Mitte April hat im Ruhrrevier der Warenverkauf auf Importwaren-Kauf-Marken (IKM) begonnen. Die Buntheit und Vielfältigkeit der Berechtigungsscheine ist dadurch um einen weiteren Typ vermehrt worden. Neben dem im Januar verkündeten Punktsystem für die Bergarbeiter, das heute noch gilt, umfaßte der Anspornplan drei Phasen, nämlich: die zusätzliche Verteilung von Lebensmitteln, worunter auch die drei Care-Paket-Aktionen fallen (Phase I), volle Auslieferung der auf Karten zustehenden Lebensmittel (Phase II) und zusätzliche Lieferung von Lebensmitteln und Gebrauchsgütern, die für einen Teil des Exporterlöses im Ausland erworben und den Bergarbeitern auf IK-Marken verkauft werden (Phase III). Außerdem wurden 40 Millionen Zigaretten an die Bergleute ausgegeben, als die Tagesförderung (vorübergehend) 300 000 t erreichte, Die Phase III, also die Gewährung eines Export-Bonus, ist seit 1. Januar in Kraft und jetzt wirksam geworden.

Aus dem Ausfuhrerlös (nur. Steinkohlen) wird ein Dollarcents-Fonds derart gespeist, daß die Gutschriften bei 225 000 t Tagesförderung mit 18 cts je Tonne beginnen und bis zu 3.1 cts je Tonne (bei einer Tagesförderung von 325 000 t) steigen. Erreichte oder überschritt eine Zeche das Leistungssoll der Förderung im Januar, so war die Belegschaft an den Sammelbeträgen des Dollarcents-Fonds beteiligt, und der Bergmann erhält, nun IK-Marken je nach der Höhe seines Bruttolohn an teils; hingegen kann er innerhalb bestimmter Ausgabefristen ausländische Lebensmittel und Gebrauchsgüter gegen Reichsmark zu den allgemein gültigen Preisen kaufen (und zwar ohne Abgabe von Bergmannspunkten und ohne Anrechnung auf Lebensmittelkarten).

Bei einer Monatsförderung von 7 Millionen t (= 280 000 t arbeitstäglich) können zum Beispiel Importwaren von über 1,8 Millionen Dollar erworben werden. Je höher die Gesamtförderung und je größer die Einzelleistung ist, um so mehr IK-Marken werden dem einzelnen Arbeiter und Angestellten, die je nach der Art ihrer Arbeit verschieden eingestuft – sind, zugeteilt. Während es sich bei der Verteilung von Care-Paketen um einmalige Vergünstigungen handelte, wird in der Phase III eine laufende Prämie in gestaffelter Höhe gewährt. Für die im Januar verdienten Beträge stellt sich die Prämie bei dem vor der Kohle Beschäftigten im Durchschnitt auf etwa 6,5 Dollar, bei allen Bezugsberechtigten insgesamt durchschnittlich auf je ungefähr 3 Dollar. 10 Cents sind eine IK-Einheit, 100 Cents (= 1 Dollar) also zehn Iii-Einheiten. Die Anzahl der für die einzelnen Waren erforderlichen IK-Einheiten wird von der deutschen Kohlenbergbau-Leitung entsprechend dem Dollarpreis, der auf dem Weltmarkt von Fall zu Fall gezahlt werden muß, festgesetzt. Nach den derzeitigen Preisen sind zum Beispiel aufzuwenden (je amerikanisches Pfund = 453 g): 1 Pfund Margarine 5, 1 Pfd. Bohnenkaffee 6, 1 Pfd. Vollmilchpulver 7, 1 Pfd. Büchsenfleisch 6, 1 Pfd. Kochschokolade 8, 1 Pfd. Rosinen 3, 1 Pfd. Weizenmehl und 1 Pfd. Zucker je l 1/2 IK-Einheiten.

Wie früher bei der Einlösung der Bergmannspunkte und der Bezugsmarken auf Waren aus den Care-Paketen sind auch jetzt wieder Meinungsverschiedenheiten über die Frage entstanden, inwieweit Einzelhandelsgeschäfte und Konsumgenossenschaften bei der Verteilung der Waren für IK-Marken eingeschaltet werden sollen. Der Einzelhandel klagt über Benachteiligungen, die zum-Teil Formen boykottähnlicher Beschlüsse von Betriebsräten auf Ausschaltung der Einzelhandelsgeschäfte zugunsten der Konsumgenossenschaften angenommen haben.

Durch die dritte Care-Paket-Aktion sind die gesetzten Ziele nicht voll erreicht worden. Daher ist die Frist vom 31. März auf den 30. April (unter Herabsetzung der Sollziffer von 325 000 auf 290 000 Tagestonnen) verlängert worden. Aber nach den bisherigen Förderungen im April ist auch wohl nur mit einem weiteren Teilerfolg zu rechnen. Die Frage, ob man die Zechen, die um das dritte Care-Paket gekämpft, aber das Soll nicht ganz erreicht haben, entsprechend ihrer erhöhten Förderung an den Care-Vergünstigungen teilnehmen lassen kann, ist noch nicht entschieden. Es wird sich bald zeigen, ob und in welchem Maße die jetzt begonnene Ausgabe der IK-Marken eine neue Aufwärtsbewegung der Förderung auslösen wird. Die Meinungen an der Ruhr sind geteilt. Neben einer weiteren notwendigen Verstärkung der Belegschaften kommt es vor allem auf eine Erhöhung der Schichtleistung an, die in der Vorkriegszeit über 2 t je Mann unter Tage, im Februar dieses Jahres aber nur 1,22 t betrug; im März stieg sie etwa (auf 1,8 t) an. Eine wirklich grundlegende Besserung von Dauer wird erst eintreten, wenn der gesamten Bevölkerung eine bessere Lebenshaltung gewährleistet und die Materialversorgung der Zechen, deren Produktionskapazität gegenwärtig auf 350.000 t arbeitstäglich veranschlagt wird, gesichert ist.