Zwei Osterbetracktmgen: In der einen gibt der Göttinger Theologe Harn Iwand dem Mysterium der Auferstehung eine weltoftetse Sinudeutungsdie andere ist die des Weltmannes und wissensAafdiAeu Sdtrift stellers Herbert J"ritsdte, den seine Überlegungen 2den Urquellen atl$t religiöse ifoetzeugungen jWfre. rer Osterbericht des MatthäusiEvaageliums be- ginnt mit den Worten: ""Sie kamen, das Grab zu besuchen" und endet mif dem Befehl des Aufer- standenen; "Fürchtet eiich" nicht". In der Mitte steht das entscheidende Wort: "Er ist nicht hier, er ist auferstanden Dabei erbebt, die Erde, als sollte damit angedeutet werden, daß nur von den. Grenzen des Bestehenden her diese Botschaft vernommen werden könne, mw um den Preis, daß der Standpunkt, den wir einnehme, ins Wanken gerät, daß wir den fasten Boden unter den Füßen verlieren. Auferstehung heißt ja wohl, daß sich die Immanenz, die In sicfa Gesdilossenheit der Welt, in der wir leben, es sich gefallen lassen muß, in Frage gestellt zu werden. Freilich, e£ ist dies ein gottbewegtes, befreiendes Beben. Doch sollte das Beben, von dem heute die Menschen hi- und hergeworfen werdet, von dem"wir in unseren Ängsten träumen x das unsere Politiker so unsicher macht — sollte dies sehi reale und sehr profane, aber auch sehr fichidksakträihtige Beben der Weithin der wir leben, auch etwas zu tun haben mit jenem ejstep und entediei- denden Stoß, den die sogenannte Wirklichkeit am Ostermorgen emp$ngt Es könnte ja auch dies gegenwärtige Beben der Welt diese Erschütterung der raumzeitflichen Geschlossenheit uikerer Existenz, awei Seiten haben: ein dunkle und eine helle, eine satanische und eine göttliche, eine verzweiflungsund ine ho Fmingv oHe Könnte es, nicht sein, daß wir alk der Ostenbotschaft näher sind als wir es selbst für möglich halten? , , Der Träger der Botschaft von der Aufejsjehnng ist ein Engel im weißen Kleid, Und s heißt im, Tex von diesem iEngeh "Sei Aussehen war wie ein Blitz " Und auch dies wieder ist eine sinnetthaft spnbolische Abbreviatur, die uns daran "gemahnen; könnte, daß es hier ein weaig exzeptio, neuer- zugegangen ist, als man das gemeinhin nach unseren Kommentaren und üblichen Auslegungen anzunehmen pflegfc. Gemeint ist, daß hier das erste Leuchten, jenes Blitzes spürbar wurde, von e Jesus> eirimal sagt, er Werde dereinst über der Welt dahinzucken "vom Auf gang bis ziMn Niedergang". Einmal wiM Dunkel und. Finsternis nicht mehr das Lebensekiherit sein", in dem sich" die Mens chen verstecken können. Einmal wird es Von Gott her hin- einleuchten in alle Winkel und in alle Tiefen, Ein- mal wird Offenbarung der. Inbegriff aller Existenz sein, der göttlichen nacht minder ab der menschlichen. Und Von jenem erstem Aufflamlnea des Lichtes her, wie es am Ostermorgendie Frauen umfing, die zum Grabe gingen, haben die MensÄen, die davon erwachten, begriffen, daß die Nacht im" , Weichen und der Tag im Kommen sei, " Wie ein Triümphatorsdtzt der Engel, diese Epiphanie der göttlichen Macht, auf dem umgeworfe- nen- Stein, der eben noch das- Grabmal verdeckte. "Kommet, sehet die Stätte, da er gelegen hat " . "Aufgefahren gen Himmel" — ja, wenn wir wieder begreifen, könnten, was das bedeutet, darin würden wir wissen, was die ChristetAdt damit bdkennt: daß das Leben, wnser menschlich kostbares Leben, weiter reicht als bis zum Tode, daß es aufgenom " men, geborgeiv geredbtfertigt ist- i der Auferstehung Jesu Christi, daß es" nur ak himmlisches, , als todüberlegenes Leben gelebt weiden katm, wenn Anders dieser inadäquate Ausdruckhiep noch angewaiK werden darf. Das heißt Auferstehung. Sehr früh schon haben die Berichte über die Aufverstehung des Herrn versucht, diese selbst darzustellen, das sdble&thin Ünansdiauliche anschaulich zu machen, das grunl:ätzlidh UnobjeRtivierbare (Gott ist nie. Objekt) zu objektivieren. Sie haben "versucht, da Ereignis der Auferstehung zu schildern, als wäre es ein historisches Ereignis- w e andere Ereignisse aus der Vergangenheit der Menschheit. Aber mit der Schilderung des Erdbebens äd des offenen Grabes sollte nicht die Auferstehung selbst veranschaulicht werden; denn "Christus ist durch das beschlossene- Grab und ohn alle Verletzung der Siegelso an da® Grab gedrückt, "herdurch kommen", wie Luther sagte. Daher waren einige alte Maler "hoch theologisch gut beraten, wenn sie den Auferstandenen über dem geschlossenen Gfab emporfahren ließen — obschon es immer fraglich bleibt, ob man den Auferstandenen anders malen kann als ihn Rembrandt in der EmmausSzene geraalt hat.

