Von Walter Henkels

Welches Menschenherz mochte nicht höher schlagen, nun, da der holde Lenz seinen Einzug hält welches? Versteht man nicht gut, wenn Ludwig Uhland sang: "Die Welt. wird schöner mit jedem Tag, man weiß nicht, was noch werden mag! ...?" Oder wenn Johann Wolfgang von Goethe von des Frühlings holden, belebenden Blick sprach? Diese unsterblichen Lieder werden ewig Gültigkeit besitzen.

Nun lockt es den Menschen hinaus. Freundliche Wolken wandern über den blauen Himmelsplan. Viele Gedanken wandern mit ihnen, und das Herz hängt, sich voll Sehnsucht daran. In leuchtender Helle steht das Land. Licht ist alles rundum Sonnenkringel necken den Wanderer, Eine grüne Wiese breitet sich aus. Hier und da lugen schon Blümlein aus dem Grün; Küchenschelle, Wiesen-Schaumkraut und viele, viele Gänseblümchen! Selig taumelt ein Zitronenfalter dahin, O ja, selig

Links läuft die Wiese an eine Feldflur, welche am – Rande, wie gewöhnlich bei Feldhölzern, mancherlei Laubbäume in sich faßt. Auch über sie ist zartes Grün gezogen. Nur die Eiche, der echteste deutsche, Baum, steht noch kahl und unberührt, ein Bild der Beharrlichkeit und der Erwartung. Die Bäume, welche zur Rechten den Feldweg einfassen, haben an der Spitze der höchsten Wipfel ebenfalls lichtes Grün-aufgesetzt, wie hingetupft sieht es aus. Doch nein, das Geäst ist in partes Gelb gehüllt. Ein Vöglein schlüpft durch dasselbe. Erschreckt sucht ein Häslein das Weite. Eine. Lerche jubiliert über der Frühlingsflur, und wir müssen an Nikolaus Lenaus Gedicht denken: ,,An ihren bunten Liedern klettert die Lerche selig in die Luft." Auch dieses wird ewig Gültigkeit besitzen.

Wir möchten die Erde, auf der das Auge der Frühlingssonne ruht, umarmen. Unser Herz schwillt, es wird weit und groß, und alles Ungemach, aller Gram und aller Kummer wollen weit, weit entfliehen. Und mit der Lerche möchten auch wir singen: "Frühling, ja, du bists! Dich hab’ ich vernommen!" (Mörike, Eduard.)

Links grast eine Kuh. Am Busen der Natur. Jetzt hebt sie ihre guten, großen, runden, weiten, treuen, sanftmütigen Kuhaugen. Jetzt schaut sie herüber, macht ihr Maul auf und brüllt, gleich; dröhnendem Feldgeschrei: Uuuoh, uuoh!

Und das mit Recht.