Junge Schriftsteller stellen sich vor

"Jedes neueBuch sollte für den Kritiker ein Abenteuer sein." (W. S. Maugham.)

Ein Dichterabend der "Worpsweder"im Bremer Künstlertheater vor stark interessiertem Publikum (sogar die Ostzone hatte Verlags-Vertreter mit fertigen Verträgen geschickt) war leider nur ein literarischer Ausflug. Nichts, was das erwartungsvolle Parkett erregt hätte; nichts, wodurch sich der Kreis der Worpsweder "Insel"-Tradition vom Schaffen des literarischen Durchschnitts abgehoben hätte. Wilhelm Scharrelmann natürlichWaldemer Augustiny und Manfred Hausmann, diese lange schon mit Recht Verehrten, spendeten Trost der Dichtung,der aus der Fülle des Ewigmenschlichen hervorbricht. Die Jungen aber –Alfred Dreyer, der kürzlich vom Berliner Herbig-Verlag als "Objektivist" genannt wurde, Hedwig Rohde, deren Prosa auf James Joyce zurückgeht, Anke Ehlers, dem Impressionismus verwandt, und Walter Vix, der sich noch nicht zu eigener Form durchgerungen hat – sie alle stehen anstandslos in unserer Gegenwart, ohne Kraft, sie zu überwinden.

Doch noch sträuben wir uns, am heutigen Worpswede vorüberzugehen ... hoch klingt in den Werken der Älteren der zarte Volksliedton, die neue Melodie, Doch der Rhythmus, in dem die Jüngeren schaffen, wird nicht mehr von der unergründlich geheimmisvollen Landschaft getragen. Die Klänge Rilkes – Symphonien des Sinnenhaften und des Göttlichen – die sind verklungen. Was bleibt ist letztlich Wahltradition isolierter Begabungen... Wann werden sie uns Entscheidendes sagen können? Kurt Reuter