Weil nämlich das Ereignis der Auferstehung das schlechthin uhanschauliche, das grundsätzlich unobjektivierbare, ganz und gar göttliche Ereignis mitten in dieser unserer. Weltseif ist, darum wirkt di§ Botschaft von Anbeginn scheidend und unterscheidend in der Menschenwelt. Die Grabeswärter wurden afe wären sie tot ihnen ist wirklich diese Sache ein"Geruch des Todes zum Tode", wie es mit unübertrefflicher Prägnanz einmal beim Apostel Paulus heißt); die Frauen aber hörten die Botschaft und wurden über diese Kunde die ersten Evartgelistinnen. Sie nahmen diese Botschaft wie einen Feuerbrand aus der Hand des Himmelsboten und trugen sie iri großer Furcht und Freude in die hinter verschlossenen Türen versammelte Jungergemeinde. Von nun ab hat die Aufers tehungsbotchaft als eine geheime, grundsätzlich revolutionäre, dem Erdbeben und dem Blitz vergleichbar Kunde die Weltgeschichte- durchzogen. Aber es blieb die Divergenz zwischen Auge und, Ohr, zwischen Sehen und Glauben, zwischen dem, was ist, und dem, was kommt. Und noch ist der Tag nacht da da ihn "aie sehen werden, ätsch die, die ihn serstodten haben". So spannt sich die Auferstehung vie ein Bogen, ein Friedens und Jiegesbogen, über <iem Dasei der Welt. Sie ist der neue Horizont, ton dem wir herkomme undauf den wir zugehen. Noch aber sind wir damit nicht eigentlich andie Botschaft selbst herangekommen, dk hier empfangen wird. Man wind ftj nicht isolieren können, licht umprägen können in eine Alferweltsweisheitnan wird ihren Botschaftscharakter nicht zerstören dürfen, — Sie ist von Anbeginn an bestimmte Mensdten gerichtet x Hier an die beiden Frauen, die lamen "Jesum, den Gekreuzigten zu suchen". Es sind Frauen, dig Jeswm kannten — Maria von Magcala die eine, Mawa die Mutter eines sonst nicht hervortretenden Jüngers, die andere. Sie haben mft tner dem Kreuz gestanden. Sie haben, gesehen, vie Gott verlor und die Welt siegte. Was aber ist aller Atheismus der Heiden gegenüber dem Gang dieser beiden Frauen zum Grabe. Jesu! Wenj Gott rie begegnet ist, dem kaim man ihn auch nicht totschlagen. Wenn die Heiderr sagen: "Es gibt leinen Gott", dann scheiden sie damit nur diese frage grundsätzlich urnd von vornherein aus aus den Daseinsfragenr überhaupt. Und ihre Weisheit itt ein leerer Satz, bei dem in dr Voraussetzung bereits die Behauptung steckt. Wer ihn "glaubt", erliegt einer Gedankenlosigkeit. So lebt der Wurm, dar jenseits der LichJwelt vegetiert. Aber hier, bei dsn Frauen am Grabe, Jjegegnen wir MensühenT die einmal vor denn Ereignis de offenen Himmels gestanden, die einmal begriffen haben, daß das Gottesreich nah? und daß Gott kein leerer Name sei, daß die Welt wieder Are Mitte habe, eine Mitte, von der nun wirklich echte Herrschaft ausstrahlte, eine neue Gerechtigkeit, fben dahinein, in diese Mitte, traf der Schlag, der mit dem Tode des Jesus von Nazareth beabsichtigt war. Es war der Sieg jener Mächte, die dekretiert hatten, daß Gott hier unten nichts mehr zu suchen habs Merk- > würdig, wer sich diesen Mächten