Als 36 Nationen vor kurzem den Weizenvertragin Washington unterzeichneten, begann damit, der bedeutendste Versuch, einen der großen internationalenRohstoffmärkte zu ordnen. Die drei beteiligten Überschußländer die USA, Kanada und Australien und die 33 Zuschußländer einigten sich schließlich auf eine fünfjährige gegenseitige Garantie: die Exportländer versprachen jährlich insgesamt 13,7 Mill. t zu einem Höchstpreis von 2 $ je Bushel zu liefern, auch wenn der Weltmarktpreis diese Grenze überschreitet und die Importeure sagten für dieselbe Menge einen Mindestpreis zu, der von 1,50 $ im ersten auf 1,10 $ im fünften Jahr fällt.

Diese einfache und praktische Lösung entspricht den Interessen beider Seiten: die Konsumenten wissen, daß sie den größten Teil ihrer Einfuhren nur mit höchstens 2 $ bezehlen werden, obwohl die Notierungen an den amerikanischen Börsen zurZeit bei etwa 2,50 liegen und Argentinien 4 bis fast 6 $ je Bushel verlangt und auch bekommen hat. Und vorläufig ist noch nicht zu übersehen, wann und wie stark die Preise zurückgehen werden. Nach dem Preissturz im den USA von 3,15 Ende Januar auf 2,40 $ im Februar sind sie jetzt schon wiedeer auf 2,60 $ und darüber gestiegen. Von einem späteren Preisfall würden die Konsumenten jedoch 60 lange profitieren, bis die vereinbarte Untergrenze erreicht ist. Die Produzenten andererseits erhalten für einen sehr erheblichen Teil ihrer Ausfuhrüberschüsse Sicherheit vor katastrophalen Preiseinbrüchen, die die Notierungen zum Beispiel 1933 und 1938 auf 45 Cents drückten.

Da der Vertrag weder die gesamten Ausfuhrüberschüsse der der beteiligten Exportländer noch die gesamten notwendigen Einfuhren der Importländer umfaßt und sich außerdem Argentinien, Rußland, Rumänien und Ungarn nicht angeschlossen haben, ist die Gefahr einer monopolistischen Preistreiberei durch etwaige Kartellbildung der Erzeuger ausgeschlossen. Nur ungefähr die Hälfte der Menge, die dieses Jahr auf den Weltmarkt kommen wird, fällt unter das Abkommen. Beschränkungen des Anbaus oder Exportes, wie sie 1933 zwischen Argentinien, Australien, Kanada und den USA beschlossen unddann nur teilweise eingehalten wurden, sind jetzt nicht beabsichtigt. Auch ist nicht mehr, wie bei den ergebnislosen Verhandlungen von 1939,die Rede davon, daß die Einfuhrländer ihre Weizenzölle oder die Subventionen an die inländischen Weizenerzeuger senken sollen. Der von Sir Boyd Orr wieder aufgenommene Keynes’sche Gedanke, Puffervorräte aufzubauen; ist ebenfalls fallen gelassen worden. Das gleiche ist von dem Vorschlag der vorjährigen, wieder ergebnislosen Londoner Weizenkonferenz zu melden, unabsetzbare Weltmarktüberschüsse verbilligt an notleidende Nationen zu verkaufen. – Alle diese Gedanken gingen von dem Problem des Überschusses aus. Er sollte beseitigt und dadurch die Preise wieder auf einen erträglichen Stand gehoben werden.

Der gegenwärtige Vertrag will jedoch etwas ganz anderes: eine Risikobegrenzung, einen Ausgleich zwischen den gegenwärtigen hohen und den für später erwarteten niedrigen Preisen. Das Problem eines möglichen künftigen Überschusses wird durch den neuen Vertrag nicht gelöst. Deswegen ist auch nicht zu erwarten, daß er verlängert werden wird, wenn der Markt in fünf Jahren wieder im Zeichen des Absatzmangels steht.

Von den Lieferungen des jetzt geschlossenen Abkommens hat Kanada mit 6.3 Mill. t den größten Teil übernommen. Die Vereinigten Staaten stehen mit 5 Mill. t erst an zweiter Stelle, obwohl sie in diesem Jahr fast 14 Mill. t ausführen und damit allein ungefähr die Hälfte des gesamten Weltmarktaufkommens bestreiten werden. Australien hat sich zur Lieferung von 2,3 Mill. t verpflichtet. – Unter den Einfuhrländern steht Großbritannien an weitaus erster Stelle. Seine Quote erreicht fast 5 Mill. t. Mit großem Abstand folgen. Italien und Frankreich mit je etwa 1 Mill. t; die restlichen 6,6 Mill. t verteilen sich auf die übrigen 30 Teilnehmer.

H. F. W.