Die Kölner Frühjahrsmesse ist in eingefahrenen Gleisen gelaufen. Die Veredelungs- und Kompensationsgeschäfte überwogen wie bisher und nur einzelne Erzeugnisse konnten ohne Abgabe von Rohmaterial geliefert werden. Obgleich man die Zahl der "Seh-Leute" verringert hat, sind nicht mehr Geschäfte zustande gekommen als im Herbst. Die Spannung zwischen Ost und West machte sich auch hier bemerkbar und ebenso ließ sich in Voraussicht der Währungsreform eine gewisse Zurückhaltung mancher Aussteller erkennen. Der Marshall-Plan wirkte sich noch nicht aus, wenn auch allgemein eine etwas zuversichtlichere Stimmung als bisher auf der Messe erkennbar war. Zu umfangreichen Abschlüssen kam es bei Schmuck, Leder und Pelzen; auch die Hersteller von Parfümerien, chemisch-pharmazeutischen und kosmetischen Artikeln sowie von modischen Kleinigkeiten konnten zufrieden-sein. Die Nachfrage nach Textilien konnte jedoch nur insoweit befriedigt werden, als Bergmannspunkte zur Verfügung standen. Es ist ein Zeichen der Zeit, daß die Unterbringung der "gewöhnlichen" Punkte bereits Schwierigkeiten machte.

Für Köln waren wieder einmal die Kollektivausstellungen aus dem Osten charakteristisch. Die "Sonderschau Thüringen" gab eine viel beachtete Übersicht über die Spezialitäten des Landes. Die Waren sind ab Lager lieferbar. Voraussetzung ist aber einmal mehr die Kompensation, so daß es zu größeren Abschlüssen nicht kommen konnte. Der Osten bemüht sich, den Handel mit Westdeutschland zu intensivieren. Hierzu will man in Celle, München und Duisburg Auslieferungslager einrichten. Wie sich dieser Versuch, zu einem schnelleren Warenaustausch zu kommen, in der Praxis entwickeln wird, bleibt abzuwarten. Aber alle, diese Versuche, die Verbindungen zu erhalten und zu stärken, sind jedenfalls, der Unterstützung wert.

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Auch auf der Messe für Haus- und Wohnbedarf (25. bis 28. April), dem zweiten Teil der Kölner Frühjahrsmesse, war ebenso wie vorher auf der Textilmesse eine größere Reichhaltigkeit und eine bessere Qualität festzustellen. Über die Uneinheitlichkeit der Bewirtschaftungsbestimmungen in den verschiedenen Zonen und Ländern – trotz der schon lange bestehenden wirtschaftlichen Vereinigung der beiden Westzonen – wurde wegen der damit verbundenen Erschwerung des Geschäfts Klage geführt. Eine starke Lockerung der Bewirtschaftung und eine allgemeine Einführung des durchlaufenden Bezugsrechts sähe man gern.

Die Herde- und Ofenindustrie, die immer in Köln besonders vertreten ist, zeigte neben den Einheitserzeugnissen gewisse Neuerungen und Fabrikate im friedensmäßiger Ausführung. Das Geschäft hielt sich hier wie in allen bewirtschafteten Waren in dem üblichen Rahmen des Kontingent-, Punkt- und Bezugsmarkensystems. Die von der Möbelindustrie ausgestellten Exportmodelle waren auch für das Inland lieferbar, wenn das Material gestellt werden konnte. Angebote in Importwaren wurden nur gegen Exportbonus abgegeben. In allen nichtbewirtschafteten Artikeln (zum Beispiel Beleuchtungskörper, Spielwaren, Kunstgewerbe) war das Geschäft lebhaft, wobei, wie auch sonst, Kompensationen aller Art, eine Rolle spielten.

Die Sonderschau "Thüringen" konnte interzonale Kompensationsgeschäfte im Werte von etwa 350 000 RM abschließen. Mit ausländischen Interessenten aus der Schweiz, den Beneluxstaaten und England wurden Geschäfte angebahnt. Das sächsische Industriekontor wird auf der nächsten Kölner Messe mit einer Sonderschau vertreten sein. Auch die niederländische Handelskammer für Deutschland die ebenso wie die belgische Wirtschaftsmission für Nordrhein-Westfalen zum ersten Male nach dem Kriege auf der Messe vertreten war, will eine Beteiligung der holländischen Wirtschaft an der Herbstmesse vorbereiten.

Die Kölner Frühjahrsmesse wurde insgesamt von 85 000 Interessenten (im Herbst 60 000) besucht; die meisten Aussteller haben ihre Beteiligung an der für die zweite Septemberhälfte vorgesehenen Herbstmesse, zum Teil mit dem Wunsche nach einem größeren Ausstellungsplatz, angemeldet. In diesen Tatsachen kommt die Zufriedenheit mit dem Verlauf der Messe, die auch organisatorische Fortschritte gemacht hat, zum Ausdruck, verbunden mit der Hoffnung, daß mit einer allmählichen Normalisierung des Wirtschaftslebens auch die Messe ihre Funktionen im nationalen und internationalen Rahmen wieder voll erfüllen kann. Die Kölner Messe, deren Zukunft, wie Oberdirektor Dr. Pünder sagte, als gesichert gelten kann, muß um den weiteren Aufbau und Ausbau der noch zerstörten Ausstellungsräume bemüht sein und würde, es begrüßen? wenn die Regierung von Nordrhein-Westfalen sie im Interesse der Wirtschaft dabei unterstützte.