besatzung sind dann, wi Minister Creedi Jones den Unterhaus in der großen Palistina Debatte erklärt hat, bis zu ihrer endgültigen Verschiff!!:, di etwa am 1. August vollzogen sein soll, nur noch für ihren eigenen Schutz verantwortlich und befinden sich im übrigem in der Rolle ,einer bewaffneten Macht im fremden Land".

Bis vor kurzem waren sich alle, mittelbar und unmittelbar Beteiligten wenigstens, in einem Punkt einig, näadich darin, daß inan alles vermeiden