Ich Bin hier, um Arten über die kritische Lage In Europa zu Berichten und Ihnen zu empfehlen, Tatbereitschaft in Erwägung zu ziehen", mit diesen Worten begann Präsident Truman seine große Rede vor dem Kongreß und mit ihnen ist auch das Thema der Ansprache genau umrissen. Wer erwartet hatte, daß der amerikanische Präsident die Worte aussprechen werde: Bis hierher; und nicht weiter, so wie Chamberlain – dies nach der Besetzung der Tschechoslowakei durch Hitler getan hat. der sah sich enttäuscht. Truman hat peinlich vermieden, die amerikanische Politik in ihren genauen Grenzen und Zielen festzulegen. Dies istihm in der eigenen Presse zum Teil als Schwäche vorgeworfen worden.

Uns scheint es fraglich, ob solche Urteile richtig sind. Hätte der Präsident wirklich eine Grenze gezogen, über die hinaus die USA ein russisches Vorgehen nicht mehr dulden würden, dann hätte er damit zugleich die-bisherigen Unterdrückungen freier Völker zwar nicht gebilligt, aber doch anerkannt. Es wäre wohl ein. Automatismus entstanden. der schnell und ohne Abwägung der Umständezum Kriege führen muß, sobald die festgelegten Grenzen im geringsten verletzt werden, die amerikanische Außenpolitik aber wäre damit starr geworden und jeder Freiheit eigener Aktivität beraubt. Man hat bereits bei Hitler gesehen, daß solche festen Formeln eine angriffslüsterne Diktatur nicht beeindrucken und auf ihrem Wege nicht aufzuhalten vermögen. Will man dies erreichen, so gibt es nur eins, man muß handeln, und um handeln zu können, muß. man bereit sein, "Bereit sein ist alles", dies ist der Satz, den Präsident Truman zwar nicht wörtlich ausgesprochen hat, deraber den Inhalt seiner Redebildet, bereit, nicht automatisch in einem Moment losschlagen zu: müssen. den der Gegner bestimmt, sondern bereit, die ganze russische Unterdrückungspolitik nicht anzuerkennen und ihr an dem Orte und zu dem Zeitpunkt zu begegnen, den die Vereinigten Staaten, für richtig halten.

– Für diejenigen Länder, die an den Grenzen Sowjetrußlands liegen, könnte auch ein angekündigter automatisch einsetzender Kriegseintritt Amerikas keinen Schutz gegen einen sowjetrussischen Angriff bieten. Daß der Westen morsch sei, war nicht nur eine feste Überzeugung Hitlers, es ist dies in noch höherem Maße der Glaube, des russischen Politbüros, ein Glaube, der nicht nur aus der vermeintlichen Überlegenheit jeder Diktatur über dieDemokratie entspringt, sondern der alte russische Tradition ist seit den Tagen Iwans des Schrecklichen. Er wird noch genährt durch die ergebenen Meldungen und Berichte kommunistischer Funktionäre an die Kominform und die Parteizentrale in Moskau, Berichte, die die eigenen Leistungen rühmen und die ihrer Gegner verkleinern. zweiten man hinzu, daß, wie die Erfahrung des zweiten Weltkrieges gezeigt hat, die Anfangserfolge, die der überlegene Angreifer in einem Feldzug dank der modernenWaffen erringen kann; groß und verlockend sind, so wird man begreifen. daß automatisch einsetzende Kriegserklärungen- auf Sowjetrußland einen großen Eindruck nicht machen können, solange es selber den Zeitpunkt bestimmen kann, zu dem sie eintreten.

So ist es denn viel wichtiger, daß der amerikanische Präsident grundsätzlich den Willen der USA bekundet hat, den freiheitliebenden Nationen in ihrem Kampf, gegen sowjetrussische Gewaltpolitik zu helfen – und zwar in jeder Weise. Für eine solche amerikanische Politik die Fundamente zu legen, also erst einmal den Unterbau zu schaffen, auf dem das spätere Gebäudeerrichtet werden kann, das ist in der Tat der Sinn der drei Forderungen, die Truman dem Kongreß vorgelegt hat.

"Erstens", so sagte er, empfehle ich, daß der Kongreß eiligst das Gesetz über das Europa-Hilfsprogramm verabschieden möge" Das ist eine wirtschaftliche Hilfe, die die ökonomische Struktur der westeuropäischen Länder weitgehend verändern und ihrer Bevölkerung den Glauben an einen baldigen Wiederaufbau und an eine Besserung der Lebensverhältnisse geben wird. Es ist dies zugleich eine aktive Strategie gegen die zersetzende Tätigkeitder Kommunistischen Partei, die auf Moskauer Befehl alles tut, um eine Konsolidierung der Wirtschaftim Westen zu verhindern.

"Zweitens", 60 sagte der Präsident, "empfehle ich die sofortige Einführung der allgemeinen Dienstpflicht. Truman begründete dies damit, daß die USA stark genug bleiben müßten, um die bedrohten Länder Europas zu unterstützen, die durch kommunistische . Herrschaft (control) und Polizeistaatsformen bedroht sind, solange wenigstens, bis diese Länder selber imstande seien, sich aus eigener Kraft zu schützen. Gerade hier. ist es besonders wichtig, daß keine starren automatisch wirkenden Formen die Initiative der USA-Außenpolitik einengen. Jedes freie, Land, so darf man aus den Äußerungen des amerikanischen Präsidenten folgern, kann bereits amerikanische Hilfe anfordern, sobald es fürchten muß, daß durch kommunistische –Maßnahmen seine Verfassung gefährdet sei.

"Drittens empfehle ich", sofuhr der Präsident fort, "die zeitweise Wiedereinführung des Aushebungsgesetze, damit unsere bewaffneten Kräfte ihre festgelegte Sollstärke aufrechterhalten können." Das könnte, man, wenn man will, als eine Teilmobilmachung bezeichnen, diesolange anhalten, soll, bis auf Grund der allgemeinen Dienstpflicht genügend ausgebildete Rekruten zur Verfügung stehen. "Wir können", so begründete Truman diese Forderung, "unseren internationalen Verpflichtungen nicht nachkommen, wenn wir nicht die volle Stärke unserer Streitkräfte aufrechterhalten. Es ist zum Beispiel von lebenswichtiger Bedeutung, daß wir unsere Besatzungstruppen in Deutschland belassen, bis der Friede in Europa gesichert ist." Dies ist das einzige Mal, daß Deutschland in Trumans Rede erwähnt wurde, es ließe sich denken, daß auch eine deutsche Regierung einmal die Vereinigten Staaten um Schutz bitten könnte, wenn sie fürchten muß, daß die Freiheit in Deutschland von kommunistischer Seite bedroht wird.