alles zur Verfügung stellte, Juden und" Römer, Kaiphas und Damals ist die Situationunter der;die Frauen ihren Gang zum Grabe ihres Glaubens und ihrer Hoffnung antraten. Und doch begann jener Morgen, der zum Weltenmorgen werden sollte. Nein, der Stein, den die Gewalthaber versiegelt hatten, war nicht der Schlußstein dieser Geschichte geworden. Die Geschichte des Jesus von Nazareth, begann eigentlich erst, jetzt. Erst von diesem Puitktjenseits des Todes her wird er fortan die Seinen dirigieren; jetzt wird sich die Sache sehr bald umkehren, die Richter von gestern werden — diesem einen gegenje n Jesus geglaubt iaben, werden sich frage, wie sie je dazu kamen, es für möglich zu halten, daß der Tod ihn bezwingen konnte. Der Tote lebt, und iin Grabe liegt nun der Tod selber — wie die Kampflied der Mönche vo S <5a llen sang: "Mitten wir im Leben sind von dem Tod umfangen" und "Die Schrift hat verkündet das, wie ein Tod den ändern fraß", So feabea die Frauen etwas an diesem Gfabeelernt, was man an keinem anderen Ort lernea kann: sie haben den Zweifel gelernt, den Osterzweifel, der an allem zweifeln läßt" an dem Tod und dem Triumph der Mächte, die ihren Herrn ins Grab legten, an dem Soseän dieser Welt, Ihrer Nadtt und Sünde, ihrer in sich geschlossenen Endhcbifceif jtßl aäeaf ttU£;aa einem nichtdigen Gottes mitten unter Ans.

Es war in der Dahlemer Gemeinde Martin Niemöllers. Niemoller war der Gemeinde genommen. Ein junger P?4ig r sprach über dk Osterbofsdbaft, & sagte: ,Vor einigen Tagen hörte ich in einem Vortrag über die geistige Situation der Zeit ein Wort, auf dem Grande alle> heutigenWertansdäauungen läge die Überzeugung: Lasset uns essen und tririken, denn morgen sind wir tot. Das also ist das Dogma des heutigen Menschen, daß alles andere unsicher sei, aber der Tod gewifk Doch dieses Dogma muß nun angezweifelt werden. EinOsfcerzweifel muß in das- Herz kommen, ein fröhlicher und respektloser Osterzweifel gegenüber der Herr- schaft des Todes, auf Erden, gegeoäber der. Hoff- nungslosigkeit unseres Lebens, der Unabänderlichkeit des Weltlaufs, den harten Gesetzen des Vergehens, der Sinnlosigkeit des, Leklens der ÜberlegeMTieit der Macht über da Recht, der Unterworfenheit der Wahrheit weiter die Lüge. Ein fröhlicher Zweifel nicht aus einer optimistischen Welt anschauung, die, ohnehin rasch erschüttert ist, sondern ein Zweifel von Gott, von der Osterwirklkhkeit her " (Gollwitzer: "Jesu Tod- und AufAuch heute, in dieser Nadht, da hinter dem Kreuz die 4nkle, "böse, wie eine riesige Spinne alles in ihr Netz hineinziehende Welt der Mächte Unct Gewalten Äffcucfeet, inaüÄ giftigen Färben schillernd, die Menschen faszinierend und vergiftend, sitzt der Engel in seinem reinen Kleid und Gesicht schaue: Fürchtet euch Mcht nicht wahr. Wahr ist allein, daß Jesus lebt. Wahr isf, daß dk GescfaHhte des- Jesws von- Nazareth weitergeht, so wie sie begonnen hat: mGaliläa und von Galiläaaiis Wahr ist, daß es von nun an Photo: Krff heißen darf: Tarnen vicisti, GMaeel 11k Es ist alles