Von Paul Appel

Rente Sintenis feiert am 20. März ihren sechzigsten Geburtstag.

Der Sintenisschen Kunst ein Fürsprecher zu sein, ist nicht mehr nötig. hat sich, ruhig wachsend wie ein Keim, selber ihr unverwechselbares Gesicht gegeben und wird verstanden, wo Menschen Menschen sind und sich bereitfinden, als willige Geschöpfe am Gut des Lebens teilzunehmen. Renée Sintenis hat den Menschen beider Hemisphären, dem die nunmehr jährige Leistung der Bildhauerin bekannt ist, unendlich beschenkt, mehr als er wissen oder ahnen kann. Sie hat ihn beglückt mit Grazie, Anmut Andacht und tiefsinnigstem Tiefsinn sie hat ihn, den Schwerblütigen, in sich selbst Vergrabenen und Gespaltenen, unwiderstehlich zum Leben verlockt und hat dem Leben das Lob gesungen mit allen zarten und starken Kräften ihrer schönen und mutigen Kunst. Und noch mehr hat Renée Sintenis getan: sie hat der Selbstvergötzung des modernen Menschen, seiner brutalen oder auch müden Egozentrik die Lebenseinfalt und Ungebrochenheit ihrer Geschöpfe entgegengesetzt, in voller Willentlichkeit, und sie war so spontan und stark darin, daß sie den mächtigen Widerstreit zwischen Natur und Geist nicht zu dulden vermochte und in ihrem Werk nur jene überbrückende Erkenntnis gelten ließ, daß Mensch und Tier, und wenn sie gattungsmäßig in noch so elementarer Unterschiedlichkeit – getrennt bleiben müssen, als Geschöpfe auf gleicher Ebene stehen und nichts sind als eben Geschöpfe.