Nicht nur die Hausfrau hat Grund zur Freude über die Zitrone, die auf jedem von uns entfällt, bereits in München eingetroffen ist und demnächst zur Verteilung kommen soll. Auch der Handelspolitiker empfindet die Zitronenlieferung aus Italien als einen erklecklichen Fortschritt. Denn zum ersten Male ist ein deutscher Handelsvertragsabschluß für Lebensmittel gestattet worden, während sich kurz zuvor die schwedischen und deutschen Hoffnungen auf einen Austausch schwedischer Fische gegen deutsche Exportwaren wohl unter dem amerikanischen Veto zerschlugen. Für 10 Mill. $ Obst und Gemüse wird Italien liefern, davon sofort 20 000 t Zitronen (einschließlich der 7000 t in München), 10 000 t Obstmark und 3–5000 t Tomatenmark. Dies kostet uns 3 Mill. $; die verbleibenden 7 Mill. $ stehen für ähnliche Lieferungen im Spätsommer, oder Herbst zur Verfügung.

Sichtlich hat sich der italienische Standpunkt unter dem Eindruck des demokratischen Wahlerfolges bei den Verhandlungen mit der JEIA durchsetzen können. Dieser Standpunkt ist bekannt: Italien braucht Deutschland als Handelspartner, als Absatzmarkt für seine Früchte, als Lieferanten vieler Fertigwaren. Gerade der Marshall-Plan, mit seiner Anregung zur europäischen Zusammenarbeit, dient Italien als Argument, der möglichst umfassenden Wiederherstellung seiner traditionellen Handelsbeziehungen das Wort zu reden, da Italien ohne den deutschen Abnehmer nicht gesunden kann. Der Obstabschluß ist zugleich ein schönes Vorzeichen zur Mailänder Mustermesse, auf der 100 deutsche Aussteller erstmalig seit der Kapitulation Italien ihre Güter zeigen können. In weiteren Verhandlungen in der zweiten Hälfte Mai wird sich hoffentlich weiteres erreichen lassen; der deutsche Wunschzettel ist lang, umfaßt auch weitere Obst- und Gemüselieferungen; vielleicht denkt man auch in das Olivenöl.

Hoffentlich bleibt der Abschluß mit Italien nicht der einzige seiner Art. Diesem Erfolg und dem aus anderen Gründen erfreulichen Verrechnungsabkommen über 300 Mill. kr Warenaustausch mit Schweden stehen leider die gescheiterten Verhandlungen mit der Türkei gegenüber, die weder ihre Trockenfrüchte noch ihren Tabak noch ihre Baumwolle in Deutschland absetzen darf und daher auch nicht in der Lage ist, ihre Einfuhrbeschränkungen zugunsten deutscher Waren zu lockern. Leider bleibt auch noch allgemein die Dollarklausel, die Einführung des Dollars zur Abrechnung von Verrechnungsspitzen und zur Durchführung von Einzelgeschäften. Dies ist ein ernstes Hindernis der handelspolitischen Auflockerung, auf die es im Augenblick fast noch mehr ankommt als auf die Beseitigung von Hemmnissen – in der Außenhandelstechnik, um die Bremsen von der möglichen deutschen Exportsteigerung wegzuziehen. Gw.

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Ein neues Warenabkommen zwischen der Doppelzone und der französischen Zone für die Zeit vom 1. April bis 31. Dezember 1948 über Lieferungen der Doppelzone für 189 Mill. RM gegen Lieferungen der französischen Zone für 239 Mill. RM ist abgeschlossen worden. Die Mehrlieferungen der französischen Zone dienen dem Ausgleich für die Ruhrkohle, die als Ersatz für die ausgefallene Saarkohle in die französische Zone geliefert wird.