Deutschland ist noch immer von tödlichen Sperren umgeben. Unter den Versuchen, sie zu durchbrechen und die internationalen Beziehungen wiederherzustellen, nimmt die in Köln anläßlich der Frühjahrsmesse herbeigeführte Aussprache zwischen Vertretern der Beneluxstaaten und der westdeutschen Wirtschaft einen ersten Platz ein. "Der Kaufmann geht voraus." Das war das Motto des Gedankenaustausches, der sich im freundschaftlichen Geist, vollzog und die Gewißheit stärkte, daß die einzelnen Länder sich nicht nur von den USA helfen lassen wollen, sondern auch beabsichtigen, sich im Sinne des Marshall-Plans gegenseitig beizustehen und dabei neue Wege zu beschreiten.

Der Vorsitzende der Handelskammer Rotterdam, Dr. van den Mandele, der Präsident der Handelskammer Antwerpen, Osterrieth, und der Generaldirektor der Stadtverwaltung Antwerpen, Oscar Leemans, erklärten, daß man den Schwierigkeiten der heutigen verworrenen Lage durch vertrauensvolle Zusammenarbeit entgegenwirken könne. Dabei verschwiegen die ausländischen Vertreter nicht, daß die Bildung von Wirtschaftsmissionen und anderen Organisationen Zeit erfordert. Immerhin habe das Beispiel der Beneluxstaaten schon heute vieles erreicht, ja, schließlich die USA bestärkt, ihre Hilfe für Europa zu beschleunigen. Übernatürliche Organisationen von Kaufleuten, Industriellen und Schiffahrtskreisen, wie sie schon gebildet oder geplant sind, müßten den staatlichen Annäherungen Hilfsdienste leisten. Die westeuropäischen Industriezweige bildeten nun einmal einen einzigen großen Wirtschaftsraum und müßten sich gegenseitig unterstützen, um die Produktion zu erhöhen und den Warenaustausch zu fördern. Daher wurde der bedanke eines westeuropäischen Zollvereins befürwortet.

Diese wenigen Hinweise auf die weltoffenen und wirklichkeitsnahen Gedanken der westeuropäischen Gäste, die "die Vergangenheit nicht fortwährend wie eine unheilbare Krankheit mit sich herumschleppen wollen", deuten die großen Umrisse der Pläne an, deren Verwirklichung schon begonnen hat. Die Kaufleute sind gewohnt, nach dem von einem ausländischen Gast zitierten Goethe-Wort zu handeln: "Der Worte sind genug gewechselt, nun laßt uns endlich Taten sehen!" Sch.