Von Hanns Braun

Vor kurzem ging eine Meldung durch die Zeitungen, die Göttinger Universität sei von Bayern aus aufgefordert worden, die nichtbayrischen Studierenden an den Philosophisch-Theologischen Hochschulen in Bayern aufzunehmen Es würden keine nicktbayrischen Studenten mehr dort immatrikuliert werden und die gegenwärtig – dort Studierenden würden nach zwei Semestern von den bayrischen Hochschulen entfernt werden. Diese Meldung erregte begreiflicherweise einiges Aufsehen. Aber, obwohl wir Anlaß haben, im heutigen Bayern manches Unmögliche für möglich zu hatten, verhalten sich im vorliegenden Fall die Dinge doch etwas anders, und es liegt im Interesse der Wahrheit, die sachlichen Gründe jener Maßnahme aufzuhellen. –

Der Fernenwohnende wird gebeten, die bayrischen philosophisch-theologischen Hochschulen nicht als Anhängsel der Universitäten zu betrachten. Es gab sie – neben den Universitäten München, Würzburg, Erlangen – schon vor 1933; entsprechend der kirchenfeindlichen Politik des Nationalsozialismus wurden sie allmählich abgebaut und 1939 gänzlich geschlossen. 1945 wurden sie, mit Erlaubnis der amerikanischen Militärregierung, wieder eröffnet, die staatlichen in Bamberg, Preising. Dillingen, Passau, Regensburg die bischöfliche in Eichstätt. Daß sie vorübergehend stärker in Erscheinung traten, lag und liegt noch immer an der Übertraten, derbayrischen Universitäten selbst. Man hat da – das verdient hervorgehoben zu werden – ungeachtet der Gebäude- und Materialzerstörungen und trotz der Dezimierung der akademischen Lehrkörper im damaligen bayrischen Kultusministerium nicht seine Zuflucht zum numerus clausus nehmen mögen, sondern sich, beinahe schon bis über die Grenze des Erträglichen, beholfen. Eine derBehelfsmaßnahmen bestand darin, daß – man auch andern als Theologiestudierenden die Möglichkeit einräumte, vorerst (gedacht war an die ersten zwei Semester) an den genannten Hochschulen zu studieren, bis wieder mehr Platz an den Universitäten sein würde. –

Die Hoffnung darauf hat, entsprechend der ausbleibenden Normalisierung unseres Lebens, getrogen: weder ließi-der Zustrom zu den Universitäten nach, noch konnte der im ganzen doch nicht befriedigende Behelfszustand an jenen sechs "Ausweichuniversitäten" zur Dauereinrichtung erhoben werdend Wenn der derzeitige bayrische. Kultus-, minister, Dr. Hundhammer; sich entschlossen hat, die erforderliche Rückführung der philosophischtheologischen Hochschulen, den Stand vor 1933 jetzt schon, für das Sommersemester 1948, einzuleiten, dann kann er, neben den sachlichen Gesichtspunkten, sich auf die Weisung der Militärregierung berufen, die den Abbau jener zusätzlichen Studienmöglichkeiten fordert. Dementsprechend werden keine Naturwissenschaftler mehr neuzugelassen, und Mediziner nur mehr in Regensburg, das insoweit als Außenstelle der medizinischen Fakultät München fungiert. Juristen und Naturwissenschaftler, die bereite zwei philosophischtheologische Hochschul-Semester hinter sich haben, werden nach Bamberg, die entsprechenden Medizin- und Philosophiestudierenden nach Regensburg verwiesen, und zwar mit der Einschränkung: "soweit es sich um Bayern oder ordnungsgemäß erstmalig nach Bayern eingewiesene Flüchtlinge handelte

Für die Nichtbayern ergibt sich eine neue Sachlage aus dem Umstand, daß nichtbayrische Hochschulen und Länder (laut Mitteilung des bayrischen – Kultusministeriums) Semester und Prüfungen an den bayrischen philosophisch-theologischen Hochschulen teilweise, nicht angerechnet haben. Um einerseits diese Studierenden vor Schaden zu bewahren, andererseits zu verhindern, daß sie nolens volens nach Abschluß ihrer Studien in Bayern verbleiben, verlangt das Kultusministerium von allen Neuzugelassenen eine schriftliche Bestätigung ihrer Heimatregierung oder Heimathochschule, daß ihnen das Studium an den Hochschulen voll angerechnet und daß sie nach zwei Semestern an die Heimathochschule übernommen werden. Entsprechendes wird von denen verlangt, die bereits eingeschrieben sind: Anrechnung des Sommersemesters und Übernahme auf die Heimathochschule für 1948/49. länger als zwei Semester kann, von den oben genannten Ausnahmen für Bamberg oder Regensburg abgesehen, überhaupt niemand mehr an den philosophisch-theologischen Hochschulen studieren, er. sei denn Theologe. Ausnahmen bedürfen der Genehmigung des Kultusministeriums.

Angesichts dieser nicht angenehmen, aber nicht unbegründetem und auch nicht ganz freiwilligen Reduktionen an den genannten Hochschulen darf darauf verwiesen werden, daß an den bayrischen Universitäten die Aufnahmen nach einem Punktsystem erfolgen, das sich auf sozialen und Leistungs-Gesichtspunkten aufbaut. Eine Bevorzugung der Landeskinder, wie sie den Tendenzen des derzeitigen Kultusministers zweifellos entsprache, hat, bislang wenigstens, nicht stattgefunden.