Uraufführung in Hersfeld

Eine chinesische Novelle aus dem 17. Jahrhundert wurde dramatisiert, eine Kriegsgeschichte, die uns durch auffällige Parallelen in engste Nachbarschaft gerückt wird: Da ist ein junges Ehepaar, das gerade das erste Kind bekam. Tatarenhorden nähern sich, und der Mann entschließt sich auf Rat der Weisen zur Flucht, um den Stamm der Familie zu erhalten. Der Frau aber wird auferlegt, sich dem Ansturm der feindlichen Soldaten auszusetzen, um das Leben des kleinen Sohnes zu retten. Sie wird die Frau eines hohen feindlichen Kriegsherrn, der sie später – edel und selbstlos wie im Märchen – ihrem Manne wieder zurückgibt. Eine durch vielerlei Schwüre, durch lange Überlegungen über Ehre und Pflicht komplizierte Geschichte, die uns fremd bleibt. Zudem gelang es nicht, die Novelle wirklich zu dramatisieren. Ansatzpunkte dazu waren einzig in den Szenen zwischen den beiden Männern und der Frau zu finden. – Nur die ausgezeichnete Aufführung konnte für diesen Theaterabend interessieren. Die Leistung, die hier die Hersfelder Abteilung des Staatstheaters Kassel (Leitung Carl Randt) bot, war ein klarer Beweis der Lebensfähigkeit dieser Bühne.

G. Sch.