Fett ist auch heute noch – trotz entgegenstehender Auffassung einiger ausländischer Stellen, die Fett mehr als Mittel zur Geschmacksverbesserung erklärt haben – ein lebensnotwendiges Nahrungsmittel. Zwar führt das Fehlen von Fett nicht zum Hungertode, aber eine hohe geistige und körperliche Leistungsfähigkeit – und die brauchen wir heute mehr denn je – wird nur erreicht, wenn in der Nahrung auch Fett in ausreichender Menge vorhanden ist.

Der Bedarf an Fett ist, je nach Art der Arbeit, des Klimas und selbst nach der Rassezugehörigkeit verschieden hoch. Man denke dabei zunächst nur an das sichtbare Fett, das sogenannte Handelsfett, das man als Butter, als Schlachtfett (Schmalz, Speck, Talg), als Margarine (aus pflanzlichem Öl, Waltran, Fischöl) oder unmittelbar als pflanzliches Öl zu sich nimmt. Auch die übrigen Nahrungsmittel enthalten Fett. So besonders das Fleisch, die Vollmilch, der Käse und viele Fischarten. Auch sind in verschiedenen pflanzlichen Nahrungsmitteln kleine Mengen Fett enthalten, so daß das physiologisch verwertbare Fett in der Gesamtnahrung bisweilen doppelt so hoch ist wie der Fettgehalt im eigentlichen Handelsfett.

Vor dem Kriege waren wir Deutschen große Fettverzehrer. Nach den skandinavischen Ländern und England folgte Deutschland mit rund 24 kg im Jahr. Das war gewiß ein Überverzehr; es waren je Kopf und Tag im Durchschn tt 65 g. Selbst in den USA war damals der Verbrauch nicht größer. Ermöglicht wurde dies erst nach dem ersten Weltkriege durch die technischen Fortschritte (Fetthärtung) und die riesige Reklame der Margarine-Industrie, die schließlich auch geschmacklich "buttergleiche" Margarine zu niedrigen Preisen herstellen konnte. Vor den ersten

Bei weitem am stärksten ist somit England von der Einfuhr abhängig. Es beansprucht mehr als ein Drittel der Einfuhr. In seinen Kolonien und Dominien hat es große Fettquellen, die es zur Zeit mit Hilfe des Erdnußanbauplanes in Ostafrika noch weiter aufbaut. Es sollen dort in einigen Jahren 600 000 t Erdnüsse auf 1,2 Mill. ha geerntet werden und 250 000 t Fett erbringen. Auch beteiligt sich England stärker am Walfang. Somit dürfte Englands Versorgung gesichert sein.

Anders sieht es in Kontinentaleuropa aus. Überschüsse haben nur Dänemark und das Baltikum in tierischen Fetten, allerdings auf überwiegend ausländischer Futterbasis, und der Balkan in pflanzlichen Fetten. Zusammen machen die Überschüsse aber nur 9 v.H. des Gesamtzuschußbedarfes aus. Die europäische Fetterzeugung von 4,2 Mill. t war zu drei Vierteln tierischen Ursprungs, davon gingen 220 000 t Butter an England. Durch die Verminderung der Tierzahl, die bedeutende Verschlechterung der Futtererzeugung infolge Fehlens von Kunstdünger und durch den Ausfall an Kraftfuttereinfuhr aus anderen Erdteilen ist heute die tierische Fetterzeugung gewaltig gesunken und beträgt schätzungsweise nur etwa die Hälfte der Vorkriegszeit. Die pflanzliche Fetterzeugung, die im wesentlichen aus südeuropäischem Olivenöl besteht, brachte nur etwa 300 000 t übriges Pflanzenöl. So war das große Defizit lediglich Weltkrieg waren wir bei einem geringeren Fettverbrauch von 16 bis 20 kg im Jahr gleichwohl voll leistungsfähig. Der hohe Verbrauch seitdem war jedoch auch kostspielig und erforderte Devisen. Er bestand zu zwei Dritteln aus tierischem Fett, das zu 15 v. H. eingeführt und dessen deutsche Erzeugung zu 23 v. H. auf ausländischer Futterbasis fußte, und zu einem Drittel aus pflanzlichem Fett, das fast ganz aus ausländischen Ölsaaten gewonnen wurde. Die echte Eigenerzeugung betrug nur etwa 43 v. H. Die verschiedenen Erzeugungs- und Versorgungspläne sehen deswegen auch nur eine künftige Versorgung mit etwa zwei Dritteln des Vorkriegsverzehrs (etwa 45 g je Kopf und Tag im Volksdurchschnitt) vor, während es heute rd. 12 bis 15 g sind, wovon der Normalverbraucher nur etwa die Hälfte bekommt. Das von der Hygienesektion des Völkerbundes 1937 festgesetzte Fettminimum ist 30 g, nach Professor Rein 40 g, wobei die Art des Fettes noch von Bedeutung ist.

Wenn wir, nun in den kommenden Jahren aus Devisenmangel auch bei allmählichem Ansteigen der Fettvorräte der Welt nicht wieder zum Vorkriegsverzehr zurückkehren können, so werden wir doch auf Einfuhren von Fett und fettliefernden Ölfrüchten angewiesen sein. Es interessieren deswegen die Fettquellen, die uns und dem übrigen Europa früher zur Verfügung standen und die uns künftig wohl verfügbar sind.

Im Durchschnitt der Jahre 1935 bis 1938 betrug der Fettverbrauch in Europa ohne Rußland einschließlich des Bedarfes für technische Zwecke, der etwa 1,2 Mill. t ausmacht, 7,7 Mill. t. Davon wurden 3,3 Mill. t eingeführt. Auf die einzelnen Gebiete Europas verteilen sich Erzeugung, Einfuhr und Verbrauch folgendermaßen: durch Einfuhr von Ölfrüchten zu decken, denen sich in den letzten Jahrzehnten vor dem Kriege das Walöl in steigendem Umfange zugesellte. Von dem großen Zuschußbedarf Europas nahm Deutschland etwa die Hälfte auf, es waren rund 1 Mill. t Fett.