vom 29. April bis 5. Mai 1948

Die Vereinigten Staaten, Großbritannien und Frankreich gaben in einem Kommuniqué in London bekannt, daß sie bisher bei ihren Bespredrangen über die politische Struktur Deutschlands noch "kein Übereinkommen" erzielt hätten, In einem Reuterkommentar wird hierzu erklärt, die Berichte, wonach man sich über die Schaffung einer westdeutschen Verfassunggebenden Versammlung bis zum 1. September geeinigt habe, seien durch das Kommuniqué keinesfalls widerlegt worden.

Die Zusage Großbritanniens und der USA auf Unterstützung der sowjetischen und polnischen Gebietsansprüche gegenüber Deutschand sei von dem Augenblick an hinfällig, geworden, in dem die Sowjets und Polen ihre in Jalta und Potsdam eingegangenen Verpflichtungen nicht mehr erfüllten, schrieb die "New York Times" zu den Londoner Deutschlandberatungen

Die Ziele des europäischen Wiederaufbaus können nach Ansicht des "Observer" erfüllt werden, wenn die gesamte westeuropäische Wirtschaft zumindest für die nächsten zwei oder drei Jahre wie eine einheitliche Kriegswirtschaft arbeite. Wenn die beträchtlichen Produktionsreserven nutzbar gemacht würden und das volle Wirtschaftspotential zusammengefaßt werde, müsse es möglich sein, sowohl die genügende Verteidigungsstärke als auch die für das europäische Leben erforderliche wirtschaftliche Wiedergesundung zu erreichen.

Auf der Genfer Konferenz der UNO-Wirtschaftskommission für Europa erklärte der britische Delegierte, Staatsminister McNeill, der wirtschaftliche Wiederaufbau Europas sei ohne Deutschland unmöglich. Im Interesse Deutschlands und Europas sei die Wiederherstellung der deutschen Wirtschaftseinheit wünschenswert.

Präsident Truman erklärte in einer Botschaft an die Internationale Tagung der Dekorateure, dieses Jahr werde möglicherweise über die Zukunft der Welt und über die Frage entscheiden, ob die freiheitsliebenden Völker in aller Welt weiterhin in Sicherheit die Freiheiten genießen könnten, die sie im Laufe von Jahrhunderten gewonnen hätten.

Der Generalstabschef der USA, General Bradley, und Verteidigungsminister Forrestal sprachen in einer Sitzung des Militärausschusses des Senats von einer verstärkten Kriegsgefahr. Die USA sähen sich heute der Tatsache gegenüber, sagte Forrestal, daß im vergangenen Jahre Pläne für die militärischen Reserven ausgearbeitet werden, seien, die von der Voraussetzung ausgingen, daß keine unmittelbare Kriegsgefahr bestehe. Jetzt aber müsse man die Möglichkeit eines Krieges in Rechnung stellen.